Pulte im Kanzleramt neben einer deutschen Flagge und einer US-Flagge | Bildquelle: picture alliance / dpa

Strategie gesucht Der Twitter-Präsident und die Sach-Kanzlerin

Stand: 21.01.2017 13:54 Uhr

Hinter den Berliner Kulissen laufen die Drähte heiß: Der persönliche Kontakt zwischen der Kanzlerin und dem US-Präsident soll her. Doch wie kann ein Gespräch zwischen der sachlichen Merkel und dem unberechenbaren Trump eigentlich aussehen?

Von Michael Stempfle, ARD-Hauptstadtstudio

So viel ist sicher: Die deutsche Bundesregierung hat sich die Amtsantritts-Rede des neuen US-Präsidenten genau angehört, Rückschlüsse gezogen und die Erkenntnisse mit anderen Beobachtungen über Donald Trump zusammengeführt - also aus Wahlkampf-Reden oder Trumps Buch "Die Kunst des Verhandelns".

Die Stunde der Politik-Berater

Man kann sich das, was sich im politischen Berlin hinter den Kulissen abspielt, wie eine Aufholjagd vorstellen: Die Große Koalition aus Union und SPD hatte im US-Wahlkampf auf Hillary Clinton gesetzt, wurde vom Wahlausgang völlig überrascht und hatte kaum Kontakte ins Trump-Lager. Jetzt laufen die Drähte heiß - auf verschiedenen Ebenen. Es ist vor allem die Zeit der Think Tanks und Politik-Berater.

Bundeskanzlerin Merkel unterhält sich im Bundeskanzleramt mit ihrem außenpolitischen Berater Christoph Heusgen.
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Merkels Berater Christoph Heusgen soll Kontakte zur Trump-Administration knüpfen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren außen- und sicherheitspolitischen Berater Christoph Heusgen in die USA geschickt. Er hat sich mit seinem Pendant der neuen US-Regierung, Michael Flynn, getroffen und bereits mehrmals mit Trumps Sicherheitsberater telefoniert. Das gegenseitige Kennenlernen der beiden Administrationen werde aber "dadurch erschwert, dass die Trump-Regierung viele ihrer Posten noch gar nicht besetzt hat", so Patrick Keller, Koordinator für Außen- und Sicherheitspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung. Abgesehen von allerhöchsten Nominierungen und Ministerämtern sei noch nicht klar, wer auf Arbeitsebene Ansprechpartner sein wird für die deutsche Regierung.

Engen Kontakt halten

So sehr die Zeit drängt: In der Bundesregierung ist auch Geduld gefragt. Neben den Kontakten der beiden Administrationen versuchen auch die Außenexperten der Fraktionen im Bundestag, ihre Drähte nach Washington DC zu nutzen. Die Vorgabe für die Transatlantiker: Engen Kontakt halten mit Kongress-Abgeordneten. Ganz konkret: gegenseitige Einladungen, Besuche und Austausch.

Kein Wunder, dass bei den vielen offenen Fragen auch Gerüchte die Runde machen. Trump zeige sich bislang beratungsresistent, ist auf den Gängen im Bundestag zu hören.

Strategischer Vorteil G-20-Präsidentschaft

Der persönliche Kontakt soll auch auf höchster Ebene her. Daher wird im Kanzleramt auch über einen Besuch Merkels bei Trump nachgedacht. Ein Termin steht noch nicht fest. Merkels strategischer Vorteil: Sie käme nicht "nur" als deutsche Kanzlerin. Deutschland hat in diesem Jahr auch die G20-Präsidentschaft inne. Das verleiht ihr mehr Autorität, so die Hoffnung.

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Und dann sind da noch die beiden großen Kalender-Termine, zu denen Donald Trump erwartet wird: der NATO-Gipfel in Brüssel im Frühjahr und der G20 Gipfel in Hamburg im Juli. Merkels Mission: Trump einladen, mitzumachen. Und zwar auf multinationaler Ebene, selbst wenn der US-Präsident die bilateralen Deals viel lieber hat. Hinter den Kulissen will die Bundesregierung deutsche Positionen und internationale Verflechtungen erklären und dafür werben. Das dürfte keine leichte Aufgabe werden. "Wir fangen mit Trump nicht bei einer Stunde Null an", so Keller von der Konrad-Adenauer-Stiftung. "Die strategische Entwicklung der NATO, der G20, unsere entwicklungspolitische Agenda - all diese Dinge, die im multilateralen Kontext stattfinden, die laufen. Da hat gerade Deutschland in den letzten Jahren viel beigetragen, viel Führung bewiesen, Initiative gezeigt, das zahlt sich jetzt womöglich aus." Trotz aller nationalistischer Töne Trumps: Jetzt gehe es um einen guten Einstieg in Sacharbeit.

Trump poltert - Merkel wartet ab

Wäre da nicht auch noch die narzisstische Persönlichkeit des US-Präsidenten. Immerhin will er der größte Job-Beschaffer werden, den Gott je geschaffen habe. Bescheidenheit klingt anders.

Trump poltert und provoziert in seinen Reden - und das längst nicht nur im Wahlkampf. Er wirkt, je nach Laune, aggressiv oder gar vulgär. Der Gegensatz zu Kanzlerin Merkel könnte größer kaum sein. Auf der einen Seite die Sachliche, die Dinge in komplexe Zusammenhänge einordnet. Auf der anderen Seite der Twitter-Präsident, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und dem eigene Widersprüchen wurst sind. Wie kann ein Gespräch von Merkel und Trump im Oval Office überhaupt ablaufen, fragt man sich da.

"Klare Standpunkte vertreten"

Für Kommunikations-Experte Peter John Mahrenholz, Gründer der Plattform "18tes Kamel", gibt es da nur einen Weg: Trump sei ein Herausforderer und ein Narzisst. Einem Herausforderer müsse man damit begegnen, dass man mit sehr klaren Standpunkten sehr deutlich argumentiere. "Sonst nimmt er einen erst gar nicht ernst." Ein Narzisst brauche aber schon auch eine gewisse "Bestätigung". Trump als Person infrage zu stellen, das würde nicht helfen, so Mahrenholz. Die Konsequenz: Nicht nur Ablehnung, sondern ein Stück weit auch Zustimmung entgegenbringen. Trump in seiner Eitelkeit eine Chance geben, gut da zu stehen. Gemeinsame Interessen herausfinden, pragmatisch arbeiten. Wenn es eine Schnittmenge von Trump und Merkel geben sollte, dann ist es vielleicht das Bemühen um pragmatische Lösungen.

Um dieses und andere Themen geht es Sonntagabend im Bericht aus Berlin um 18.30 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2017 um 17:00 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema der Bericht aus Berlin am 22. Januar 2017 um 18:30 Uhr.

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