Kontrolle an amerikanisch-kanadischer Grenze | Bildquelle: REUTERS

Auf dem Weg nach Kanada New Yorker Taxifahrer zocken Flüchtlinge ab

Stand: 12.05.2017 02:17 Uhr

Barmherzige Samariter oder schäbige Betrüger? Taxifahrer an der US-kanadischen Grenze kassieren Flüchtlinge ab, die aus den USA nach Kanada fliehen. Nun griff ein New Yorker Staatsanwalt ein.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Für Taxifahrer Curtis Seymour, so sagt er der Nachrichtenagentur Reuters, ist es mehr als nur ein Geschäft. Er steht an der Greyhound-Busstation in Plattsburgh, Upstate New York und fährt Nacht für Nacht und Tag für Tag Flüchtlinge an die amerikanisch-kanadische Grenze. Flüchtlinge, die aus dem Amerika von Präsident Donald Trump nach Kanada fliehen wollen, weil sie sich hier nicht mehr sicher und willkommen fühlen:

"Es ist schön, sie an die Grenze zu bringen. Viele fürchten um ihr Leben, können nicht in ihre Heimat zurück", sagt der Taxifahrer. Für die Flüchtlinge ist es eine Taxifahrt in ein aus ihrer Sicht sicheres Land. An der mittlerweile berühmten Roxham Road überqueren die Menschen in der Hoffnung, ein besseres Leben zu finden, die kanadische Grenze.

Auf der anderen Seite erwarten sie zwar zumeist bereits kanadische Polizisten. Aber wer den illegalen Grenzübertritt schafft und erst in Kanada verhaftet wird, hat dort ein Recht auf ein Asylverfahren. Tausende wählen diesen Weg, schleppen ihr Hab und Gut zu Fuß über die ungesicherte Grenze und Curtis Seymour, der Taxifahrer, fährt sie dorthin. Er scheint ein gutes Herz zu haben: "Es ist eine gute Tat, die wir hier tun. Wir versuchen, ehrlich mit den Menschen umzugehen, sorgen dafür, dass sie sicher sind."

Taxifahrer Curtis Seymour | Bildquelle: REUTERS
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Er hat Trump gewählt und will nun den Flüchtlingen helfen, die aus dem Trump-Land fliehen: Taxifahrer Curtis Seymour.

Dass Curtis Seymour, der 62-jährige Taxifahrer der Firma C&L Taxi, im November ausgerechnet den Mann wählte, dessen Politik die Flüchtlinge jetzt aus dem Land treibt - Präsident Trump nämlich - macht die Geschichte des guten taxifahrenden Samariters noch rührender: "Ich habe Trump gewählt. Ich mag ihn", sagt Curtis. Trump sei vielleicht ein bisschen grob, aber der Präsident mache einen guten Job. So wie Taxifahrer Curtis Seymour.

Hier nun könnte die Geschichte gut enden, wäre da nicht der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman, der sich das Geschäft der Taxifahrer in Plattsburgh etwas genauer anschaute: Ergebnis: "Es ist keine Überraschung, dass eine verängstigte Flüchtlingsfamilie bereit ist, jeden Preis zu bezahlen, um an die Grenze zu kommen. Aber das macht diese Taxipreise nicht legal."

300 Dollar für eine Fahrt an die Grenze

Diese Taxipreise, wie es in der Pressemitteilung von Schneiderman heißt, meint konkret: bis zu 300 Dollar für eine Fahrt, die üblicherweise zwischen 50 und höchstens 77 Dollar kosten dürfte. Mit einem Wort: Wucher auf Kosten verängstigter Flüchtlinge. Schneiderman, der Staatsanwalt, hatte verdeckte Ermittler geschickt. Die fanden statt taxifahrender Samariter mindestens drei Firmen, die sich schamlos durch überzogene Fahrpreise an den Flüchtlingen bereicherten,

"Die Angst und Situation dieser Flüchtlinge auszunutzen, um als Taxiunternehmen finanzielle Vorteile zu erzielen ist schlicht und einfach skrupellos", heißt es in der schriftlichen Erklärung des Staatsanwalts. Jetzt hagelt es Geldstrafen und Abmahnungen - auch an die Firma von Curtis Seymour, der sagt, die Taxifahrer würden doch nur helfen wollen.

Samariter, Trumpwähler oder Betrüger? Taxifahrer zocken Flüchtlinge ab
G. Schwarte, ARD New York
12.05.2017 00:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 25. März 2017 um 17:20 Uhr

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