Das umstrittene AKW Tihange in Belgien. | Bildquelle: dpa

Pannenreaktor in Belgien vom Netz genommen Jetzt ist es die Pumpe

Stand: 23.02.2016 18:21 Uhr

Nach Auffälligkeiten an einer Pumpe ist im umstrittenen belgischen AKW Tihange nahe der deutschen Grenze ein Reaktor runtergefahren worden. Mal wieder: Für drei Wochen bleibt er vom Netz, erklärte Betreiber Electrabel.

In der nur 65 Kilometer entfernten Grenzregion Aachen, wird diese Nachricht mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt: Ein Reaktor des umstrittenen belgischen Atomkraftwerks Tihange ist nach einem Zwischenfall erneut abgeschaltet worden.

An einer Pumpe habe es Auffälligkeiten gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Darauf sei der Reaktor Tihange 1 für Kontrollen vom Netz genommen worden. Die Maßnahme wurde am frühen Morgen eingeleitet.

"Vorübergehende Vorsichtsmaßnahme"

Der Betreiber Electrabel erklärte dazu: "Als Vorsichtsmaßnahme und um sich der optimalen Funktionsfähigkeit von drei Pumpen zu vergewissern, hat Electrabel beschlossen, den Reaktor Tihange 1 vorübergehend abzuschalten." Nach voraussichtlich drei Wochen könne der Reaktor wieder hochgefahren werden. Als Datum nannte der Betreiber dafür den 15. März.

Immer wieder Zwischenfälle

Im Kernkraftwerk Tihange war es immer wieder zu Zwischenfällen gekommen. Der jetzt betroffene Block 1 war zuletzt im Dezember 2015 wegen eines Feuers kurzzeitig außer Betrieb. Im nächsten Frühjahr soll er wieder für drei bis vier Monate vom Netz genommen werden, um Wartungsarbeiten zur Laufzeitverlängerung durchzuführen. Reaktorblock 2 wurde im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet und ging trotz Haarrissen im Reaktorbehälter im Dezember 2015 wieder ans Netz.

Forderung nach internationalen Kontrollen

Mittlerweile steigt der Druck auf die belgischen Behörden. "Wir brauchen Sicherheit in Fragen der Sicherheit", sagte der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch, nach einem Treffen mit Innenminister Jan Jambon in Brüssel. Internationale Experten müssten den Reaktor Tihange 2 überprüfen, forderte Paasch. "Solange Zweifel an der Sicherheit bestehen, darf ein solcher Reaktor nicht ans Netz."

Atomkraftwerk in Tihange | Bildquelle: dpa
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Das AKW Tihange liegt nur rund 65 Kilometer von der Grenzregion Aachen entfernt.

Städteregion Aachen klagt gegen Tihange

Proteste gegen die belgischen Atomkraftwerke gab es bisher vor allem auf deutscher Seite: Die Städteregion Aachen reichte in Belgien vor dem höchsten Verwaltungsgericht, dem Staatsrat, eine Klage gegen den Weiterbetrieb von Tihange 2 ein. In Aachen wurden bereits Jodtabletten für Kindergärten bestellt. Bundesumweltministerin Hendricks traf sich mit ihren zuständigen Kollegen in Brüssel, um über Tihange und das ebenfalls umstrittene AKW Doel bei Antwerpen zu sprechen.

Belgisches Pannen-AKW Tihange erneut teilweise abgeschaltet
Malte Pieper. ARD zzt. Brüssel
23.02.2016 15:06 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 23. Februar 2016 um 23:35 Uhr im Deutschlandfunk.

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