Mitglieder des kurdisch-arabischen Rebellenbündnisses Demokratische Syrische Kräfte (SDF) in der Nähe von Rakka | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen den IS USA stationieren mehr Truppen in Syrien

Stand: 09.03.2017 16:38 Uhr

Lange hatte das Pentagon diesen Schritt gescheut: Beim Kampf gegen die IS-Terrormiliz unterstützen die USA ihre Verbündeten mit Truppen. Unterdessen gab es Menschenrechtlern zufolge bei mehreren Luftangriffen erneut viele zivile Opfer.

Die US-geführte Militärkoalition hat bestätigt, dass die USA in Syrien nun auch direkt den Kampf am Boden unterstützen. Mitglieder der US-Marines haben demnach einen Außenposten eingerichtet, von dem aus die Offensive auf die Dschihadisten-Hochburg Rakka mit Artilleriebeschuss unterstützt werden könne. Außerdem seien Army Rangers stationiert worden.

Dieser Schritt ist eine neue Stufe in dem Konflikt. So sind seit einigen Monaten zwar amerikanische Spezialkräfte vor Ort, um die lokalen Kämpfer im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beratend zu unterstützen. Das Pentagon hatte jedoch bislang einen anderen Einsatz gescheut.

Insgesamt handele es sich bei den jetzt entsandten Soldaten um etwa 400 Mitglieder der Streitkräfte, sagte der Sprecher der US-geführten Koalition, Colonel John Dorrian. Sie kämen aber nicht unmittelbar an der Front zum Einsatz. Ziel sei es, die Bekämpfung des IS und die Rückeroberung von Rakka zu beschleunigen.

Puffer für Türken und Kurden

Die Army Rangers hätten allerdings eine andere Mission. Sie wurden bei Manbidsch nahe der türkischen Grenze stationiert. Dort sollen sie quasi als Puffer einen offenen Krieg zwischen verfeindeten Rebellengruppen verhindern - und dafür sorgen, dass sich die Aufständischen auf den gemeinsamen Kampf gegen den IS konzentrieren.

Die Türkei betrachtet die kurdische YPG-Miliz in den Demokratischen Syrischen Kräften (SDF) als Terroristen und will die kurdischen Kämpfer aus der in vergangenen Jahr mit US-Luftunterstützung eroberten Stadt vertreiben. (Siehe dazu auch: Warum die Türkei in Syrien kämpft)

Nach offiziell bestätigten Angaben sind mittlerweile fast 1000 US-Soldaten in Syrien im Einsatz. Allerdings, so zitiert die "Washington Post" ein namentlich nicht genanntes Mitglied des US-Verteidigungsministeriums, sei der Einsatz der Marines in Syrien "schon seit längerem in Arbeit gewesen". Er sei nicht Ergebnis des von Präsident Donald Trump geforderten neuen Plans, den IS zu besiegen.

Erneut Zivilisten bei Luftangriffen getötet

Derweil wurden bei Luftangriffen auf IS-Ziele südöstlich von Rakka offenbar mindestens 23 Zivilisten getötet. Die Bombardierungen des Dorfes Matab seien vermutlich von der Militärkoalition ausgeführt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Opfern seien auch acht Kinder. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Das Militärbündnis unterstützt im Norden Syriens die Offensive von kurdisch geführten Einheiten zu Eroberung Rakkas. Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind durch die Luftschläge der Koalition seit Herbst 2014 mindestens 890 Zivilisten in Syrien getötet worden.

Weitere zivile Opfer gab es bei Luftangriffen auf den Ort Majadin nördlich der IS-Bastion Deir al-Sor. Dort seien sieben Menschen getötet worden, so die Beobachtungsstelle, unter ihnen ein Ehepaar und drei Kinder. Mehr als 70 Menschen seien verletzt worden. Wahrscheinlich russische Jets hätten zwei Angriffswellen geflogen.

Tausende zivile Opfer im vergangenen Jahr

Die US-Armee gibt immer wieder an, "außergewöhnlich große" Anstrengungen zu unternehmen, um zivile Opfer bei den Einsätzen gegen den IS zu vermeiden. Kürzlich bezifferte die Anti-IS-Koalition die Zahl der bei ihren Einsätzen in Syrien und im Irak unbeabsichtigt getöteten Zivilisten auf 220 - gerade mal ein Viertel der Opferzahl, die die Beobachtungsstelle allein für Syrien angibt.

Für den weitaus größten Teil der zivilen Kriegsopfer in Syrien machen Menschenrechtler Regierungseinheiten und Russland verantwortlich. Laut dem Syrischen Netzwerk für Menschenrechte wurden im vergangenen Jahr rund 16.900 Zivilisten getötet. Für knapp 52 Prozent der Toten seien Regierungskräfte verantwortlich, für gut 23 Prozent die russische Luftwaffe. Und rund drei Prozent der getöteten Zivilisten (in diesem Fall 537) gingen demnach auf das Konto der internationalen Koalition, so die Aktivisten.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete NDR Info/Mittagsecho am 09. März 2017 um 13:00 Uhr

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