Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der US-amerikanische Präsident Donald Trump im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS

Erdogan im Weißen Haus Trump verspricht Türkei Unterstützung

Stand: 17.05.2017 00:12 Uhr

Bei ihrem ersten Zusammentreffen haben US-Präsident Trump und sein türkischer Kollege Erdogan in Washington betont Einigkeit gezeigt. Die Differenzen in der Syrien-Frage und in Bezug auf den Prediger Gülen traten dennoch offen zutage.

In einem von Spannungen überschatteten Treffen hat US-Präsident Donald Trump seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan Rückhalt zugesichert. Man unterstütze die türkische Regierung bei ihrem Kampf gegen Terrororganisationen wie den IS und die PKK, sagte Trump bei einem Auftritt mit Erdogan. Man werde sicherstellen, dass diese Gruppen keine sicheren Zufluchtsorte hätten. Auch Erdogan bekräftigte, an der Zusammenarbeit mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus festhalten zu wollen.

Beim ersten Zusammentreffen von Trump und Erdogan traten jedoch die Differenzen hinsichtlich des Vorgehens in Syrien deutlich zutage. Erdogan nannte es bei seinem Besuch in Washington "absolut nicht akzeptabel", die syrische Kurdenmiliz YPG als Partner für den Anti-Terror-Kampf in Betracht zu ziehen. Die US-Regierung will die Miliz mit Waffen versorgen.

Verstärkte Offensive gegen IS-Hochburg Al-Rakka

Schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama hatten die USA mit der YPG im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Norden Syriens zusammengearbeitet. In der vergangenen Woche kündigte die neue US-Regierung dann an, dass die Miliz erstmals von den USA direkt mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren und gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet werden soll. Damit soll die Offensive auf die IS-Hochburg Al-Rakka verstärkt werden.

Die türkische Regierung betrachtet die YPG allerdings wegen ihrer engen Verbindung zu der in der Türkei aktiven PKK selber als Terrorgruppe. Sie fürchtet auch, dass Waffen für die YPG letztlich in den Händen der PKK landen und gegen die Türkei verwendet werden könnten.

Erdogan warnt vor kurdisch-nationalistischen Zielen

Erdogan sagte nun bei einem gemeinsamen Presseauftritt mit Trump im Weißen Haus, die Türkei sei "ohne Unterscheidung der Bekämpfung aller Terrororganisationen" in der Region verpflichtet. Auch dürfe es diesen Gruppierungen nie erlaubt werden, die "ethnischen oder religiösen Strukturen in der Region zu verändern" - damit meinte der türkische Präsident, dass die YPG den Anti-Terror-Kampf lediglich als Vorwand benutze, um kurdisch-nationalistische Ziele zu verfolgen.

Trump ging indessen vor den Medien nicht auf die US-Unterstützung für die YPG ein. Trotz der offenkundigen Differenzen bemühte er sich ebenso wie Erdogan darum, das gemeinsame Interesse beider Länder im Anti-Terror-Kampf hervorzuheben: "Wir streben danach, dieser Bedrohung gemeinsam zu begegnen", sagte der US-Präsident. Die USA unterstützten die Türkei im Kampf gegen "Terrorgruppen wie den IS und die PKK" und wüssten die türkische Führungsrolle in den Bemühungen zur Beendigung "des schrecklichen Mordens in Syrien" zu schätzen, betonte Trump.

Erneut Auslieferung von Gülen gefordert

Erdogan wiederum sagte, Trumps Wahlsieg habe in der Türkei "neue Erwartungen" geweckt: "Wir wissen, dass die neue US-Regierung diese Hoffnungen nicht vergeblich machen wird." Trump hatte Erdogan als einziger westlicher Staatschef Mitte April zu dessen Sieg bei dem umstrittenen Verfassungsreferendum zur Stärkung seiner Macht gratuliert. Die Hoffnungen Ankaras auf eine engere Kooperation mit Washington bekamen dann aber durch die US-Ankündigung der Waffenlieferungen an die YPG einen herben Dämpfer versetzt.

Ein weiteres potenzielles Konfliktthema zwischen Erdogan und der US-Regierung ist der Fall des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der in den USA im Exil lebt. Erdogan dringt seit Monaten auf die Auslieferung Gülens, den er als Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches vom Juli 2016 bezeichnet. Bei seinem Treffen mit Trump habe er seine Erwartung "offen kommuniziert", dass Gülen ausgeliefert werde, sagte der türkische Staatschef. Die Trump-Regierung hat sich bislang nicht zum Fall des im Bundesstaat Pennsylvania lebenden Predigers positioniert.

Ungeachtet all der Differenzen bezeichnete Trump das bilaterale Verhältnis zwischen den beiden Staaten als großartig. Es werde in Zukunft sogar noch verbessert. "Die Beziehungen, die wir zueinander unterhalten, werden unschlagbar sein", sagte Trump. Erdogan sprach von "ausgezeichneten" Verbindungen und betonte, sein Besuch im Weißen Haus stelle "einen historischen Wendepunkt" dar.

Zusammenstöße in Washington

Am Rande des Treffens der beiden Staatschefs kam es vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington zu Zusammenstößen zwischen pro-kurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften: Mehrere Menschen wurden verletzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2017 um 04:58 Uhr.

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