Kniende Football-Spieler in den USA | Bildquelle: AFP

Protest bei Nationalhymne Trump will kniende Footballer feuern

Stand: 24.09.2017 02:52 Uhr

Aus Protest gegen Rassismus sind beim Erklingen der US-Nationalhymne mehrere schwarze Football-Spieler auf die Knie gegangen. Für Präsident Trump ein Affront. Er forderte die Football-Profiliga NFL auf, die "Hurensöhne" zu feuern.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Die Nationalhymne gehört zu jedem Football-Spiel dazu: Zu besonderen Anlässen wird sie von einem Musikstar live gesungen. Die Zuschauer und Spieler im Stadion erheben sich. Manche singen mit. Doch einige Spieler gehen in diesen Minuten bewusst auf die Knie. Sie wollen auf die Rassendiskriminierung aufmerksam machen. Seit gut einem Jahr wird in den USA über diese Form des Protests diskutiert.

Für US-Präsident Donald Trump handeln die knienden Football-Spieler respektlos. Trump wendete sich auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Alabama an die Klubchefs der Football-Profiliga NFL. Diese sollten die protestierenden Spieler entlassen. Vor seinen feiernden Anhängern polterte Trump:

"Würden Sie nicht gerne hören, dass einer der Bosse der National Football League sagt, wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert: 'Nehmt diesen Hurensohn sofort vom Feld! Er ist gefeuert!'?" Und weiter: "Dies ist eine totale Respektlosigkeit gegenüber unserer Tradition und gegenüber allem, für das wir stehen."

Knieende Footballer bei Nationalhymne: Trump fordert Entlassung
Marc Hoffmann, ARD Washington
24.09.2017 00:06 Uhr

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Welle des Protests

Begonnen hat der ungewöhnliche Hymnen-Protest vor gut einem Jahr. Quarterback Colin Kaepernik, damals bei den San Francisco 49ers, weigerte sich zu stehen. Dafür erntete der prominente Spieler viel Kritik. Weitere Spieler, auch anderer Teams, folgten seinem Beispiel. Derzeit ist Kaepernik vereinslos.

Trump will dieses Verhalten stoppen und ruft zum Boykott auf:

"Auch wenn es nur ein Spieler ist - verlasst das Stadion! Ich garantiere euch, diese Dinge werden dann aufhören. Steht einfach auf und geht."

NFL verurteilt Trump-Äußerungen

Die Football-Profiliga NFL reagierte mit scharfen Worten. Trumps Aussagen seien spalterisch und respektlos, heißt es in einem offiziellen Statement, das die NFL per Twitter veröffentlicht hat. Der Chef der NFL-Spielergewerkschaft, DeMaurice Smith, sagte, der Verband werde auf jeden Fall das Recht der Spieler auf freie Meinungsäußerung schützen.

Brian McCarthy @NFLprguy
New NFL statement https://t.co/XHPgVvPPfH

Auch Basketball-Profis kritisieren Trump

Auch Basketball-Profis stimmten in die Kritik an Trump ein. Stephen Curry von den Golden State Warriors sagte, er werde gegen einen geplanten Besuch des aktuellen NBA-Meisters beim Präsidenten stimmen. Trump erklärte via Twitter, es sei für ein Meisterschafts-Team eine große Ehre, ins Weiße Haus zu kommen. "Stephen Curry zögert, darum ist die Einladung zurückgezogen!"

Basketball-Star LeBron James, der im Präsidentschaftswahlkampf Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton unterstützt hatte, schrieb daraufhin auf Twitter: "Du Penner (...) Ins Weiße Haus zu gehen war eine große Ehre - bis Sie aufgetaucht sind!"

LeBron James @KingJames
U bum @StephenCurry30 already said he ain't going! So therefore ain't no invite. Going to White House was a great honor until you showed up!

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2017 um 19:50 Uhr.

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