Festnahme in einer Flüchtlingsunterkunft im schwedischen Boliden.  | Bildquelle: AFP

Terrorgefahr in Europa Festnahmen und Evakuierungen

Stand: 20.11.2015 03:47 Uhr

Meldungen aus der Nacht: In Schweden wird ein Terrorverdächtiger festgenommen, in Manchester ein Flugzeug evakuiert, in London ein U-Bahnhof geräumt - und in Rotterdam der Bürgermeister in Sicherheit gebracht. Doch wie groß ist die Gefahr wirklich? Ein Überblick.

Ist wirklich die Gefahr gestiegen? Oder nur die Sensibilität? Fest steht: Auch in der vergangenen Nacht kamen aus verschiedensten europäischen Ländern Meldungen, die im Zusammenhang mit angeblichen Anschlägen standen - oder wenigstens hätten stehen können. In Schweden, Manchester und Rotterdam gab es dabei Festnahmen, und auch in München wurden zwei Menschen in Gewahrsam genommen. Zumindest dort bestätigte sich der anfängliche Verdacht allerdings nicht: "Der Einsatz steht in keinem Zusammenhang mit einem Terroranschlag", betonte ein Polizeisprecher. tagesschau.de fasst die Ereignisse vom späten Abend und aus der Nacht zusammen:

In Schweden nahmen die Behörden nach zweitägiger Fahndung einen Mann fest, der wegen der "Planung eines Terrorakts" gesucht wurde. Der 25-jährige Iraker, der über Syrien ins Land gekommen sein soll, sei in einer Unterkunft für Asylbewerber in der nordöstlichen Ortschaft Boliden in Gewahrsam genommen worden, teilten die Behörden mit. Die Festnahme sei ohne Zwischenfälle verlaufen, der Mann solle nun verhört werden. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris besteht nach Angaben vom Mittwoch nicht.

In Manchester musste eine Easyjet-Maschine nach einer Anschlagsdrohung evakuiert werden. Laut Polizei wurden zwei Männer festgenommen, nachdem einer der Passagiere behauptet hatte, eine Bombe in seinem Gepäck mitzuführen. Ein Sprengsatz wurde allerdings nicht gefunden. Der Flughafenbetreiber nannte die Evakuierung eine "Vorsichtsmaßnahme". Sämtliche Passagiere wurden einer erneuten Sicherheitsüberprüfung unterzogen, bevor die Maschine mit mehrstündiger Verspätung ins marokkanische Marrakesch startete.

In London sperrte die Polizei den U-Bahnhof Baker Street, nachdem in der Nähe ein "verdächtiges Fahrzeug" gesichtet worden war. An diesem sei eine "kontrollierte Explosion" erfolgt, ein krimineller Hintergrund sei aber nicht festgestellt worden. Der Bahnhof wurde geräumt, Züge passierten ihn zwar, hielten aber nicht mehr an.

In Rotterdam wurde Bürgermeister Ahmed Aboutaleb sicherheitshalber aus einem Restaurant eskortiert, nachdem in der Nähe drei Männer festgenommen worden waren. Dabei habe es sich um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt, sagte eine Polizeisprecherin. Aboutaleb gilt als einer der prominentesten Muslime in den Niederlanden - und auch als besonders gefährdet. Die genauen Hintergründe der Festnahmen blieben zunächst unklar. Die Polizei sei nach den Terroranschlägen von Paris besonders alarmiert, hieß es.

In München sorgte ein massiver Polizeieinsatz für Wirbel. Die Angestellte eines Hotels hatte die Beamten alarmiert, weil ihr eine Gruppe von Gästen verdächtig vorkam. Die Polizei rückte mit einem Spezialeinsatzkommando an und nahm einen Mann und eine Frau vorläufig in Gewahrsam. Einen Bericht, wonach der Verdacht auf ein geplantes Attentat bestand, wies die Polizei zurück. "Der Einsatz steht in keinem Zusammenhang mit einem Terroranschlag", betonte der Sprecher. "Wir haben keinerlei Waffen gefunden." Möglicherweise gehe es um Schleuserkriminalität. 

Darstellung: