Kniende Footballer der "New England Patriots" | Bildquelle: AFP

Attacke gegen kniende Spieler Trump und das "Chaos in Football-Stadien"

Stand: 25.09.2017 09:00 Uhr

Die einen sehen es als Zeichen gegen Diskriminierung, der andere als Respektlosigkeit gegenüber dem Land: Der Streit um kniende Footballer in den USA geht weiter. Erneut knieten viele Profis während der Sonntagsspiele - und der US-Präsident legte nach.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Einige knieten, andere standen, manche Spieler hatten ihre Hand auf die Brust gelegt: Viele Footballteams zeigten sich während der kurzen Hymnen-Zeremonie zu Beginn der Sonntagsspiele Arm in Arm. So antworteten die NFL-Profi-Clubs auf tagelange Dauerattacken von US-Präsident Donald Trump.

Die Pittsburgh Steelers hatten sich entschieden, während der Nationalhymne in der Kabine zu bleiben. Nicht aus Respektlosigkeit, erklärte Teamchef Mike Tomlin. Sondern, um sich der politischen Debatte zu entziehen, die den US-Profisport nach Trumps harschen Worten von Freitag plötzlich ergriffen hat.

Kniende Footballer der "San Francisco 49ers" | Bildquelle: AFP
galerie

Bei den Sonntagsspielen knieten erneut viele Profi-Footballer während der Nationalhymnen - wie etwa die Spieler der San Francisco 49ers ...

Kniende Footballer der "Indianapolis Colts" | Bildquelle: AFP
galerie

... oder auch Profis der Indianapolis Colts. Damit wollen sie ein Zeichen gegen Rassendiskriminierung setzen.

Trump gegen Footballer

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Alabama hatte der US-Präsident die NFL-Club-Eigentümer aufgefordert, diejenigen Spieler rauszuwerfen, die während der Nationalhymne nicht aufrecht stehen. "Wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert, dann holt diesen Hurensohn vom Feld! Feuert ihn!", so Trump wörtlich.

Auf Twitter legte der Präsident am Wochenende immer wieder nach und entfachte so einen Sturm der Entrüstung.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Courageous Patriots have fought and died for our great American Flag --- we MUST honor and respect it! MAKE AMERICA GREAT AGAIN!
Donald J. Trump @realDonaldTrump
Sports fans should never condone players that do not stand proud for their National Anthem or their Country. NFL should change policy!

Zeichen gegen Rassendiskriminierung

Jeder Spieler habe das Recht auf freie Meinungsäußerung im Geiste von Mohamed Ali, erklärte etwa die afroamerikanische Aktivistin Nina Turner im CNN-Interview. Sie stellte sich auf die Seite der milliardenschweren Footballteam-Besitzer. Fast alle von ihnen hatten Erklärungen veröffentlicht, in denen sie Trumps Worte als "spalterisch" zurückwiesen und ihre Spieler in Schutz nahmen - auch diejenigen, die während der Hymne auf die Knie gehen, um so unter anderem gegen Rassendiskriminierung zu protestieren. Der frühere San-Francisco-49ers-Quarterback Colin Kaepernick hatte damit vor gut einem Jahr angefangen.

Sport als Politikum

Dies habe nichts mit Rassendiskriminierung zu tun, verteidigte sich Trump gestern kurz bevor er ins Flugzeug stieg. Es gehe ihm um den Respekt für das Land und die amerikanische Flagge, behauptete der Präsident.

Seine Kritiker werfen ihm genau das Gegenteil vor, wie etwa der Journalist Jamil Smith, der auch einmal für die Profi-Liga NFL gearbeitet hatte: "Trump bringt nun das ganze Chaos, das Thema ethnische Spaltung, in die Sportarena." Eigentlich sei der Sport dazu da, dem Alltag zu entfliehen, sagt er.

Ähnlich argumentieren auch Politiker wie der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee. Er findet allerdings, dass der Sport auch schon vor Trumps Kritik politisch gewesen sei, weil die NFL-Clubs die Proteste während der Nationalhymne zugelassen und damit gegen die Regeln verstoßen hätten. Wenige Sportler ruinierten den Sport, während viele Fans leiden würden, so Huckabee im konservativen Fernsehsender FOX News.

Kniende Footballer: US-Sportler protestieren gegen Trump
Marc Hoffmann, ARD Washington
25.09.2017 08:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 25. September 2017 um 13:28 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: