"Made in China"-Schild  | Bildquelle: dpa

Trumps Abschottung von China Erst Hürde, dann Chance?

Stand: 06.02.2017 05:27 Uhr

Der neue US-Präsident Trump zeigt China die kalte Schulter. Peking sorgt sich um den drohenden Bruch mit dem so wichtigen Wirtschaftspartner - noch. Denn es fragt sich, wer von beiden langfristig den größeren Schaden davonträgt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

 "Warum zeigt Donald Trump dem chinesischen Staatschef Xi Jingping eigentlich so demonstrativ die kalte Schulter?" Das fragte die Hongkonger Tageszeitung "South China Morning Post" vor einigen Tagen. Und tatsächlich: Seit Amtsantritt des neuen US-Präsidenten gab es kein Telefonat, keine Ministertreffen und entgegen aller Traditionen schickte Trump seinem Kollegen Xi auch keinen Gruß zum chinesischen Neujahrsfest.

Bisher gab es nur eine öffentliche pro-chinesische Geste Trumps: Der neue Präsident schickte vergangene Woche seine Tochter Ivanka in die chinesische Botschaft in Washington. Gemeinsam mit ihrer fünfjährigen Tochter besuchte Ivanka dort eine Feier zum chinesischen Neujahr. Ein bisschen Smalltalk, ein bisschen chinesische Neujahrs-Folklore - der Besuch konnte über die Spannungen zwischen den beiden wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt nicht hinwegtäuschen.  

USA könnten fehlenden Import nicht stemmen

"Trump hat ja gesagt, dass er Jobs in die USA zurückholen will, die von China gestohlen wurden", sagt Ye Yu vom regierungsnahen Institut für internationale Studien in Shanghai. Aus ihrer Sicht handelt es sich dabei um eine rein politische Aussage ohne wirtschaftliche Grundlage. "Selbst wenn China nichts mehr nach Amerika exportieren würde, könnten die Waren gar nicht alle in den USA selbst hergestellt werden. Die US-Industrie ist gar nicht dafür aufgestellt", erklärt Ye Yu.

Die Staatsführung hat die china-kritischen Sprüche und Vorwürfe Trumps während des Wahlkampfs nicht vergessen. So auch die Drohung, massive Einfuhrzölle auf chinesische Waren zu erheben. Chinas Antwort auf Trump besteht aus einer Doppelstrategie: Einerseits betonen staatliche Medien die eigene Stärke - man brauche keine Angst vor den USA zu haben.

Anderseits hat China eine internationale Charme-Offensive gestartet. So warb Staatschef Xi Jingping beim Weltwirtschaftsforum in Davos Mitte Januar leidenschaftlich für den Freihandel und gegen Abschottung. Der ehemalige chinesische Spitzendiplomat He Yafei betonte bei einer Konferenz in Hongkong Chinas Engagement für weltweite Wirtschaftszusammenarbeit. In Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan warb He: "Make globalization great again."

Die Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung bietet aber auch unverhoffte neue Möglichkeiten für China. So profitiert das Land vom Rückzug der USA aus dem geplanten Asiatisch-Pazifischen Freihandelsabkommen TPP. Denn China wäre bei TPP außen vor geblieben. Die Obama-Regierung wollte mit dem Abkommen ein Gegengewicht zur Wirtschaftsmacht China schaffen und andere Staaten in der Region wie Vietnam und Japan, aber auch Australien stärken.

Obwohl 60 Prozent des Welthandels in der Asien-Pazifik-Region ablaufe, zögen sich die USA ohne Not von dort zurück, kritisierte selbst John McCain, einer der erfahrendsten Außenpolitiker der US-Republikaner. Man überlasse China einfach das Feld. 

Neue Partner für China?

Und tatsächlich deuten sich schon jetzt zwei Entwicklungen an: Erstens dürfte China den entstehenden Freiraum nutzen und sein eigenes Freihandelsabkommen namens RCEP vorantreiben. Neben China und den Nachbarstaaten in Südostasien sollen auch Südkorea, Indien, Japan, Australien und Neuseeland mitmachen.

Zweitens wird China weiter seine sogenannte neue Seidenstraße vorantreiben. Unter diesem Label soll der Handel mit den Nachbarstaaten, mit Zentralasien, Afrika und Europa ausgebaut werden. Vor allem zum Vorteil Chinas, versteht sich. Dafür investiert China Milliarden in Straßen, Häfen, Eisenbahnstrecken und Flughäfen in der gesamten Region.

Fazit: Kurzfristig könnte China durch neue Hürden in den Wirtschaftsbeziehungen mit den USA zurückgeworfen werden. Mittel- und langfristig aber will man sich davon nicht beeindrucken lassen. Ein neuer US-Präsident könne unberechenbar sein, sagte Ex-Spitzendiplomat He Yafei. Aber die Welt könne sich Fehler, die durch Unberechenbarkeit entstünden, nicht leisten.

Jetzt erst recht: China will trotz Trump wirtschaftlich Gas geben
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
05.02.2017 20:24 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 04. Februar 2017 um 13:38 Uhr im Deutschlandfunk.

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