Karte: Syrien mit der Region Deir al-Sor und der Stadt Rakka

Massaker der Terrormiliz? Offenbar viele Tote durch IS in Ostsyrien

Stand: 17.01.2016 10:58 Uhr

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat in der ostsyrischen Stadt Deir al-Sor offenbar ein Massaker angerichtet. Es soll mindestens 130 Tote geben. Syrische Quellen sprechen gar von bis zu 300 Toten. Weitere 400 Zivilisten sollen zudem vom IS entführt worden sein.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" rückt im Osten Syriens weiter vor. In der Stadt Deir al-Sor, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, sollen die Terroristen mindestens 135 Menschen umgebracht haben. Nahe der von den Dschihadisten eingeschlossenen Stadt seien 85 Zivilisten exekutiert worden, zudem seien bei Gefechten mindestens 50 Kämpfer des Regimes umgekommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana spricht gar von 300 Toten. Bei den meisten Toten handle es sich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

400 Menschen entführt?

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle sollen zudem 400 Zivilisten entführt worden sein. Unter den Entführten seien auch Frauen und Kinder, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Sie seien aus dem Vorort Al-Baghalijeh und umliegenden Gebieten entführt und in vom IS kontrollierte Gebiete gebracht worden.

Zuvor hatte die Beobachtungsstelle mitgeteilt, der IS sei in den Norden von Deir al-Sor vorgerückt und habe den Vorort al-Baghalijeh eingenommen. Damit kontrolliere der IS nunmehr 60 Prozent des Großraums der Stadt. Die Regierung hielt bislang den Norden der Stadt. Den Großteil der Provinz kontrollierte der IS bereits. Deir al-Sor liegt rund 450 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Die Belagerung der Stadt durch den IS begann vor etwa einem Jahr. Nach Berichten über die schlechte Situation in dem Gebiet hatte ein russisches Transportflugzeug zuletzt 22 Tonnen Lebensmittel und Medizin über Deir al-Sor abgeworfen. Bürgerrechtlern zufolge sind dort mindestens 250.000 Menschen eingeschlossen, der IS verhindert demnach, dass Nahrung und Arzneien auf dem Landweg in die Stadt gebracht werden können.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2016 um 20:00 Uhr.

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