US-Präsident Trump spricht in Warschau auf dem Krasinski-Platz. | Bildquelle: dpa

Rede in Warschau Trump umwirbt die Polen

Stand: 06.07.2017 19:26 Uhr

Trump mag die Polen - das betont er beim Besuch in Warschau mehrfach. Und die Polen mögen den US-Präsidenten. Schöne Worte gab es viele, konkreten Inhalt wenig. Einige Beschlüsse gab es trotzdem - und die dürften vor allem Polens großen Nachbarn Russland ärgern.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Es war eine Rede nach Geschmack polnischer Patrioten. In Warschau lobte US-Präsident Donald Trump die polnische Nation, ihre Tapferkeit, ihren Selbstbehauptungswillen gegen widrige Umstände, in immer wieder neuen Wendungen. "Die Geschichte Polens ist die Geschichte einer Nation, die nie gebrochen werden konnte", so der Republikaner.

Die Nation - Dreh- und Angelpunkt der Regierenden in Warschau - war auch Trumps Thema: Nur wer wisse, wer er sei, könne sich zur Wehr setzen - auch im Kampf gegen den Terrorismus. Internationale Zusammenarbeit dagegen spielte kaum eine Rolle, und so mussten die Zuhörer des US-Präsidenten fast bis zum Ende seines Warschau-Besuches warten, bis er die NATO-Beistandsgarantie bekräftigte - allerdings mit einer erneuten Einschränkung: "Europa muss mehr tun für die Verteidigung und erst wegen meiner Hartnäckigkeit fließen bereits Milliarden Dollar zusätzlich in die NATO, bezahlt von Ländern, die das sonst sicher nicht so schnell getan hätten."

Kritikern und Zweiflern warf Trump entgegen: "Die Vereinigten Staaten halten sich an die Beistandsgarantie von Artikel Fünf - nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Wir stehen klar dahinter."

Seitenhieb für Russland

Nach seinem Treffen mit Polens Staatspräsident Andrzej Duda nahm Trump an einem Gipfel der sogenannten Drei-Meere-Initiative von zwölf Ländern zwischen Adria, Ostsee und Schwarzem Meer teil. Polen und die USA vereinbarten eine enge Zusammenarbeit im Energiebereich und regelmäßige US-Flüssiggas-Lieferungen, was ausdrücklich gegen die starke Rolle Russlands im europäischen Gasgeschäft gerichtet ist.

Und Trump, dessen Verhältnis zu Russland derzeit auch daheim mit Argusaugen betrachtet wird, konnte auch in Warschau den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht ausklammern: "Wir verlangen von Russland, die Destabilisierung der Ukraine und anderswo zu beenden, ebenso die Unterstützung feindseliger Regimes wie in Syrien und Iran und in den Kreis der verantwortungsvollen Staaten zurückzukehren."

Wohlgewählte Gäste auf den Tribünen

Bei der Rede des US-Präsidenten hatten sich auf den Tribünen vor allem Anhänger der nationalkonservativen Regierungspartei versammelt, die nach polnischen Medienberichten mit Bussen aus dem ganzen Land herangefahren worden waren. Es war also kein repräsentativer Querschnitt der polnischen Bevölkerung, zu erkennen auch daran, dass von den Rängen her polnische Regierungsvertreter mit Applaus, die wenigen eingeladen Repräsentanten der Opposition aber mit Buhrufen bedacht wurden. Auch Solidarnosc-Ikone Lech Walesa, der die Regierung kritisiert, wurde mit Schmähungen bedacht.

Donald Trump und Andrzej Duda | Bildquelle: dpa
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US-Präsident Donald Trump und Polens Staatspräsident Andrzej Duda

Trump dagegen kam gut an. "Dass Amerika ein großer Freund Polens ist, ist am wichtigsten. Trump hat auch den schweren Weg Polens erwähnt, die russische Aggression von 1920", hieß es von einem der Regierungsanhänger.

Bald nach seiner Rede und dem Händeschütteln mit Veteranen der polnischen Heimatarmee aus Weltkriegszeiten eilte Trump also mit Rückenwind zum Warschauer Flughafen, auf dem Weg nach Hamburg zum G20-Gipfel. Zu den Kernthemen, die ihn dort erwarten - Klimapolitik oder Welthandel - hat er in Warschau nicht Stellung genommen.

Trump besucht Warschau
J. Pallokat, ARD Warschau
06.07.2017 18:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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