Trump und der saudische Kronprinz | Bildquelle: REUTERS

Kronprinz auf US-Reise Saudische Charmeoffensive in Washington

Stand: 21.03.2018 04:57 Uhr

Der saudische Kronprinz und US-Präsident Trump machen in Washington Deals zum beiderseitigen Vorteil. Die Stimmung ist entspannt, wären da nicht auch einige heikle Themen.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ist ein gern gesehener Gast. Heiter und herzlich fällt der Empfang im Weißen Haus aus. US-Präsident Donald Trump bezeichnet seinen saudischen Besucher als sehr guten Freund. Das Verhältnis beider Länder sei noch nie so gut gewesen.

Kronprinz Mohammed lächelt und erwidert freundlich: "Herr Präsident, vom ersten Tag an im Amt haben wir an einem Deal im Wert von 200 Milliarden Dollar innerhalb von vier Jahren gearbeitet. Am Ende ist es mit 400 Milliarden doppelt so viel."

Das ist eine Menge Geld unter anderem für Waffen und Kriegsgerät made in USA. Mit dem Deal rüstet Trump das wohlhabende Königreich im Nahen Osten auf. Das sei gut für die USA, jubelt Trump, Tausende Jobs seien dadurch gesichert.

Heikle Themen

So gerne beide über ihre wirtschaftlichen Beziehungen reden - es fällt auf, was beim Pressetermin im Oval Office nicht zur Sprache kommt, wohl aber hinter verschlossenen Türen: Der verhängte Boykott gegen Katar zum Beispiel, wo die USA eine ihrer wichtigsten und größten Militärbasen der Region unterhalten.

Der brutale Krieg im Jemen ist ein anderes Thema mit Konfliktpotential. Saudi-Arabien kämpft dort mit amerikanischer Unterstützung. Der Konflikt hat Jemen in eine humanitäre Krise gestürzt. US-Senatoren drängen darauf, die US-amerikanische Militärhilfe einzustellen.

In der Iran-Frage dagegen weiß der US-Präsident die Saudis an seiner Seite. Demonstrativ lässt er offen, wie es mit dem Atomabkommen weitergehen soll: "Sie werden schon sehen, was ich tun werde." Iran habe den Nahen Osten und die ganze Welt nicht angemessen behandelt. Viele schlechte Dinge würde im Iran geschehen, so Trump. Im Mai muss sich die US-Regierung dazu erneut positionieren.

Der saudische Kronprinz Salman | Bildquelle: KEVIN DIETSCH/POOL/EPA-EFE/REX/S
galerie

Der saudische Kronprinz Salman tritt in Washington auch in eigener Sache auf.

PR in eigener Sache

Für den saudischen Kronprinz Mohammed ist es bereits der zweite Besuch in Washington. Als Sohn und Thronfolger des saudischen Königs Salman gilt er mittlerweile als der heimliche Herrscher. Gleich mehrere Wochen wird der 32-Jährige durch die USA touren und potentielle Investoren treffen.

Der ehrgeizige Kronprinz hat seinem ultrakonservativ islamisch geprägten Land eine ganze Reihe von Sozialreformen auferlegt. Die heimische Wirtschaft zu Hause will er schrittweise umbauen und unabhängiger von der Erdölförderung machen. Mohammed bin Salman ist also nicht nur als Freund und Politiker nach Washington gekommen, sondern vor allem als PR-Mann und Investmentberater in eigener Sache.

Saudische Charmeoffensive in Washington: Kronprinz Mohammed auf USA-Reise
Marc Hoffmann, ARD Washington
21.03.2018 07:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. März 2018 um 10:38 Uhr.

Darstellung: