Eine Frau läuft vor einer aufgemalten iranischen Flagge in der Hauptstadt Teheran | Bildquelle: AFP

Iran reagiert auf Trump-Rede "Warum macht er das?"

Stand: 14.10.2017 16:07 Uhr

In seiner Rede hat US-Präsident Trump den Atomdeal mit dem Iran nicht aufgekündigt, wohl aber neue Sanktionen gegen die Iranischen Revolutionsgarden angekündigt. In den Straßen der Hauptstadt Teheran stößt dies auf Unverständnis und Unsicherheit.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

In einem Elektrogeschäft in Teheran läuft auf einem Fernseher im Regal die Rede von US-Präsident Donald Trump zum Atomdeal: "Ich gebe heute bekannt, dass wir dem Iran diese Bestätigung nicht geben können und wollen." Die Bestätigung, dass der Iran alle Auflagen des Atomdeals erfüllt.

Riza ist der Besitzer des Elektro-Geschäfts. Er wendet sich vom Fernseher ab und schüttelt nur den Kopf. Trump sei verrückt, sagt er. "Und ich glaube, er versucht nur, die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen. Der prahlt rum, damit ihn die ganze Welt wahrnimmt."

"Nur Beleidigungen und haltlose Vorwürfe"

Im Iran nimmt man Trump auf jeden Fall wahr. Präsident Hassan Rouhani reagiert überraschend schnell - gleich Freitagabend noch. Und er nimmt sich Zeit. Trump habe in seiner Rede zu seiner Iran-Politik "nichts außer Beleidigungen und haltlosen Vorwürfen gegenüber dem Iran geäußert", so Ruhani.

Seine Rede dürfte nicht nur Trump gelten, sondern auch den Hardlinern im eigenen Land. Denn die sehen sich jetzt bestätigt und lassen sich auf Twitter dazu aus, beispielsweise unter dem Hashtag "Never trust USA" - "traue nie den USA".

Rouhani will am Abkommen festhalten

Die Hardliner hatten den Atomdeal und damit Rouhani schon immer kritisiert. Dieser verteidigt das Abkommen dagegen weiter - und zweifelt, ob ein Präsident alleine ein multilaterales Abkommen, das von den Vereinten Nationen bestätigt wurde, einfach aufkündigen kann. Rouhani will am Abkommen festhalten. Es sei wesentlich stärker, als Trump glaube. Allerdings warnt er: Sein Land könne seine Haltung da auch ändern.

Rouhani will den Iran mit dem Atomabkommen aus der Isolation holen. Schließlich sieht es vor, dass Sanktionen schrittweise wegfallen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass internationale Unternehmen und damit auch wirtschaftlicher Aufschwung ins Land kommen.

Trumps Rundumschlag und die Zitterpartie um den Atomdeal schaden da. Der Chef des Elektroladens ist optimistisch, dass diesmal nicht der Iran alleine dasteht, sondern Trump: "Ich denke, Trump isoliert sich von der EU mit solchen Gedanken und Ideen."

"Er ist verrückt!"

Auch Präsident Rouhani sieht die USA isoliert. Sie stehe so alleine da wie nie zuvor, erklärt er in seiner Rede. Schließlich hat die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, dass sich der Iran an das Abkommen hält. Trumps Unberechenbarkeit mit Aussagen, wie dass der Iran dem Geist des Deals nicht gerecht werde, verunsichern viele.

Es war zwar einiges von seiner Entscheidung schon vor seiner Rede gestern Abend durchgesickert. Trotzdem war das Interesse im Iran groß. Trump plant unter anderem neue Sanktionen gegen die Iranischen Revolutionsgarden. Sie würden Terrorismus unterstützen.

Auch an der Stelle schüttelt der Chef des Elektrogeschäfts in Teheran nur den Kopf: "Er ist verrückt, weil er die Revolutionsgarden zu Terroristen erklären will. Was soll das? Warum macht er das, während der IS in Syrien, dem Irak und im Libanon wütet?"

Auf Twitter ist die Sympathie für die Revolutionsgarden nicht ganz so groß. Das ist nicht unsere Armee, schreibt einer. Ein anderer hofft, dass sich seine Regierung nicht provozieren lässt. Auch wenn Trump einen Krieg wolle, twittert er, "wir wollen das nicht!"

Iranische Reaktionen auf die Trump-Rede
K. Senz, ARD Istanbul
14.10.2017 16:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Oktober 2017 um 13:04 Uhr.

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