Donald Trump, Kenneth Frazier und Mark Fields | Bildquelle: AP

Rücktritte wegen Charlottesville Trump löst zwei Beratergremien auf

Stand: 16.08.2017 20:41 Uhr

Gleich mehrere Top-Manager sind nach Trumps Verharmlosung rechter Gewalt in Charlottesville als seine Berater zurückgetreten. Nun zieht der US-Präsident die Notbremse: Er löste zwei Gremien auf. Natürlich per Twitter.

Nach zahlreichen Rücktritten hat US-Präsident Donald Trump zwei Beratergremien im Weißen Haus aufgelöst. "Statt Druck auf die Geschäftsleute des Industrierates und des Strategie- und Politikforums auszuüben, beende ich beide", schrieb er auf Twitter. "Danke an alle!"

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Rather than putting pressure on the businesspeople of the Manufacturing Council & Strategy & Policy Forum, I am ending both. Thank you all!

In den vergangenen Tagen hatten sich bereits reihenweise Berater zurückgezogen, darunter der Vorstandschef des Pharmaherstellers Merck, Kenneth Frazier, und Intel-Chef Brian Krzanich. Sie begründeten dies mit Trumps Haltung zur Gewalt in Charlottesville.

Kurz vor Trumps Tweet war allerdings bekanntgeworden, dass das Strategie- und Politikforum von sich aus die Einstellung seiner Arbeit ankündigen wollte. US-Medien zitierten einen Vorstandschef mit den Worten: "Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten." In dem Gremium waren unter der Führung von Stephen Schwarzman (Blackstone) 17 Konzern- und Firmenchefs vertreten, unter anderem von WalMart, IBM, Ernst&Young oder JPMorgan Chase. Die Gremien hatten keine Entscheidungsmacht und waren von Trump eher gedacht, um medienwirksam seine Nähe zur Wirtschaft zu demonstrieren.

Donald Trump, Kenneth Frazier und Mark Fields | Bildquelle: AP
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Da herrschte noch Einvernehmen: Im Februar saß Merck-Boss Frazier bei einem Treffen noch direkt neben Trump.

alt Hope Hicks | Bildquelle: dpa

Trumps neue Kommunikationschefin

Donald Trumps derzeitige Beraterin Hope Hicks übernimmt übergangsweise die Rolle der Kommunikationschefin im Weißen Haus. Das teilte das Präsidialamt mit. Nach Angaben der "New York Times" soll Hicks auch dabei helfen, eine endgültige Lösung für die Besetzung der Stelle zu finden. Die 28-Jährige tritt damit zunächst die Nachfolge von Anthony Scaramucci an, der nach nur zehn Tagen im Amt gefeuert worden war.

Hicks gehört zu Trumps innerstem Kreis. Aktuell hat sie den Posten der "Direktorin für strategische Kommunikation" im Weißen Haus inne und arbeitet fast vollständig hinter den Kulissen. Unter anderem regelt sie den Zugang von Journalisten zum Präsidenten. Im Wahlkampf 2016 war Hicks Trumps Sprecherin. Zuvor arbeitete sie im PR-Bereich von Trumps Firma und seiner Tochter Ivanka.
Das Weiße Haus erklärte, Hicks werde eng mit Sprecherin Sarah Huckabee Sanders zusammenarbeiten. Wie lange der Übergangszeitraum sein soll, wurde nicht gesagt.

Klare Kritik auch von Republikanern

Am Wochenende war es am Rande einer Kundgebung von Rassisten und Neonazis in Charlottesville zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, bei der Attacke eines mutmaßlichen Rechtsextremisten mit einem Auto starb eine 32-jährige Frau. In seiner ersten Reaktion hatte Trump von "Gewalt von vielen Seiten" gesprochen, erst am dritten Tag nach den Vorfällen distanzierte er sich von Rassisten und dem Ku Klux Klan. In seiner jüngsten Pressekonferenz kehrte er jedoch zu seiner ersten Reaktion zurück und setzte rassistische Gewalttäter und Gegendemonstranten gleich.

Auch aus den eigenen Reihen hagelte es daraufhin Kritik: Der Präsident müsse die rechte Gewalt klar und deutlich verurteilen, forderte etwa der republikanische Gouverneur John Kasich auf NBC. Der republikanische Kongressabgeordnete Scott Taylor sagte CNN, die Pressekonferenz sei klares Führungsversagen gewesen. Die meisten in Charlottesville hätten friedlich gegen Hass demonstriert.

Beifall gab es dagegen von den Rechtsextremen. Der frühere Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke bedankte sich auf Twitter beim Präsidenten.

Mit Informationen von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Nach Charlottesville: Debatte um neue Trump-Äußerungen
Marc Hoffmann, ARD Washington
16.08.2017 19:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2017 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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