Toronto-Anschlag | Bildquelle: AFP

Suche nach Motiv War der Amokfahrer von Toronto ein "Incel"?

Stand: 25.04.2018 17:39 Uhr

Was treibt einen 25-Jährigen dazu, mit einem Lieferwagen 25 Menschen zu überrollen? Zwei Tage nach dem Anschlag in Toronto gibt es mehr Hinweise zur Persönlichkeit des Täters. War er ein "Incel"?

Von Georg Schwarte, ARD-Studio z.zt. Toronto

Ist ihr Sohn psychisch krank? Reporter bedrängen den Vater des Amokfahrers von Toronto, als der Mann den ersten Gerichtstermin seines Sohnes verfolgen will. Immer mehr Puzzleteile fügen sich derzeit zusammen. Der 25-jährige Amokfahrer war offenbar geistig gestört.

Er war schon komisch, machte merkwürdige Bewegungen, sagt ein Nachbar. Nie hat er gegrüßt. Dies allein aber macht jemanden nicht zu einem psychisch gestörten Menschen. Kommilitonen berichteten, dass er einst miauend wie eine Katze durch die Aula gelaufen sei. Auch das belegt noch gar nichts.

Seine Mutter sagte 2009 in einer Lokalzeitung, dass ihr Sohn am Asperger-Syndrom leide, eine Form von Autismus. Dies ist nur ein Zitat. Doch dann ist da ein Facebook-Post - erstellt wenige Minuten, bevor er mit seinem angemieteten Lieferwagen 25 Menschen überrollte.

Spurensuche nach Facebook-Post

Dieses Foto erinnert an Anne Marie D'Amico, die in Toronto getötet wurde. | Bildquelle: AFP
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Dieses Foto erinnert an Anne Marie D'Amico, die in Toronto getötet wurde.

Der Ermittler bestätigt den Post. Facebook hat das Konto des 25-Jährigen mittlerweile gelöscht. Der Inhalt der zuerst kryptisch anmutenden Nachricht aber ist mittlerweile bekannt. "Incel Rebellion", "Chads und Stacys", "Heil für Elioth Roger"- Worte, die die Ermittler aufhorchen lassen. "Incel", eine Abkürzung für unfreiwilliges Zölibat, gemünzt auf junge Männer, die unfreiwillig Single sind, unfreiwillig sexuell enthaltsam. "Chads und Stacys", die laut Post des Täters gestürzt werden sollen, "Chads und Stacys", Begriffe, die sexuell aktive erfolgreiche Männer und Frauen bedeuten.

Das Lob für "Elioth Roger": Es handelt sich dabei um einen jungen Mann, der ebenfalls aus Frust über seinen Misserfolg bei Frauen 2014 in Kalifornien sechs Menschen ermordete, bevor er sich selbst tötete. Im Internet, so eine Soziologieprofessorin, gebe es eine Menge von diesen "Incels": "Sie schreiben, wir müssen Frauen töten, die keinen Sex anbieten - Männer die sexuell erfolgreich sind, Schwarze müssen wir töten, weil sie den Platz der Weißen einnehmen."

Ausbildung beim Militär abgebrochen

Der Tattransporter | Bildquelle: AFP
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Das Tatfahrzeug

War der 25-Jährige ein solcher "Incel"? Töten aus Frauenhass? Die Polizei schweigt. Sie sagt, derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass er die Opfer, die er überrollte, bewusst auswählte, es auf Frauen abgesehen hatte. Die meisten Toten und Verletzten aber sind weiblich, bestätigt einer der Ermittler. Der Täter übrigens war im vergangenen Jahr 16 Tage Rekrut des kanadischen Militärs. Dann brach auf eigenen Wunsch die Grundausbildung ab - offenbar wegen Überforderung.

Toronto-Anschlag: Töten aus Frauenhass?
Georg Schwarte, ARD New York
25.04.2018 16:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. April 2018 um 06:30 Uhr.

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