Zeitungen mit Trump auf der Titelseite liegen an einem Kiosk. | Bildquelle: dpa

Trump und die Medien Nachfragen nicht erwünscht

Stand: 31.12.2016 14:40 Uhr

Trumps Öffentlichkeitsarbeit stellt die traditionellen Medien vor große Herausforderungen. Der künftige US-Präsident kommuniziert gerne via Twitter und lässt somit kaum Nachfragen zu.

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Angespannt - das ist wohl noch die freundlichste Umschreibung für das Verhältnis zwischen Donald Trump und den Medien. Der künftige US-Präsident hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von kritischen Journalisten hält. Noch Anfang Dezember - nach der Wahl also - hat er bei einer Veranstaltung auf die Presseränge gezeigt und unter dem Jubel seiner Anhänger erklärt: "Das sind sehr, sehr unehrliche Menschen."

Trump-Anhänger - und nicht nur sie - sind der Meinung, dass die amerikanischen Medien nicht ohne Grund in Frage gestellt werden: Bis auf die ausgewiesen rechtslastigen Sender und Blogs hat schließlich fast keine Publikation Trump auch nur den Hauch einer Chance bei den Präsidentschaftwahlen eingeräumt und ihn in ihrer Berichterstattung nie richtig zu fassen bekommen.

Medien beschäftigten sich viel mit Trumps Tweets

Frank Sesno, Journalistikprofessor an der George Washington Universität, sagt: "Viele der amerikanischen Medien sind auf das Spektakel hereingefallen, das der Trump-Wahlkampf war. Praktisch alle haben unangemessen viel Zeit mit seinen Tweets und Beleidigungen verbracht. Deswegen sind die Politik-Ideen der einzelnen Kandidaten zu kurz gekommen."

Doch die Zeiten ändern sich. Wurden vor noch nicht allzu langer Zeit Trumps Reden zum Beispiel von CNN oft eins zu eins übertragen - deutlich öfter als die seiner Konkurrenten - muss das Trump-Lager heute mit kritischen Nachfragen rechnen: wie der designierte Vizepräsident Mike Pence.

Im Gespräch mit CNN-Moderator Jake Tapper versuchte er kürzlich, der Frage auszuweichen, ob für den Sohn von Trumps künftigem Sicherheitsberater ein Antrag darauf gestellt wurde, ihm Zugang zu Geheimmaterial zu ermöglichen. Fünf Nachfragen in fünf Minuten nach der sogenannten "security clearance". "Ich will ja nach anderen Themen fragen," sagt Tapper am Ende. "Aber sie beantworten meine Frage nicht."

Journalisten waren zu unkritisch

Dass derartiges hartnäckiges Nachfragen viel zu lange vernachlässigt wurde, ist ein Problem für sich. Ein noch größeres Problem ist aber, dass Trump derartigen Nachfragen aus dem Weg geht: Er hat seit Monaten keine Pressekonferenz mehr gegeben, er kommuniziert oft genug über die Sozialen Medien wie Twitter an den klassischen Medien vorbei.

Und als würde das ihre Arbeit nicht schon schwer genug machen, kämpfen amerikanische Zeitungen und Sender mit dem immer größeren Problem, dass Fakten einfach nicht mehr als Fakten anerkannt werden. Scottie Nell Hughes, einflussreiche konservative Bloggerin und Trump-Unterstützerin, sagte über die Realität, so wie sie sie sieht: "Tatsachen sind nicht wirklich Tatsachen. Jeder hat seine Art, Dinge als wahr oder nicht wahr zu interpretieren."

Vertreter der etablierten Medien lässt das fassungslos zurück. Glenn Thrush, gerade von der "New York Times" angeheuert, um über das Weiße Haus unter Donald Trump zu berichten, sagt, das sei eine "absolut empörende Aussage".

Traditionelle Medien verlieren an Ansehen

Aber Tatsache ist: Viele Amerikaner bewegen sich bei ihrem Medienkonsum in Echokammern, die nur ihre eigenen politischen Ideen verstärken, oft genug faktenfrei, oder nur mit Fakten ausgestattet, die ihnen gerade passen.

Traditionelle Leitmedien - die großen Abendnachrichtensendungen, die überregionalen Zeitungen und die Nachrichtensender - werden nicht mehr als ehrliche Nachrichtenquelle wahrgenommen. Das Problem, so Frank Sesno: Medien müssten Trumps Aussagen überprüfen und ihn auch kritisieren, aber sie müssten eben auch einen Zugang finden zu den Menschen, die sich von der Gesellschaft abgehängt, aber von Trump verstanden fühlen: "Wir werden uns viel mehr bemühen müssen, wenn wir ein Massenpublikum erreichen wollen. Wir müssen Geschichten anbieten, die verschiedene Standpunkte anbieten - und nicht übermäßig in die eine oder andere Richtung gehen", sagt er.

Ein schwieriger Balanceakt für die amerikanischen Medien - auch, weil Trump ja immer wieder klar gezeigt hat, dass er den Medien äußerst kritisch gegenüber steht.

Journalismus in den Zeiten von Trump
R. Büllmann, ARD Washington
31.12.2016 13:37 Uhr

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