Trinh Xuan Thanh | Bildquelle: dpa

Prozessbeginn in Vietnam In Berlin Entführtem droht Todesstrafe

Stand: 08.01.2018 05:42 Uhr

Der vietnamesische Manager Trinh war nach Deutschland geflohen, wurde von Berlin jedoch mutmaßlich wieder nach Hanoi entführt. Nun beginnt dort ein Prozess gegen ihn wegen Veruntreuung von Staatsgeldern. Bei einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Die kommunistische Regierung in Vietnam geht zurzeit verstärkt gegen die Korruption im Land vor. Dazu startete sie zuletzt eine Öffentlichkeitskampagne. In einem dafür produzierten Video wird eine junge Frau mit ihrem Motorroller in der Hauptstadt Hanoi von einem Polizisten angehalten. Nachdem sie ihm ein paar Geldscheine zugesteckt hat, darf sie weiter fahren. Schnitt. Nächste Szene. Ein Krankenhaus. Ein verzweifelter Vater steht mit seiner Tochter in der Notaufnahme. Die Schwester trommelt gelangweilt mit den Fingern auf den Tisch. Da wird es ihm klar. Ein Umschlag mit ein paar Millionen Dong wechselt den Besitzer - eine Million Dong sind gut 36 Euro. "Was wollen wir tun, um den Teufelskreis zu stoppen?", heißt es in dem Video.

Vietnam gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Der Manager Trinh Xuan Thanh soll Teil dieses Systems gewesen sein. Zusammen mit 21 anderen Männern steht der ehemalige Chef des staatlichen Ölkonzerns PETRO nun wegen Veruntreuung von Staatsgeldern nun vor Gericht. Heute beginnt der Prozess. Es ist ein Fall wie aus einem Agententhriller.

Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Fernsehen. Ihm droht dort die Todesstrafe. | Bildquelle: REUTERS
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Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Fernsehen. Ihm droht dort die Todesstrafe.

Außergewöhnliche Umstände des Prozesses

Häufig werden Anklagen in diesen Tagen in Vietnam mit diesen Worten formuliert - auch gegen in Ungnade gefallene Funktionäre. Außergewöhnlich sind die Umstände des Prozesses. Trinh war vor zwei Jahren nach Deutschland geflohen. Dort hatte er Asyl beantragt. Am 23. Juli vergangenen Jahres meldete ein Augenzeuge über Notruf eine Entführung an der Siegessäule im Stadtteil Tiergarten bei der Berliner Polizei.

Der graue VW-Kastenwagen mit dem gekidnappten Vietnamesen - so rekonstruierte die Polizei später auf Grund der Ortungsdaten - fuhr direkt zur vietnamesischen Botschaft und parkte dort mehrere Stunden auf dem Gelände. Zehn Tage später wird Trinh im vietnamesischen Staatsfernsehen vorgeführt. Ein Sprecher verliest ein angeblich von dem 51-Jährigen verfasstes Geständnis: "Es war leichtfertig und unüberlegt von mir, ins Exil zu gehen. In Deutschland wurde mir klar, dass ich zurück musste, um der Wahrheit ins Gesicht zu sehen."

Familie bietet Geld für Strafnachlass

Kurz vor Beginn des Prozesses gegen Trinh Xuan Thanh in Hanoi hat dessen Familie versucht, mit einer Geldzahlung einen Strafnachlass zu erwirken. Demnach zahlte sie die Hälfte des Betrages, den der Manager unterschlagen haben soll, an den Staat. "Ich habe eine Entschädigung von zwei Milliarden der vier Milliarden (rund 150.000 Euro) gezahlt, von denen man Thanh vorwirft, sie unterschlagen zu haben", sagte seine Mutter Dam Thi Ngoc Kha der Nachrichtenagentur dpa.

Prozessauftakt in Vietnam gegen in Berlin entführten Geschäftsmann
tagesschau 14:00 Uhr, 08.01.2018, Sandra Ratzow, ARD Singapur

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Bundesregierung geht von Menschenraub aus

Die Bundesregierung bestreitet eine freiwillige Rückkehr Trinhs. Sie spricht von Menschenraub. Zwei vietnamesische Botschaftsangehörige wurden mittlerweile ausgewiesen. Das Verhältnis zwischen Berlin und Hanoi verdüsterte sich. Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von gut zehn Milliarden Euro ein wichtiger Handelspartner Vietnams.

Noch mysteriöser wurde der Fall durch die Festnahme eines 42-jährigen Vietnamesen in Singapur. Der Mann soll für jene Abteilung der vietnamesischen Geheimpolizei gearbeitet haben, die für die Entführung von Trinh verantwortlich ist. Er hatte die Auslieferung nach Deutschland beantragt und den deutschen Behörden als Gegenleistung angeblich wertvolle Informationen angeboten. Mittlerweile wurde er jedoch nach Vietnam abgeschoben. Ihm droht die Todesstrafe wegen Verrat von Staatsgeheimnissen.

Im Gericht in Hanoi geht es jedoch zunächst um 125 Millionen Dollar, die Trinh mit seinen Mitangeklagten unterschlagen haben soll. Bei einem Schuldspruch droht allen die Todesstrafe.

Oneway-Ticket nach Hanoi - Prozess gegen Entführten
Holger Senzel, ARD Singapur
08.01.2018 09:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Januar 2018 um 06:05 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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