Dieses Luftbild soll nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums das Bombardement einer Einrichtung von Extremisten in der Provinz Idlib zeigen | Bildquelle: REUTERS

Kämpfe in Syrien Zivilisten bei russischen Luftangriffen getötet

Stand: 20.10.2015 17:46 Uhr

Bei russischen Luftangriffen in der syrischen Provinz Latakia sollen mindestens 15 Zivilisten getötet worden sein. Angeblich starben bei Kämpfen in der Region auch drei Russen. Derweil haben Kämpfe nahe Aleppo erneut Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben.

In der syrischen Provinz Latakia sollen mindestens 45 Menschen bei Luftangriffen ums Leben gekommen sein. Zahlreiche weitere seien verletzt worden, berichten die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" und die oppositionelle Nachrichtenseite "Syria Direct". Die meisten der Opfer seien Mitglieder der gemäßigten "Freien Syrischen Armee" gewesen.

Syrische Soldaten laden in der Provinz Latakia ihr Artilleriegeschütz (10. Oktober) | Bildquelle: AP
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In Latakia wird seit Wochen erbittert gekämpft - syrische Soldaten am 10. Oktober.

Nach Angaben der bombardierten Rebellengruppe wurden fünf Kämpfer und 15 Zivilisten getötet, darunter soll auch ein Kommandeur sein. Der Sprecher der Gruppe teilte weiter mit, das Hauptquartier sei mehrfach von russischen Flugzeugen angegriffen worden. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite kaum überprüfen. Der größte Teil der Provinz Latakia wird von der Regierung kontrolliert, der Norden von Latakias Bergregion von den Rebellen.

Angeblich wurden drei russische Staatsbürger bei Gefechten getötet, die an der Seite syrischer Soldaten gekämpft hatten. Weitere Russen seien verletzt worden, als eine Granate ihre Stellung in der Provinz Latakia getroffen habe, sagte ein nicht namentlich genannter syrischer Armeeangehöriger der Nachrichtenagentur Reuters. Es wäre das erste Mal, dass russische Militärangehörige in Syrien getötet wurden.

Offiziell sind keine russischen Kampftruppen, sondern lediglich Militärberater in Syrien im Einsatz. Reguläre Truppen bewachen die russischen Basen in Syrien, die nicht im Kampfgebiet liegen.

55 russische Einsätze innerhalb von 24 Stunden

Russland unterstützt seit Ende September die syrische Armee mit Luftangriffen auf die Rebellen. Russische Flugzeuge und Kampfhubschrauber fliegen zahlenmäßig deutlich mehr Angriffe als die US-geführte Militärkoalition. Laut Verteidigungsministerium in Moskau wurden in den vergangenen 24 Stunden 60 Ziele bei 55 Einsätzen bombardiert.

Während die US-Militärkoalition vor allem Ziele im Zentrum und Osten Syriens angreift, wird die russische Luftwaffe vor allem im Westen und Nordwesten des Landes eingesetzt.

Zehntausende Menschen auf der Flucht

Auch im Großraum Aleppo wird die russische Luftwaffe gegen Assad-Gegner eingesetzt, um eine Bodenoffensive zu unterstützen. Aus dem Gebiet sind in den vergangenen Tagen nach UN-Angaben 35.000 Menschen aus den Vororten Hader und Serbeh im Südwesten der Stadt geflohen. Viele von ihnen suchten zunächst in den ländlichen Gebieten westlich von Aleppo Schutz. Dort fehlen aber Lebensmittel.

Die Flüchtlinge bräuchten dringend Lebensmittel und Notunterkünfte, sagte die Sprecherin des UN-Büros. Die Hilfsorganisation seien sehr besorgt, da die Temperaturen sänken und es vor allem nachts immer kälter werde.

Die Rebellen kontrollieren den Osten und Süden Aleppos, Regimeanhänger den Westen. Die Stadt liegt inzwischen größtenteils in Trümmern, auch die historische Altstadt wurde durch Gefechte und Bombardierungen zerstört. Im syrischen Bürgerkrieg sind bislang etwa 250.000 Menschen getötet worden, Millionen Syrer flohen, Hunderttausende streben nach Europa, vor allem nach Deutschland.

Zivilisten gehen durch die Ruinenlandschaft von Aleppo. | Bildquelle: REUTERS
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Nicht alle Bewohner Aleppos sind geflohen - am Rand der Straße wurden Rohre platziert, um Beschuss von Heckenschützen zu unterbinden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2015 um 14:00 Uhr.

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