Trudeau in Berlin. | Bildquelle: dpa

Trudeau in Berlin Der Kennedy Kanadas im Kanzleramt

Stand: 17.02.2017 14:12 Uhr

Kanadas Premier Trudeau ist der Superstar der internationalen Politik. Und damit genau das Gegenteil zu US-Präsident Trump. Heute kommt Trudeau auf Einladung Hamburgs in die Hansestadt - vorher allerdings stand in Berlin ein Treffen mit Merkel auf dem Programm.

Von Georg Schwarte, ARD-Hörfunkstudio New York

Prinz Charles und Lady Diana waren schon mal da. König Abdullah aus Jordanien auch. Und jetzt kommt eben er - Justin Trudeau. Heute Abend in den großen Festsaal des Hamburger Rathauses: "Kanada ist immer zur Stelle, wenn es drauf ankommt", sagt Kanadas liberaler Premier. Der Mann für alle Fälle ist Ehrengast beim Matthiae-Mahl der Hamburger Bürgerschaft. Seit 1356 gibt es den alten Brauch. Den jungen kanadischen Premier gibt es erst seit Ende 2015.

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Das Hamburger Matthiae-Mahl ist nach Angaben des Senats das weltweit älteste noch gefeierte Festmahl. Zum ersten Mal sollen es die Stadtväter im Jahr 1356 ausgerichtet haben. Bis heute laden die Regierenden ihre Gäste ins Rathaus ein. Der Name geht auf den Matthias-Tag, den 24. Februar, zurück. Seither ist es Brauch, zum Matthias-Tag die "Vertreter der Hamburg wohlgesonnenen Mächte" zur Tafel zu bitten.

Der Feminist - der junge Kennedy von Kanada, wie sie ihn zu Hause nennen -, hat die Hälfte seines Kabinetts weiblich besetzt. "Weil es eben 2015 ist", war damals seine kurze, lakonische Antwort gewesen. Trudeau ist liberal, weltoffen, ein Multilateralist. "Zusammen schaffen wir mehr als allein", hat er seinen Kanadiern Mut gemacht. Das gelte auch beim Thema Klimaschutz, denn Klimawandelbekämpfer ist der Mann auch noch: "Ich gebe Ihnen unser Wort, dass Kanadas Bemühungen nicht aufhören werden. Der Klimawandel testet auch unsere Leidenschaft, unsere Intelligenz und unseren Willen", so Trudeau.

Trudeau in Berlin. | Bildquelle: AP
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Treffen mit der Kanzlerin: Kanadas Premier Trudeau in Berlin.

Der Anti-Trump

Und willensstark ist dieser Trudeau, der auf den ersten Blick so ziemlich der komplette Gegenentwurf dessen zu sein scheint, was gerade südlich der längsten Landgrenze der Welt in den USA passiert. Der Anti-Trump gewissermaßen. Auch deshalb vielleicht gern gesehen heute Abend in Hamburg, wo sie im Sommer beim G-20-Gipfel den anderen Entwurf eines Politikers, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, erleben werden.

Zunächst aber will der 45-Jährige nicht nur in Kanada, sondern auch im Kanzleramt die Sonne aufgehen lassen: "Sunny ways", die hatte er Kanada versprochen - und wohl auch der Welt. Angela Merkel hatte Trudeau auf dem NATO-Gipfel in Warschau getroffen und einen Verbündeten im Geiste gleich dazu: "Die Sicherheitsbedrohungen, denen sich die NATO derzeit gegenüber sieht, sind real", so Trudeau damals. Das war auch als eine Anspielung auf Russland zu verstehen: "Sunny Ways" sehen hier wohl anders aus. Denn die gerade von ihm ernannte kanadische Außenministerin Chrystia Freeland ist Tochter einer aus der Ukraine stammenden Familie. Ihre Mutter wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Auffanglager in Bad Wörishofen geboren. Freeland selbst stand bis vor kurzem noch auf einer Schwarzen Liste des Kreml.

Trump und Trudeau | Bildquelle: REUTERS
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Treffen mit US-Präsident Trump: Ohne die USA geht es für Kanada nicht.

Viel Gesprächsstoff mit Merkel

Und jetzt kommt ihr Kabinettschef und Premier nach Berlin und Hamburg. Der Trudeau, der vergangene Woche Trump im Weißen Haus traf. Und der so meisterhaft diplomatisch redet, wenn er partout zumindest nicht öffentlich ganz anderer Meinung sein will. "Die Kanadier erwarten von mir nicht, dass ich bei einer solchen Gelegenheit eine Nation darüber belehre, wie sie regiert werden sollte", sagt Trudeau.

Nein, Trudeau wollte Trump weder belehren noch konnte er ihn bekehren. Der Trudeau, der übrigens genau wie Trump die umstrittene Keystone-XL-Pipeline von Kanada bis an den Golf von Mexiko bauen will. Der Trudeau, der auf das Einreiseverbot des amerikanischen Präsidenten für Flüchtlinge beispielsweise aus Syrien per Twitter alle einlud, die wegen Krieg, Terror, Herkunft oder Religion verfolgt würden. Der Trudeau, dessen Vater Pierre als kanadischer Premierminister einst vom amerikanischen Präsidenten Nixon als "Eierkopf" beschimpft wurde. Der Trudeau, dessen Einwanderungssystem zuletzt auch für Deutschland als mögliches Vorbild galt. Viel Gesprächsstoff also für Kanzlerin Merkel und den Kennedy Kanadas.

   

Der Kennedy Kanadas - Trudeau heute in Berlin und Hamburg
G. Schwarte, ARD New York
17.02.2017 00:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2017 um 11:00 Uhr und Deutschlandfunk um 06:11 Uhr.

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