Türkische Soldaten bereiten an der Grenze zu Syrien neben leeren Granathülsen ihre Panzer vor. (22.01.2018) | Bildquelle: dpa

Konflikt in Nordsyrien Türkei warnt Assad vor Kurden-Unterstützung

Stand: 19.02.2018 16:41 Uhr

Ankara hat der Regierung in Damaskus mit militärischer Gewalt gedroht, wenn Assads Truppen den Kurden in Nordsyrien Hilfe leisten. Der türkische Präsident Erdogan berät mit Kreml-Chef Putin die neue Lage.

Die Türkei hat die syrische Regierung davor gewarnt, den Kurden in der nordsyrischen Region Afrin zu Hilfe zu kommen. Sollten die Regierungstruppen sich an die Seite der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) stellen, werde die türkische Armee auch gegen sie kämpfen, so der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

"Wenn das Regime eindringt, um die YPG zu schützen oder ihren Schutz zu gewährleisten, dann kann niemand uns, die Türkei und die türkischen Soldaten stoppen", sagte Cavusoglu bei einem Besuch im jordanischen Amman. Seit 2011 dringt die Türkei auf den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, hat aber bisher nie direkt gegen ihn gekämpft.

Reportage über kurdische Kämpfer im Norden Syriens
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.02.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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"Säuberung" wäre "unproblematisch"

Die Türkei geht seit einem Monat im nordsyrischen Afrin zusammen mit verbündeten Milizen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

Sollten die syrischen Truppen die Region dagegen von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der YPG "säubern", sei das "unproblematisch". Das gelte für die Regionen Afrin und Manbidsch, aber auch für die von der YPG kontrollierten Gebiete östlich des Euphrats, ergänzte Cavusoglu.

"Werden gemeinsam Syrien verteidigen"

Syriens Kurden und die Regierung in Damaskus haben sich über die Entsendung von regierungstreuen Kräften nach Afrin geeinigt, um dort den Luftraum und die Grenze gegen türkische Angriffe zu verteidigen. Nach einem Bericht des syrischen Staatsfernsehens stehen regierungsnahe Truppen, sogenannte Volkskräfte, kurz vor einem Einmarsch in die kurdische Enklave Afrin im Nordwesten des Landes. Sie würden mit der Kurdenmiliz YPG "innerhalb von Stunden" in Afrin einziehen, meldete das Fernsehen. YPG-Sprecher Birusk Hasakeh konnte bisher noch nicht bestätigen, dass Truppen verlegt würden.

"Die Vereinbarung ist, dass die syrische Armee und die YPG gemeinsam Syrien verteidigen werden", sagte ein syrisch-kurdischer Beamter der Nachrichtenagentur AP. Syrische Truppen sollten in Absprache mit der YPG in verschiedenen Grenzabschnitten aufgestellt werden. Zur künftigen Verwaltung Afrins gebe es keine Absprachen. Das werde später beraten.

Die Vereinbarung sei zunächst rein militärisch und keine politische Annäherung, sagte der ranghohe Kurdenvertreter Badran Jia Kurd der Nachrichtenagentur Reuters.

Verhältnis von Assad und Kurden ist ambivalent

Die YPG hat sich im syrischen Bürgerkrieg in vielen Teilen der Grenzregion zur Türkei etabliert. Syrische Regierungskräfte sind dagegen seit 2012 nicht mehr in Afrin präsent. Ein Abkommen zwischen YPG und regierungstreuen Kräften könnte ein erster Schritt für die Regierung von Präsident Baschar al-Assad sein, wieder die Kontrolle über die Nordgrenze zu übernehmen.

Das Verhältnis der syrischen Regierung zu den Kurden im Norden des Landes ist ambivalent. In dem Bürgerkrieg haben sie weitgehend direkte militärische Zusammenstöße vermieden und zeitweise gemeinsam gegen Extremistengruppen gekämpft. Vereinzelt kam es aber auch zu Kampfhandlungen zwischen ihnen.

Unterschiedliche Vorstellungen haben sie über die Zukunft Syriens. Assad will das gesamte Land wieder unter seine Kontrolle bringen. Die Kurden beherrschen inzwischen aber große Gebiete im Norden des Landes und wollen diese nicht aufgeben.

Die YPG sieht ihre Bündnisse pragmatisch. "Wir können mit jeder Seite kooperieren, die uns eine helfende Hand reicht im Lichte der barbarischen Verbrechen und des internationalen Schweigens dazu", sagte Kurdenführer Jia Kurd angesichts der türkischen Invasion. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die syrische Armee kurdischen Kämpfern erlaubt, auf dem Weg nach Afrin von ihr kontrolliertes Gebiet zu durchqueren.

Russlands Präsident Putin und Syriens Präsident Assad posieren mit russischen Piloten auf der syrischen Luftwaffenbasis Hemeimeem. | Bildquelle: AP
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Kämpfen die Bündnispartner Putin und Assad zusammen mit Kurden und den USA gegen die Türkei?

Erdogan und Putin beraten die Lage

Unterdessen haben sich die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, über die militärische Lage im Norden Syriens beraten. In dem Telefonat sei es um die "jüngsten Entwicklungen" in Afrin und Idlib gegangen, teilte das Präsidialamt in Ankara mit.

Demnach informierte Erdogan den Kreml-Chef über den Stand der "Operation Olivenzweig" gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin. Zudem vereinbarten sie, die Kooperation fortzusetzen. Wenn die mit Russland verbündete Regierung in Damaskus den Kurden in Afrin tatsächlich gegen die Türkei zu Hilfe kommt, stünden die Türkei und Russland in Nordsyrien auf entgegengesetzten Seiten.

Während das Assad-Regime eng mit Russland zusammenarbeitet, wird die YPG von den USA mit Soldaten und Beratern unterstützt und für den Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ausgerüstet. Damit könnte es in Nordsyrien zu einer direkten Konfrontation zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA kommen, und letztere würden auch noch indirekt über Assads-Truppen von Russland unterstützt.

Über dieses Thema berichtete am 19. Februar 2018 Deutschlandfunk um 13:00 Uhr und 13:15 Uhr.

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