Die Londoner Fassade Christopher Steeles Firma Orbis Business Ltd | Bildquelle: AFP

Skandal um Trump Ein Ex-Spion, ein Dossier und Fragen

Stand: 12.01.2017 21:22 Uhr

Ein Ex-Agent des britischen MI6 soll das umstrittene Trump-Dossier aufgesetzt haben. Der Mann gilt als Russland-Kenner. Nun ist er abgetaucht. Die Echtheit des Berichts konnte bislang nicht bestätigt werden.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Er habe noch seine Katze bei den Nachbarn abgegeben und gesagt, er sei für ein paar Tage weg. Danach ist Christopher Steele, ehemals Mitarbeiter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, abgetaucht, so berichten es mehrere britische Medien übereinstimmend. Steele fürchte um seine Sicherheit und um die seiner Familie.

Nach Informationen des "Daily Mirror" leitete der britische Geheimdienst selbst Schutzmaßnahmen für den Ex-Agenten ein, nachdem der Name des früheren Mitarbeiters veröffentlicht worden war.

Russland-Experte des MI6

20 Jahre soll Steele für den MI6 gearbeitet haben, ein ernstzunehmender und respektierter Geheimdienstoffizier, wie der BBC-Journalist Frank Gardener unter Berufung auf Kollegen berichtet, die Steele kennen.

1990 schickte der MI6 den Agenten nach Moskau, in die britische Botschaft. In den folgenden Jahren soll er sich zu einem anerkannten Russland-Experten entwickelt haben.

Private Spionagefirma gegründet

2009, nachdem er den Dienst verlassen hatte, gründete Steele gemeinsam mit einem anderen Ex-Geheimdienstler in London die "Orbis Business Intelligence". Die Firma wirbt auf ihrer Internetseite damit, dass sie von Geheimdienstprofis gegründet wurde und bietet das Beschaffen von Informationen und die Durchführung komplexer Ermittlungen an, ebenso wie strategische Beratung.

Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Frank Gardener von der BBC: "Viele von denen starten eine zweite Karriere, wenn sie den Geheimdienst mit 50 verlassen. Sie arbeiten dann für viel mehr Geld und viel mehr Freiheit für die private Wirtschaft." Und dazu gehöre auch Steele.

Echtheit des Dossiers unbestätigt

Ob das angebliche Trump-Dossier tatsächlich von Orbis stammt, wollte Steeles Geschäftspartner Christopher Barrows weder bestätigen noch dementieren. "Mit Blick auf die vergangenen 24 Stunden ist es nicht ratsam, überhaupt irgendeinen Kommentar abzugeben. Wir werden die gesamte Situation in den kommenden Tagen genau ansehen", sagt Barrows.

Annie Machon, frühere Mitarbeiterin des britischen Inlandsgeheimdienstes, kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass die 35 Seiten schon die Schlussfassung gewesen seien. "Wenn man sich die Dokumente ansieht, dann erscheint mir das alles noch unverdaut. Diese Unternehmen von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern sammeln ja nicht nur Informationen, sondern bewerten sie vor allem", erklärt Machon. Deshalb scheine ihr das Dossier eher ein erster Entwurf zu sein.

Zerreißprobe für britisch-russische Beziehungen

Das Dossier, sein möglicher britischer Autor und dessen Verbindungen nach Russland dürften die angespannten britisch-russischen Beziehungen nicht gerade verbessern. Der russische Staat, die Putin-Regierung, sei zu allen schmutzigen Tricks in der Lage, auch zur Kriegsführung im Internet, sagte Außenminister Boris Johnson vor wenigen Tagen im Parlament. Man dürfe Russland nicht dämonisieren, aber er habe das Trump-Team vor dem Druck gewarnt, den Putins Regierung aufbauen könne, fügte Johnson hinzu.

Die russische Botschaft in London entgegnet nun, Johnson sabotiere alle Bemühungen, die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen wieder zu konsolidieren. In einem langen Artikel auf ihrer Internetseite wirft sie Großbritannien eine antirussische Hexenjagd vor. An anderer Stelle hieß es aus der Botschaft, Johnson falle in die Zeit der Ära Thatcher und des Kalten Krieges zurück.

Angeblicher Autor des Trump-Dossiers abgetaucht
T. Spickhofen, ARD London
12.01.2017 20:20 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2017 um 13:28 Uhr.

Darstellung: