Trump | Bildquelle: AP

Drohungen gegen Juden Trump verurteilt antisemitische Vorfälle

Stand: 22.02.2017 11:54 Uhr

Nach zahlreichen Drohungen gegen jüdische Einrichtungen hat US-Präsident Trump erstmals antisemitische Vorfälle verurteilt. "Die Drohungen seien furchtbar", erklärte Trump. Jüdische Organisationen begrüßten Trumps Äußerungen, doch es gab auch Kritik.

US-Präsident Donald Trump hat eine Reihe von antisemitischen Vorfällen in den USA verurteilt. Die Drohungen gegen jüdische Gemeinden seien furchtbar, sagte Trump bei einem Besuch des Museums für afroamerikanische Geschichte und Kultur. Die Vorfälle seien eine traurige Erinnerung daran, dass noch viel getan werden müsse, um Hass und Vorurteile "auszurotten".

Am Montag hatte es anonyme Bombendrohungen gegen mehrere Zentren der jüdischen Organisation JCC gegeben. Auf einem jüdischen Friedhof im Bundesstaat Missouri wurden mehr als 100 Gräber geschändet. Die bei der Präsidentschaftswahl unterlegene Kandidatin Hillary Clinton hatte Trump aufgefordert, seine Stimme dagegen zu erheben. Die Demokratin nannte die Vorfälle beunruhigend.

"Zu wenig und zu spät"

Der Leiter des Anne-Frank-Zentrums in New York, Stephen Goldstein, bezeichnete Trumps Worte als "zu wenig und zu spät". "Die plötzliche Anerkennung von Präsident Trump ist nur ein Pflaster auf dem Krebs des Antisemitismus, der seine eigene Regierung zersetzt." 

"Die amerikanischen Juden sind besorgt", sagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder. "Wir hoffen, dass es eine starke und entschiedene Reaktion von den Behörden auf allen politischen Ebenen gibt, dies zu bekämpfen. Es ist nicht nur ein Problem für die jüdische Gemeinschaft, sondern für ganz Amerika." Der WJC hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nicht in Israel lebenden Juden zu vertreten.

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Muslime sammeln Geld für den Wiederaufbau eines jüdischen Friedhofs in den USA. In Missouri wurden zuvor mehr als 100 Gräber geschändet. https://t.co/xXVBLAmgnc

In der vergangenen Woche war Trump bei einer Pressekonferenz an einen Reporter für eine jüdische Publikation geraten. Dieser hatte ihm eine Frage zum Anstieg der Bombendrohungen gestellt. Doch der US-Präsident schien die Anmerkung als persönlichen Angriff zu werten und sagte, sie sei nicht fair. Er sei die "am wenigsten antisemitische Person, die Sie je in Ihrem Leben gesehen haben".

Kritik am Weißen Haus

Ende Januar war das Weiße Haus kritisiert worden, weil es zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eine Mitteilung herausgegeben hatte, in der Juden keine Erwähnung fanden. Kritik an Trump selbst hatte es schon im Wahlkampf gegeben: Er verurteile die hasserfüllte Rhetorik mancher seiner Unterstützer nicht deutlich genug, hieß es.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2017 um 11:30 Uhr.

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