Donald Trump mit seinem künftigen Vize-Präsidenten Mike Pence | Bildquelle: AP

Wahlsieg vor einem Jahr Was hat Trump bislang erreicht?

Stand: 08.11.2017 02:33 Uhr

Für US-Präsident Trump ist Nachgeben Schwäche, Kompromiss ein Schimpfwort - das zeigt sich seit seiner Wahl vor einem Jahr. Er streitet mit seiner eigenen Partei und liegt im Dauerkonflikt mit den Medien. Aber was hat er bislang erreicht?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Zahlen sehen ein Jahr nach seinem Wahlerfolg für den US-Präsidenten Donald Trump gut aus. Zumindest betrifft das die Wirtschaftszahlen. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, die Wirtschaft wächst kräftig. Trump sagte: "Wir haben jetzt einen enormen Enthusiasmus für Geschäfte, für Produktion - niemand hat so etwas schon einmal gesehen. Die Börse ist auf einem Allzeithoch."

Andere Zahlen sind dagegen nicht so rosig: vor allem die Umfragewerte. In den meisten Befragungen finden weniger als 40 Prozent der Befragten gut, was der Präsident macht. In einer Umfrage von "Washington Post" und dem Sender ABC sagten 65 Prozent, Trump habe nichts oder nur wenig erreicht. 66 Prozent sagten, er habe weder Persönlichkeit noch Temperament, um ein effektiver Präsident zu sein. Trump hält dagegen: "Ich bin sehr intelligent. Fakt ist, denke ich, die Presse kreiert ein ganz anderes Bild von Donald Trump."

Amtseid Trump | Bildquelle: AP
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Vereidigung Donald Trumps vor dem Capitol im Januar dieses Jahres in Washington.

Aufreger via Twitter

Der Streit mit den so genannten Mainstream-Medien ist ein Markenzeichen von Trumps Präsidentschaft. Nachrichtenanbieter füllen ganze Tage mit Debatten über Trumps Politik, die einen fast immer kritisch, die anderen fest an seiner Seite. Fast jeden Tag gibt es neue Aufreger, einen neuen Skandal, oft befeuert vom Präsidenten selbst - per Twitter.

Chuck Schumer, demokratischer Oppositionsführer im Senat, sagt: "Der Präsident sollte aufhören zu tweeten und anfangen, zu führen. Die Amerikaner wollen Führung, nicht Gespaltenheit, Schuldzuweisung, Beschimpfung."

Proteste gegen Trump in den USA | Bildquelle: AFP
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Demonstration gegen Trump in Minneapolis im November 2016

Deals und Streits

Für Trump ist Nachgeben Schwäche, Kompromiss ein Schimpfwort. Er mag Stärke und "Deals", von denen Amerika profitiert. Seine Regierung hat viele Entscheidungen der Obama-Zeit zurückgedreht, die USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris abgemeldet, den Atom-Deal mit Iran infrage gestellt.

Innenpolitisch legt sich Trump mit dem Establishment in Washington an, auch mit seiner eigenen Partei. Seine Anhänger mögen das, aber es macht das Regieren schwieriger: Für die lange angekündigte Gesundheitsreform fehlten am Ende die Stimmen. Vom versprochenen Infrastrukturpaket ist noch nichts in Sicht. Eine Einreisebeschränkung für bestimmte Länder wurde immer wieder von Gerichten gestoppt.

Ein wichtiger Erfolg für Trump ist, dass er einen neuen Richter für den Obersten Gerichtshof berufen und mehrere Bundesrichter ernannt hat. Damit prägt er die Rechtsprechung in den USA auf Jahrzehnte - im Sinne der Konservativen.

Restliche Amtszeit wird schwer

Fans von Trump jubeln auf dem Times Square, New York. | Bildquelle: dpa
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Trump-Fans im November 2016 auf dem Times Square in New York

Trumps Sieg kam für viele überraschend - auch für ihn selbst. Die Frage ist, ob er es schaffen könnte, wiedergewählt zu werden. Der Politologe James Thurber sagte: "Wenn er sich weiterhin so verhält, so redet, Leute beleidigt, nichts zustande bekommt, dann wird er es sehr schwer haben, in drei Jahren zu gewinnen."

Entscheidend könnte auch sein, wie die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller ausgehen. Er untersucht, welche Verbindungen Trumps Wahlkampfteam zu Russland hatte. Einer von Trumps Wahlkampfmanagern, Paul Manafort, ist bereits angeklagt. Manafort hatte Trump maßgeblich geholfen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden.

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Donald Trumps Weg ins Weiße Haus

Donald Trump mit seinen Eltern

Als viertes von fünf Kindern wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald John Trump, am 14. Juni 1946 in New York geboren. Mutter Mary Anne war schottischer Herkunft. Vater Fred C. Trump, dessen Familie aus dem pfälzischen Kallstadt stammt, wurde mit dem Bau von Mietskaserne in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn, Queens und Staten Island zum Multimillionär. Seinen Sohn soll er - laut Biograf D'Antonio - mit Sätzen, wie "Du bist ein König" oder "Sei ein Killer" erzogen haben.

Ein Jahr nach der US-Wahl
Jan Bösche, ARD Washington
08.11.2017 07:08 Uhr

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