Tabka-Staudamm (Archivbild 2014) | Bildquelle: REUTERS

Kämpfe am Tabka-Staudamm IS schürt Sorge um Staudamm

Stand: 27.03.2017 17:18 Uhr

Der Tabka-Staudamm in Syrien ist heftig umkämpft. Nun warnte der IS, der Damm sei beschädigt und könne brechen. Millionen Menschen wären in Gefahr. Doch stimmt das? Oder will der IS nur die Offensive auf Rakka stoppen?

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Talsperre Tabka ist ein gigantisches Beispiel sowjetischer Ingenieurskunst: Der Staudamm ist 60 Meter hoch und viereinhalb Kilometer lang. In den 1960er und 1970er-Jahren errichtet, ist er der größte in Syrien. Seit der vergangenen Woche ist die Talsperre Tabka umkämpft: zwischen Milizionären des IS, die den Damm seit mehreren Jahren halten und Bewaffneten der sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte - eine Allianz von Kurden und Arabern, die mit amerikanischer Unterstützung immer weiter auf die IS-Hochburg Rakka vorrücken.

Bricht der Damm, wird Rakka überflutet

Rakka liegt nur 40 Kilometer flussabwärts der Talsperre. Sollte der Damm brechen, würde die Stadt kurz darauf überflutet, genauso wie Dörfer und Städte weiter östlich entlang des Euphrat. Im Fernsehsender Al-Hadath skizzierte Abdelnasser al-Aayed, ein syrischer Militärexperte, die Gefahr: "Wenn der Damm bricht, geschieht die größte humanitäre Katastrophe in der Geschichte Syriens, denn damit ist das Leben von drei Millionen Menschen allein in Syrien in Gefahr." Außerdem wisse man nicht, "welche Konsequenzen dies für den Irak hätte."

Karte: Syrien mit Tabka, Rakka, Damaskus
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Der Tabka-Staudamm ist der größte in Syrien. Die IS-Hochburg Rakka liegt rund 40 km entfernt. Würde der Damm brechen, wären Millionen Menschen in Gefahr, warnen Experten.

Unterschiedliche Meldungen

Gestern Mittag verbreitete der IS über soziale Netzwerke plötzlich eine Warnung: Amerikanische Luftangriffe hätten die Tore des Staudamms blockiert und das Bauwerk beschädigt. Die Talsperre könne nun jederzeit brechen, alle Menschen sollten Rakka verlassen und sich in Sicherheit bringen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bestätigte, dass der Staudamm nicht mehr in Funktion ist. Und eine Gruppe von Anti-IS-Aktivisten meldete aus Rakka, Menschen würden in Panik fliehen - ein Bericht, den jedoch keine andere Quelle bestätigte.

Wollte IS bloß Offensive stoppen?

Aber womöglich war die Warnung des IS nur Propaganda mit dem Ziel, die Offensive der vorrückenden kurdischen und arabischen Kämpfer zu stoppen. Einige Stunden nach dem Aufruf zur Flucht hieß es in oppositionellen Medien, Ingenieure hätten die Stromzufuhr zu den Dammtoren wieder hergestellt, die Talsperre funktioniere wieder ganz regulär. Berichten zufolge schickte der IS später Lautsprecherwagen durch die Straßen von Rakka mit der Botschaft, dass der Staudamm intakt sei und es keinen Grund fur eine Flucht gebe.

Die von den USA geführte Anti-IS-Koalition bestritt unterdessen, das Bauwerk angegriffen zu haben. Ihren Informationen zufolge ist die Struktur des Staudamms nicht beschädigt. Und ohnehin, so die Stellungnahme der Koalition, hätten kurdische Milizionäre einen Hochwasserüberlauf westlich der Talsperre gesichert, den man im Fall der Fälle öffnen könne.

Die größte Gefahr für den Staudamm dürfte vermutlich vom IS selbst ausgehen: Längst haben die Dschihadisten das Gelände drumherum vermint.

Gefährdet die Anti-IS-Offensive die Tabka-Talsperre in Syrien?
C. Kühntopp, ARD Kairo
27.03.2017 17:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 Leonardo am 28. März 2017 um 15:05 Uhr

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