Ein Soldat der syrischen Streitkräfte nimmt mit seiner Waffe ein Ziel ins Visier | Bildquelle: dpa

Bürgerkrieg in Syrien Heftige Angriffe vor der Waffenruhe

Stand: 26.02.2016 23:14 Uhr

In Syrien gilt seit 23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit die Waffenruhe. Noch kurz vor ihrem Beginn hatten Russland und das syrische Regime ihre Angriffe verschärft. Die UN kündigten an, die Friedensgespräche wieder aufzunehmen - vorausgesetzt, dass die Gefechte wirklich enden.

Es war ein zähes Ringen gewesen - bis sich am Montag die USA und Russland auf eine Waffenruhe in Syrien einigen konnten. Auch das Regime unter dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad stimmte schließlich zu, ebenso wie die Kurden-Miliz YPG und weitere Rebellengruppen. In der Nacht von Freitag auf Samstag ab Punkt Mitternacht (23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) sollten die Gefechte enden.

Laut dem in der saudischen Hauptstadt Riad ansässigen Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner stimmten fast 100 Rebellengruppen zu, sich an die vereinbarte Waffenruhe zu halten. Nach Angaben des HNC soll die Feuerpause die kommenden zwei Wochen andauern. Die USA und Russland hatten keine konkrete Zeitspanne festgelegt.

Es wäre eine sehr plötzliche Ruhe, die in dem seit fünf Jahren vom Bürgerkrieg zermürbten Land einkehren würde. Denn die Stunden vor der offiziellen Waffenruhe nutzten sowohl russische als auch syrische Streitkräfte, um ihre Angriffe zu intensivieren. In den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama flogen Kampfjets Luftangriffe auf Stellungen von Rebellengruppen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die ihren Sitz in London hat. Aus anderen Quellen wurden die Aussagen bislang nicht bestätigt.

Berichte über mehr als 60 Angriffe rund um Damaskus

Auch das Umland von Damaskus ist demnach bombardiert worden - allein in der östlichen Region der syrischen Hauptstadt hätten russische Jets 40 Angriffe geflogen. Russland wies diese Berichte zurück. Auf den südlich von Damaskus gelegenen Ort Daraja, in dessen Nähe ein Militärflughafen liegt, habe die syrische Luftwaffe 28 der international geächteten Fassbomben abgeworfen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Es sind Orte wie Daraja, die auch während der Waffenruhe Ziel von Angriffen bleiben könnten. Denn nach Aussage der syrischen Regierung haben sich in Daraja Kämpfer der Al-Nusra-Front - dem syrischen Ableger der Al-Kaida-Terrororganisation - niedergelassen. Der Kampf gegen diese Gruppierung wurde, ebenso wie Angriffe gegen den "Islamischen Staat" (IS), von der Waffenruhe ausgenommen. Das HNC rief deshalb Assads Streitkräfte nochmals dazu auf, diese Ausnahmevereinbarung nicht als Vorwand missbrauchen dürften, um ihre Angriffe gegen Rebellen fortzusetzen.

Aus den Reihen der Al-Nusra-Front kam Widerstand gegen die geplante Waffenruhe. Der Anführer Abu Mohammed al-Dschaulani rief die Syrer auf, sie abzulehnen. Von den Rebellen verlangte er, dass sie ihre Attacken auf Streitkräfte der syrischen Armee noch verstärken sollten.

Lage in Syrien: Vor der geplanten Waffenruhe
tagesschau 20:00 Uhr, 26.02.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Keine "Alternativpläne" zu friedlichem Weg

Der russische Präsident Wladimir Putin hingegen hofft, dass die Waffenruhe ein "Impuls" für den Friedensprozess geben könne, wie er in Moskau sagte: "Wir wissen sehr gut, dass der Aussöhnungsprozess schwierig wird, doch einen anderen Weg als einen friedlichen gibt es nicht." Zu diesem friedlichen Weg könne es keine "Alternativpläne" geben, hieß es weiterhin von Außenminister Sergej Lawrow. Er bezog sich damit auf das Szenario, über Syrien Flugverbotszonen einzurichten. Einen solchen Vorschlag hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem EU-Gipfel in Brüssel vor etwa einer Woche ins Spiel gebracht.

Auch US-Präsident Barack Obama betonte erneut, wie wichtig es sei, die Waffenruhe einzuhalten. "Die nächsten Tage sind entscheidend, und die Welt schaut hin", sagte er in Washington.

UN wollen Friedensgespräche Anfang März fortsetzen

Auch für die Vereinten Nationen ist es entscheidend, ob die Konfliktparteien die Waffenruhe wahren - das machten die UN zur Bedingung, um die Syrien-Friedensgespräche fortzusetzen. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, kündigte an, dass die Verhandlungen am 7. März in Genf weitergehen sollen - wenn "die vereinbarte Feuerpause eingehalten" werde und weitere Hilfslieferungen in die vom Krieg zerstörten Gebiete ermöglicht würden.

Die Friedensgespräche waren Anfang Februar nach nur wenigen Tagen abgebrochen und vertagt worden. Seit 2012 waren zwei ähnliche Verhandlungsrunden in Genf gescheitert.

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