Ein zerstörtes Klassenzimmer der Schule in der syrischen Provinz Idlib. | Bildquelle: AFP

Tödlicher Angriff auf syrische Schule Russland weist Verantwortung zurück

Stand: 27.10.2016 20:07 Uhr

Mehr als 20 Kinder und sechs Lehrer wurden bei einem Luftangriff auf eine Schule im syrischen Idlib getötet. Russland wies nun jede Verantwortung zurück. Anders lautende Berichte seien eine "Lüge".

Nach den schweren Angriffen auf eine Schule in der syrischen Provinz Idlib bestreitet Russland, in irgendeiner Form an den Attacken beteiligt gewesen zu sein. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet hatte, wurde die Schule in dem Ort Haas das Ziel von sechs Luftangriffen. Die Beobachtungsstelle, deren Angaben von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen sind, sprach zunächst von 22 getöteten Schulkindern. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF gab später an, dass auch sechs Lehrer bei den Angriffen getötet worden seien.

Die Beobachtungsstelle machte syrische oder russische Kampfflugzeuge für die Attacken verantwortlich. Russland unterstützt in dem Bürgerkrieg die syrische Regierung unter Machthaber Bashar al-Assad. Doch das russische Verteidigungsministerium wies nun jegliche Verantwortung zurück: "Die Russische Föderation hat mit dieser schrecklichen Tragödie nichts zu tun", sagte dessen Sprecherin Maria Sacharowa. Sämtliche Berichte über eine russische Beteiligung betitelte sie als "Lüge" und forderte eine Untersuchung der Angriffe durch internationale Organisationen. Moskau würde die ihm vorliegenden Daten bereits prüfen.

Zerschossene Mauern, die Schulbänke von Staub bedeckt - die Schule in Haas nach dem Angriff. | Bildquelle: REUTERS
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Zerschossene Mauern, die Schulbänke von Staub bedeckt - die Schule in Haas nach dem Angriff.

USA sieht Moskau in jedem Fall in Verantwortung

Ganz so klar hatte sich zuvor der russische UN-Botschafter in New York, Witali Tschurkin, nicht ausgedrückt. In einer ersten Reaktion wollte er nicht ausschließen, dass Russland an den Attacken beteiligt gewesen sei. Er müsse die Stellungsnahme des Außenministeriums in Moskau abwarten.

Ungeachtet des Dementis aus Moskau erhob das Weiße Haus schwere Vorwürfe gegen Russland. Dessen Sprecher Josh Earnest sagte zwar, noch sei nicht klar, ob syrische oder russische Flugzeuge den Angriff ausgeführt hätten. Doch selbst wenn es syrische Flieger gewesen sein sollten, so sei die Führung Assads nur in der Lage, solche Attacken auszuüben, weil die russische Regierung sie unterstütze.

UNICEF spricht von möglichem Kriegsverbrechen

Laut UNICEF könnte es sich bei dem Angriff um den schwersten Angriff auf eine syrische Schule seit Beginn des Kriegs im Jahr 2011 handeln. Der New Yorker Direktor des Kinderhilfswerks, Anthony Lake, bezeichnete ihn als Skandal. Und er ging noch einen Schritt weiter: "Sollte der Angriff vorsätzlich ausgeführt worden sein, wäre er ein Kriegsverbrechen", sagte Lake.

Auch der Geschäftsführer von UNICEF in Deutschland, Christian Schneider, zeigte sich betroffen. Es sei "entsetzlich, dass die Liste er bombardierten Krankenhäuser, Gesundheitsstationen, Schulen von Woche zu Woche länger wird". Seinen Angaben zufolge wurden seit Kriegsbeginn in Syrien mehr als 4000 Schulen Ziel eines Angriffs. Jede dritte Schule sei mittlerweile außer Betrieb, weil sie zerstört, stark beschädigt oder zweckentfremdet worden sei.

Doch nicht nur in der Provinz Idlib, die von verschiedenen Rebellengruppen kontrolliert wird, ist erneut eine Schule angegriffen worden. Berichten der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana schlug auch im umkämpften Aleppo eine Rakete in ein Schulgebäude ein. Drei Kinder seien getötet und 14 verletzt worden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Oktober 2016 um 16:51 Uhr

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