In einer Wasserpfütze spiegelt sich im Rochusclub in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) ein Tennisnetz mit dem Schriftzug der ATP World Tour | Bildquelle: dpa

Tennis-Profis sollen Spiele manipuliert haben "Starke Beweise" ignoriert?

Stand: 18.01.2016 16:07 Uhr

Mehrere Topspieler sollen laut Medienberichten Tennispartien verschoben haben, sogar in Wimbledon wurde demnach getrickst. Experten sprechen von starken Beweisen - und einer mangelnden Aufklärung durch die Profispielervereinigung ATP.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Novak Djokovic hat wieder einmal gewonnen. Der Schützling von Boris Becker erreichte heute ohne Mühe die zweite Runde der Australien Open in Melbourne. In der Pressekonferenz danach interessierten sich die meisten Reporter aber nur dafür, was der Weltranglistenerste von den Wettmanipulationen im Tennis weiß.

"Es hat solche Versuche gegeben, Leute die herumliefen und Angebote machten. Aber dagegen ist eingeschritten worden. In den vergangenen sechs, sieben Jahren habe ich davon nichts mehr gehört", sagte Djokovic.

Bestechungsversuche bekannt

Djokovic hatte vor Jahren öffentlich gemacht, dass ihm 200.000 Dollar angeboten worden seien, um 2007 ein Match bei einem ATP-Turnier in St. Petersburg zu verlieren. Er nahm das Geld damals allerdings nicht an, sondern gewann lieber. Djokovic bezeichnete Spielmanipulationen heute als Unsportlichkeit und Verbrechen.

Der Deutsche Philip Kohlschreiber stand einmal unter dem Verdacht, Spiele verschoben zu haben. Die Ermittler der Spielervereinigung ATP fanden dafür aber keine Beweise. Er bestritt heute in Melbourne erneut alle Vorwürfe und sagte: "Wir haben viele neue Regeln, die das Thema angehen. Wenn man angesprochen wird oder wenn man was mitbekommt, sind wir angehalten, das zu melden", sagte Kohlschreiber.

Nur oberflächlich aufgearbeitet?

Die Whistleblower, die der BBC und dem Internet-Portal Buzzfeed Einblick in die Ermittlungsakten gegeben haben, werfen der ATP vor, den Spielmanipulationen nur oberflächlich nachgegangen zu sein.

"Die Datenanalysten und Ermittler hatten die Verbindung zwischen den Spielern und den Wettsyndikaten aufgedeckt. Wir hatten wirklich starke Beweise", sagte Mark Philipps, einer der früheren Ermittler und Spezialist für die internationale Wettszene, der BBC. Aber der Tennissport habe die Gelegenheiten verstreichen lassen, Spieler anzuklagen, sie nach einem Disziplinarverfahren zu bestrafen und damit für eine wirkungsvolle Abschreckung zu sorgen.

Schiebung im Spitzen-Tennis- BBC erhebt schwere Vorwürfe
Jens-Peter Marquardt, ARD London
18.01.2016 15:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Januar 2016 um 9:30 Uhr.

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