Zeitungen nach Trump-Wahl | Bildquelle: dpa

"Fake News Award" für US-Medien Trumps Liste der "unfairen Lügen"

Stand: 18.01.2018 07:38 Uhr

Trump und die Medien - ein schwieriges Verhältnis. Mehrfach beschuldigte der US-Präsident Journalisten der falschen Berichterstattung. Die aus seiner Sicht gröbsten Falschdarstellungen kürte er nun mit einem "Fake News Award".

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Lange hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, einen "Fake News Award" zu vergeben. Erst wurde der Termin verschoben, dann war lange unklar was, wann und wie er verliehen werden soll. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, versuchte bei Nachfragen von Journalisten gestern noch zu scherzen: "Ich weiß, ihr seid alle gespannt, weil ihr wissen wollt, ob ihr die großen Gewinner seid."

Am Ende ist die groß angekündigte Preisverleihung ein Link, den Trump abends um acht Uhr über Twitter veröffentlicht. Dass es dazu überhaupt kommt, kritisierte der republikanische Senator Jeff Flake schon am Nachmittag deutlich in einer Rede vor seinen Kollegen: "Wir hören über Twitter, dass der Präsident heute den Preis für die korruptesten und unehrlichsten Medien verleihen will. Man kann kaum glauben, dass ein US-Präsident sich so ein Spektakel überhaupt gibt."

Trump kürt "Gewinner"

Am Ende ist der sogenannte Preis eine Liste mit Beispielen, die Trump für besonders falsche und unehrliche Berichterstattung hält. Viermal werden Berichte von CNN zitiert, auch die Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" sowie die Nachrichtenmagazine "Time" und "Newsweek" und der Sender ABC sind Teil der Auflistung.

Auf Platz eins landet Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der in einem Artikel in der "New York Times" am Tag von Trumps Wahl erklärt hatte, dass sich die US-Wirtschaft nie von diesem Präsidenten erholen werde. Trump fügt dahinter den Satz hinzu: "Der Dow Jones auf Rekordhoch." Auf Platz zwei folgt ein Reporter des Fernsehsenders ABC. Der Sender hatte ihn wegen einer Falschmeldung in der Russland-Affäre für vier Wochen beurlaubt.

Heftige Kritik aus den eigenen Reihen

Trumps Liste wirkt allerdings fast zahm an einem Tag, an dem der republikanische Senator Flake eine düstere Abrechnung aufmacht: "2017 war ein Jahr, in dem die Wahrheit - die objektive, empirische, durch Beweise gestützte Wahrheit - übler zugerichtet wurde als je zuvor in der Geschichte unseres Landes. Und das vom Mächtigsten im Land. Ein Jahr, in dem das Weiße Haus die Worte 'alternative Fakten' ins amerikanische Lexikon gebracht hat."

Unter der von Trump veröffentlichten "Gewinner-Liste" steht eine weitere Liste mit zehn Punkten: einmal mehr werden darin Trumps Erfolge bejubelt. Die Kritik von Flake an Trumps Umgang mit den Medien und der Wahrheit prallt am Weißen Haus ab: "Flake sucht Aufmerksamkeit. Im Weißen Haus begrüßen wir den Kontakt mit den Medien jeden Tag. Ich stehe hier Rede und Antwort, der Präsident auch immer wieder. Der Vorwurf, dass wir nicht offen für diesen Austausch seien, ist einfach nur lächerlich", sagte Sprecherin Huckabee-Sanders.

Ungewohntes Lob per Twitter

Ungewöhnlich für Trump war der Tweet, der auf die Veröffentlichung der Liste mit der Medienschelte folgte: Darin schreibt der US-Präsident, dass es viele gute Reporter gebe, die er respektiere und dass es viele gute Nachrichten für die Amerikaner gebe, auf die sie stolz sein könnten.

Pünktlich zur Verleihung des "Fake News Awards" rief der republikanische Senator John McCain mit einem Kommentar in der "Washington Post" Trump dazu auf, für die Pressefreiheit einzustehen - auch als Beispiel für andere Länder. Er appellierte an den US-Präsidenten, mit seinen Attacken auf Journalisten aufzuhören. Ihre Arbeit sei wichtig für die Demokratie. Und sein Kollege Flake warnte: "Ein amerikanischer Präsident, der keine Kritik annehmen kann, der ständig ablenkt, verdreht und jemand anderen sucht, den er beschuldigen kann, beschreitet einen gefährlichen Weg. Und ein Kongress, der nicht seine Aufgabe der Kontrolle des Präsidenten wahrnimmt, macht die Gefahr nur noch größer."

Trump wollte es zu einem Tag der Abrechnung mit den Medien machen. Mit ihren deutlichen Worten haben zwei seiner Parteikollegen den Spieß jedoch umgedreht und es zu einem Tag der scharfen Abrechnung mit Trump und seinem Umgang mit Journalisten gemacht.

Trumps Liste der "unfairen" Lügen
Martina Buttler, ARD Washington
18.01.2018 08:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Januar 2018 um 08:32 Uhr.

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