Ausgetrockneter Boden im französischen Carros | Bildquelle: dpa

Sorge um wissenschaftliches Material Klimaforscher schützen Daten vor Trump

Stand: 20.12.2016 09:33 Uhr

Kurz vor der Vereidigung Trumps als US-Präsident fürchten Klimaforscher, Daten könnten von Regierungsservern verschwinden. Eifrig sichern sie so viel Material wie möglich vor einem Mann, der den Klimawandel einen Scherz der Chinesen nennt.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Los Angeles

Wissenschaftler kopieren fieberhaft Daten zum Klimawandel von Regierungsservern. Sie wollen bis zu Trumps Amtseinführung im Januar so viel Material wie möglich sichern. Denn sie haben Angst, dass wissenschaftliche Daten verschwinden könnten, sobald Donald Trump Präsident ist - ein Mann, der Klimawandel als Scherz der Chinesen bezeichnete.

Die Datensicherung werde inzwischen von der University of Pennsylvania koordiniert, erklärt Bethany Wiggin, die dort Professorin ist: "Bei dem kommenden Regierungswechsel sind wir besorgt, dass mit einem Leugner des Klimawandels im höchsten Amt und Leuten in wichtigen Positionen, die nicht an Fakten glauben, mehr Daten verloren gehen könnten als das normalerweise bei einem Regierungswechsel der Fall ist."

"Kopien an verschiedenen Orten sind immer eine gute Idee"

Angefangen hatte alles mit einem Tweet des Journalisten Eric Holthaus. Er fragte, nachdem Exxon-Mobile-Chef Rex Tillerson als Außenminister nominiert wurde: "Wissenschaftler: Habt Ihr eine .gov-Database, die ihr nicht verschwinden sehen wollt?"

Eric Holthaus @EricHolthaus
Scientists: Do you have a US .gov climate database that you don't want to see disappear? Add it here: https://t.co/IEN8OUc4Tr Please share

Die Liste wird länger und länger. Auch aus Deutschland, Schweden oder Frankreich erreichen die Wissenschaftler Anregungen, was unbedingt gesichert werden muss: "Wir stellen gerade fest, wo Daten am meisten gefährdet sind", so Professorin Wiggin. "Wir hören am häufigsten: Daten beim Energieministerium, NASA und der Behörde für Ozeane und Atmosphäre."

Ein Trump-Berater hatte beispielsweise vorgeschlagen, dass die NASA künftig nicht mehr zum Klimawandel forschen, sondern sich auf die Erforschung des Weltraums konzentrieren solle. Selbst Wissenschaftler, die den Gedanken, dass Daten verschwinden könnten, lange für paranoid gehalten haben, wollen sich nun lieber absichern: "Das alles hört sich für einige vielleicht nach Alarmismus an. Aber Bibliothekare und Archivare sind sich einig: Kopien an verschiedenen Orten sind immer eine gute Idee", sagt Professorin Wiggin.

"Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig"

Deshalb ist nun eine riesige Datensicherung angelaufen. Dabei bekommen die Wissenschaftler nicht nur Unterstützung von Tech-Experten, Archivaren und Rechtsanwälten. "Wir bekommen aus den USA und aus dem Ausland Angebote für technische Hilfe, Server-Kapazitäten und auch Angebote für finanzielle Hilfe", so Wiggin.

Eifrig werden Daten quer durch die USA gespeichert. Es gibt eigens Events dafür, und viele Bibliothekare wollen mithelfen. Zwar gibt es keine Beweise, dass die Trump-Regierung Daten absichtlich löschen könnte, aber für die Wissenschaftler gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Schließlich wurden schon Kürzungen für NASA-Forschungsprojekte angekündigt.

Das Übergangsteam von Trump hat im Energieministerium nach einer Liste derer gefragt, die bei Klimagipfeln waren und deren Thema der Klimawandel ist. Was mit der Liste passiert, ist unklar. Doch die Sorge unter den Klimaschützern wächst seit der Wahl von Trump. Sie wollen absichern, daß Leugner des Klimawandels es schwer haben, weil die wissenschaftlichen Daten eine andere Sprache sprechen und eben nicht mit einem Wechsel im Oval Office einfach so verschwinden.

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