Ein Plakat in Riad zeigt US-Präsident Trump und den saudi-arabischen König Salman | Bildquelle: AFP

US-Präsident in Saudi-Arabien Was die Saudis vom Trump-Besuch erwarten

Stand: 19.05.2017 21:46 Uhr

Euphorie bei den Saudis: Der Besuch von US-Präsident Trump wird schon jetzt als historisch gefeiert. Kein Wunder, das saudi-arabische Königshaus erwartet viel.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Nicht nur die Tage, Stunden und Minuten, sondern selbst die Sekunden bis zum Besuch von US-Präsident Donald Trump zählte eine Uhr runter - auf der offiziellen Webseite, die die saudische Regierung zu diesem Ereignis eingerichtet hatte, zusammen mit einer Smartphone-App und einem Twitter-Account. Die zweitägige Visite sei "historisch", heißt es in den Medien. Voller Optimismus erwartet das Königshaus nichts Geringeres als einen Neustart der Beziehungen mit den USA.

Vergeben und vergessen ist Trumps anti-islamische und anti-saudische Rhetorik im Wahlkampf. Für die Saudis zählt jetzt nur, dass Trump ihrem Erzrivalen Iran die Stirn zu bieten scheint. Jeden Konflikt in der Region sehen die Saudis durch die Linse ihre Machtkampfes mit dem Iran - ein Land, mit dem ein Dialog nicht möglich sei, so Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud Anfang des Monats in einem Fernsehinterview: "Wie kann man mit einem Regime kommunizieren, von dem bekannt ist, dass sein System auf einer extremistischen Ideologie beruht? In deren Verfassung und im Testament von Khomeini heißt es, dass sie alle Muslime und die muslimische Welt kontrollieren sollten."

Aus Sicht der Saudis gab Trumps Vorgänger Barack Obama amerikanischen Einfluss in der Region auf. In das entstehende Vakuum seien dann Iran und Russland gestoßen, vor allem in Syrien und im Jemen, für Riad eine verhängnisvolle Entwicklung.

Rüstungsdeal unterschriftsreif

Das politische Klima zwischen der neuen US-Administration und dem saudischen Königshaus ist bereits freundlich. Ein Rüstungsdeal, den Obama auf Eis gelegt hatte, ist nun unterschriftsreif. Sein Volumen beträgt mehr als 100 Milliarden Dollar und wird über zehn Jahre vielleicht sogar 350 Milliarden erreichen. Als Teil des Deals dürften die Saudis 40 Milliarden Dollar in die Infrastruktur in den USA investieren.

Seit Ende April hat König Salman zudem einen familiären Draht nach Washington: Er ersetzte den saudischen Botschafter dort, der kein Mitglied des Königshauses war, durch Prinz Khaled, einen seiner Söhne. Das unterstreicht, wie wichtig dem Monarchen die Beziehungen mit den USA sind.

Zentrum für den Kampf gegen Extremismus

Die Saudis werden Trumps Besuch auch dazu nutzen, um sich als Partner im Kampf gegen Extremismus und Terrorismus in Szene zu setzen. Dazu bieten sie dem Präsidenten die Bühne für eine Rede, die die Absicht hat, die islamische Welt gegen gemeinsame Feinde zu vereinen.

Zusammen eröffnen Trump und König Salman ein "Zentrum für den Kampf gegen Extremismus". Der saudische Terror-Forscher Hammoud Ziadi: "Das Zentrum ist eine der saudischen Initiativen zur Bekämpfung des Terrors. Wir treten dem Terrorismus auf verschiedenen Ebenen entgegen, bei der Finanzierung, der Ideologie, der Sicherheit - ein Maßnahmenbündel, um den Terror zu stoppen, insbesondere auf der ideologischen Ebene."

Für die Saudis ist es peinlich, dass sich Dschiadisten weltweit auf Lehren berufen können, die ultra-konservative saudische Geistliche gepredigt haben. Deshalb unterstreicht die Regierung jetzt, dass man die Verantwortung habe, den Kampf gegen Fanatismus zu führen und zu gewinnen. Dazu setze man auf "Toleranz, Moderation und Mitgefühl", so die Regierung.

Was erwarten die Saudis von Trumps Besuch?
C. Kühntopp, ARD Kairo
19.05.2017 21:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 20. Mai 2017 um 06:12 Uhr

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