Der US-Basketballer Stephen Curry spricht auf einer Pressekonferenz   | Bildquelle: USA Today Sports

Trump attackiert NBA und NFL Und plötzlich wird der Sport politisch

Stand: 24.09.2017 13:19 Uhr

Präsident Trump hat sich mit den ganz Großen des US-Sports angelegt: Nachdem er erst einige Spieler der National Football League als "Hurensöhne" bezeichnete, lud er die Basketball-Champions der NBA aus dem Weißen Haus aus. Jetzt gingen die Stars in die Offensive.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Bisher eine Selbstverständlichkeit: Der NBA-Basketball-Champion wird offiziell ins Weiße Haus eingeladen. Glückwünsche abholen, vom US-Präsidenten höchstpersönlich.

Daraus wird dieses Mal nichts. Per Twitter hat Donald Trump NBA-Superstar Stephen Curry ausgeladen. Curry und sein Team, die Golden State Warriors aus Kalifornien hatten im Juni den Titel geholt. Trump twitterte am Samstag: "Solch ein Besuch im Weißen Haus sollte für Titelträger eigentlich eine Ehre bedeuten. Curry zögert, also wird die Einladung zurückgezogen."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Going to the White House is considered a great honor for a championship team.Stephen Curry is hesitating,therefore invitation is withdrawn!

"Was wollen wir in diesem Land tolerieren?"

Denkbar, dass sich der US-Präsident persönlich angegriffen fühlte. Denn der afroamerikanische Basketball-Star Stephen Curry hatte einen Tag zuvor, am Freitag, Klartext gesprochen. Auf einer Pressekonferenz machte er klar, dass er den geplanten Besuch beim Präsidenten ablehnt - ein politisches Statement:

"Wir stehen nicht für die Dinge, die er gesagt hat, und die Dinge, die er im entscheidenden Augenblick eben nicht gesagt hat. Eine Absage kann hoffentlich dazu beitragen, dass sich bezüglich der Frage, was wir in diesem Land tolerieren und akzeptieren und was wir ignorieren, etwas ändert."

Nach Trumps umstrittenen Tweet teilten die Warriors in einem schriftlichen Statement mit, dass sie trotz Ausladung im Februar nach Washington reisen wollen, um dort "Gleichheit, Vielfalt und Inklusion" feiern zu wollen.

"Nehmt den Hurensohn vom Feld"

Die zurückgezogene Einladung ist nicht der einzige Aufreger derzeit im US-Profisport. Auf einer Wahlveranstaltung am Freitag in Alabama hatte Trump die Football-Profiliga NFL attackiert. Die Clubbesitzer rief er auf, die Spieler zu entlassen, die sich weigern, zur Nationalhymne aufzustehen. "Wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert, dann nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert", polterte Trump vor seinen Anhängern.

Colin Kaepernick, bis zuletzt Quarterback bei den San Francisco 49ers, hatte vor gut einem Jahr damit angefangen, während der Nationalhymne in die Hocke zu gehen - aus Protest gegen Rassendiskriminierung. Mehrere Spieler haben sich seitdem ähnlich verhalten.

Kniende Football-Spieler in den USA | Bildquelle: AFP
galerie

Kniende Football-Spieler in den USA

Trumps Äußerungen sorgten bei den NFL-Verantwortlichen für harsche Gegenreaktionen. Der Vorsitzende der Football-Profi-Liga, Roger Goodell, erklärte zum Beispiel, Trumps Äußerungen offenbarten einen Mangel an Respekt für die NFL und die Spieler.

Und die Eigentümer der New York Giants, John Mara und Steve Tisch, bezeichneten Trumps Äußerungen als "unangebracht, beleidigend und spalterisch."

Brian McCarthy @NFLprguy
New NFL statement https://t.co/XHPgVvPPfH

Trump attackiert NBA und NFL
Marc Hoffmann, ARD Washington
24.09.2017 11:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 24. September 2017 um 12:18 Uhr.

Darstellung: