Demonstranten am New Yorker Flughafen JFK | Bildquelle: REUTERS

Proteste gegen Einreisestopp "Amerika ist das Land der Freiheit"

Stand: 29.01.2017 02:23 Uhr

Am New Yorker Flughafen John F. Kennedy sind zwei Iraker festgehalten worden, die in die USA einreisen wollten. Spontan protestierten Hunderte Amerikaner gegen Trumps Einreiseverbot.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

"Flüchtlinge sind willkommen", rufen sie am New Yorker Flughafen John F. Kennedy. Auf ihren Plakaten heißt es: "Kein Bann, keine Mauer". Der Name Trump ist durchgestrichen. Und es heißt bei diesem Spontanprotest: "Nicht gehorchen, das hier ist falsch". Da aber hatten Einreisebeamte bereits dem jüngsten Erlass Donald Trumps gehorcht und zwei Männer aus dem Irak am Flughafen festgesetzt.

"Diese Anordnung richtet verheerenden Schaden im Leben von Flüchtlingen an, die versuchen, zu ihren Familien und Angehörigen zu kommen", sagt Anwalt Mark Doss. Er telefoniert vom New Yorker Flughafen aus mit dem Sender CNN. Doss vertritt die beiden Iraker. Die Entscheidung Trumps, mit sofortiger Wirkung vier Monate lang überhaupt keine Flüchtlinge mehr ins Land zu lassen, ist seiner Ansicht nach verfassungswidrig.

Einreiseverbot Religion?

Einreiseverbote gelten für Flüchtlinge aus Syrien sogar auf unbestimmte Zeit. Und alle Menschen aus einigen mehrheitlich muslimischen Ländern, darunter der Irak, dürfen vorerst drei Monate lang nicht einreisen. Ein Einreiseverbot namens Religion?

Mark Doss erläutert, dass beide Männer im Irak in Gefahr seien. "Beide sind wegen ihrer US-Beziehungen im Visier. Unser Bewerber für ein Spezialvisum hat für die USA gearbeitet, unter anderem als Übersetzer. Man hat erklärt, dass er wegen seines Dienstes für die USA ernsthaft und aktuell gefährdet sei - so hat es das Visum überhaupt erhalten."

USA auf religiöse Vielfalt gegründet

Per Live-Stream übertragen die Demonstranten am Flughafen ihren Protest in alle Welt. "So sieht Demokratie aus" jubeln sie wenig später, als der erste der beiden Männer frei gelassen wird. "Das ist Menschlichkeit, das ist die Seele Amerikas", erklärt er in die vielen Kameras.

Bill de Blasio @NYCMayor
As an American and the grandson of immigrants, I am profoundly saddened by the president’s executive order on immigration.

Direkt nach dem Erlass Trumps - ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag - hatte Bill de Blasio, Bürgermeister der Einwandererstadt New York, getwittert: Als Enkel von Einwanderern betrübe ihn der Präsidentenerlass zutiefst. Die USA seien auf religiöse Vielfalt gegründet, der Präsident aber habe eine geradezu schändlich andere Nachricht ausgesandt.

Das Cover des Boulevardblatts Daily News zeigt eine weinende Freiheitsstatue mit der Überschrift "Die goldene Tür schließt sich". Am New Yorker Flughafen ringt der frei gelassene Iraker um Worte. "Ich bin allen so dankbar, die mir geholfen haben. Vielen Dank. Amerika ist das Land der Freiheit."

Protest gegen Trumps Erlass am New Yorker Flughafen
Kai Clement, ARD New York
29.01.2017 00:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2017 um 03:19 Uhr.

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