Ein kleines Mädchen wird mithilfe einer Sauerstoffmaske beatmet. | Bildquelle: dpa

Mutmaßlicher Giftgaseinsatz "Wir bekamen keine Luft mehr"

Stand: 05.04.2017 14:37 Uhr

Mehr als 70 Menschen starben durch den Angriff auf das syrische Chan Scheichun - nun bekräftigte die WHO den Verdacht, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden. Überlebende schildern einen Angriff, der ihnen die Luft zum Atmen nahm.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Die Zahl der Toten nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun ist nach Angaben von Aktivisten weiter gestiegen. Demnach starben bei dem Luftangriff mindestens 72 Menschen, darunter auch 20 Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch 18 Frauen seien unter den Opfern - für die Aktivisten ein Beweis, dass bei dem Angriff viele Zivilisten getroffen wurden.

Giftgasangriff in Syrien
tagesschau24 15:00 Uhr, 05.04.2017, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Da die medizinische Versorgung in der von Regierungsgegnern gehaltenen Provinz Idlib nur unzureichend ist, hatten Oppositionelle bereits am Dienstag befürchtet, dass die Zahl der Opfer weiter steigen dürfte. Viele Verletzte müssten eigentlich auf einer Intensivstation behandelt werden, hieß es von Seiten der Aufständischen, und so etwas gebe es nicht.

Einige der Verletzten wurden in Krankenhäuser der benachbarten Türkei gebracht. So auch Ahmed: "Wir schliefen in unserem Haus", erzählt er. Um zu sprechen, nimmt er seine Sauerstoffmaske zur Seite. "Zwischen 6 und 7 Uhr morgens kam dann ein Angriff, ich rannte auf die Straße um Menschen zu helfen." Dann folgte der chemische Angriff, sagte Ahmed weiter, "ich konnte nicht mehr atmen und fiel sofort auf den Boden."

"Eine Rakete explodierte, aus ihr kam ganz viel Rauch und ein seltsamer Geruch", erzählt eine junge Frau. "Wir konnten nicht mehr atmen, wir bekamen keine Luft mehr."

Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Die WHO geht davon aus, dass in Chan Scheichun Chemiewaffen eingesetzt wurden, durch welche die Menschen in Kontakt mit sogenannten Nervenkampfstoffen kamen.

Die Opfer hätten typische Symptome gezeigt: Sie wiesen laut WHO keine äußerlichen Verletzungen auf, stattdessen kamen die meisten der Todesopfer durch akute Atemnot ums Leben.

"Diese Form von Waffen ist durch internationales Recht verboten, weil sie untolerierbare Barbarei darstellt", sagte der Leiter des WHO-Nothilfeprogramms, Peter Salama.

Syriens Regierung im Zentrum der Vorwürfe

Diese Aussagen stehen in Widerspruch zu Russlands Theorie zum mutmaßlichen Giftgasangriff: Demnach traf die syrische Luftwaffe bei einem Bombardement ein Chemiewaffen-Depot der Aufständischen. Durch die dort freigesetzten Substanzen seien die Menschen erstickt.

Die USA, Großbritannien und die EU werfen der syrischen Regierung von Präsident Bashar al-Assad vor, für den Angriff verantwortlich zu sein. Damaskus dementiert entschieden.

Für US-Präsident Donald Trump ist es eine heikle Situation, hatte er doch erst vor wenigen Tagen verkünden lassen, eine Absetzung von Assad sei nicht mehr vorrangiges Ziel der US-Außenpolitik. Trumps Sprecher nutzte sein Statement für einen Angriff auf die Vorgänger-Regierung in Washington: Das Vorgehen Assads sei eine Folge des Versagens von Ex-Präsident Barack Obama.

UN-Sicherheitsrat weiter ohne Beschlusskraft?

Am Nachmittag kommt der UN-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen, um über Syrien zu beraten. UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich am Rande der Syrienkonferenz in Brüssel zu den Vorfällen: "Die furchtbaren Ereignisse zeigen, dass die Kriegsverbrechen in Syrien andauern. Internationales humanitäres Recht wird permanent gebrochen. Der UN-Sicherheitsrat muss jetzt seine Verantwortung wahrnehmen. Dieser schreckliche Krieg muss beendet werden."

Doch ob die Sitzung des Sicherheitsrats zu einem Ergebnis führen wird, ist fraglich: In der Vergangenheit waren es mehrmals Russland und auch China, die ihr Veto einlegten und damit Beschlüsse blockierten. Und wie Aktivisten aus Syrien meldeten, gab es offenbar erneut Luftangriffe in der Provinz Idlib.

Opferzahlen nach mutmaßlichen Giftgasangriff gestiegen
A. Osius, ARD Kairo
05.04.2017 13:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 05. April 2017 um 15:00 Uhr.

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