Friedensgespräche in Genf | Bildquelle: AFP

Friedensgespräche Angespannte Atmosphäre in Genf

Stand: 23.02.2017 22:27 Uhr

Eine politische Lösung des Konflikts in Syrien scheint in weiter Ferne - die Gespräche von Vertretern der Regierung und der Opposition in Genf finden in angespannter Atmosphäre statt. Ein Kernpunkt ist der Umgang mit Präsident Assad.

Im Rahmen der Friedensgespräche für Syrien hat der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura die Delegationen des Assad-Regimes und der Opposition zu getrennten Gesprächen empfangen. Erstmals seit drei Jahren kamen beide Konfliktparteien dann in einem Raum zusammen. Zu direkten Gesprächen kam es aber nicht.

De Mistura appellierte an beide Seiten, diese historische Chance auf Frieden nicht verstreichen zu lassen. "Ich weiß, dass es schwierig ist, aber versuchen wir zusammenzuarbeiten, um diesem schrecklichen Konflikt ein Ende zu bereiten", sagte er. "Alle Menschen in Syrien wollen ein Ende dieses Konflikts, und Sie alle wissen das."

Auch die internationale Syrien-Unterstützergruppe, in der die fünf UN-Vetomächte, die EU, Deutschland und die regionalen Mächte Iran, Saudi-Arabien und Türkei vertreten sind, ist in Genf.

Esther Saoub, SWR, kommentiert die Syrien-Gespräche
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.02.2017

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Ein Kernpunkt ist der Umgang mit Präsident Bashar al-Assad. Syriens Regierung lehnt Verhandlungen über dessen Absetzung weiter kategorisch ab. Die Delegation des Machthabers machte laut Diplomaten klar, das Assads Position nicht Gegenstand eines Abkommens sein könne.

Die Entfernung Assads aus dem Amt ist aber eine Hauptforderung der Opposition. Der oppositionelle Dachverband, das Hohe Verhandlungskomitee, macht den Präsidenten für den Tod Hunderttausender Menschen und das Flüchtlingselend von Millionen Männern, Frauen und Kindern verantwortlich. Ein politischer Neustart mit Assad sei unmöglich.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, Ziel Russlands in Syrien sei es, "die legitime Regierung zu stabilisieren" und dem internationalen Terrorismus "den entscheidenden Schlag" zu versetzen. Je früher eine politische Lösung für Syrien gefunden werde, umso höher seien die Chancen für die internationale Gemeinschaft, die "terroristische Pest" auf syrischem Boden loszuwerden, sagte Putin vor Offizieren der russischen Flotte, die aus dem Syrien-Einsatz zurückgekehrt waren. Russland untersützt die syrischen Streitkräfte und bemüht sich zugleich um eine politische Lösung des Konflikts.

Opposition will keine weitere Runde

Vertreter der syrischen Opposition in Genf machten trotz der schwer zu vereinbarenden Positionen deutlich, dass sie bei den Gesprächen einen Durchbruch wollten. Ein Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees der Opposition sagte, bei der vierten Runde in Genf werde hoffentlich etwas erreicht, denn eine fünfte Runde wollten die Syrer nicht: "Wir hoffen, dass wir genau hier zu einem Ende kommen." De Mistura hatte zuvor aber die Hoffnungen auf einen Durchbruch in Genf gedämpft.

Markus Kaim, Stiftung Wissenschaft und Politik, zu den Chancen der Syriengespräche
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.02.2017

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Die Genfer Runden drehen sich um drei große Themen: die Bildung einer glaubwürdigen Regierung, die Ausarbeitung einer Verfassung und das Abhalten freier und fairer Wahlen. Die UN versuchten schon mehrfach, den seit 2011 andauernden gewaltsamen Konflikt politisch zu lösen. Die letzte Serie von Syrien-Konferenzen unter de Misturas Leitung wurde im April 2016 erfolglos abgebrochen.

Schicksal Verschollener wird zum Thema

De Mistura empfing am Rande der Gespräche eine Gruppe syrischer Frauen. Sie wollen erreichen, dass auch das Schicksal der festgenommenen, entführten und verschwundenen Menschen zur Sprache kommt. De Mistura versicherte anschließend vor Reportern, dass das Thema auf die Tagesordnung komme. Zusammen mit den Frauen hielt er eine Schweigeminute ab.

Neue Syrien-Friedensgespräche unter UN-Vermittler de Mistura
tagesschau 20:00 Uhr, 23.02.2017, Wolfgang Wanner, ARD Genf

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Kämpfe in Syrien

Während die Verhandlungen in Genf laufen, wird der seit Ende 2016 geltende Waffenstillstand in Syrien weiter gebrochen. Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden Rebellen-Gebiete in den westlichen und zentralen Provinzen Deraa und Hama aus der Luft angegriffen. Aufständische hätten wiederum Regierungsziele mit Raketen beschossen.

Lage in umkämpfter syrischer Stadt Idlib
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.02.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Im Norden Syriens übernahmen zudem Rebellen mit Unterstützung des türkischen Militärs nach Angaben der Regierung in Ankara die Kontrolle über nahezu die gesamte IS-Hochburg al Bab.

Die Freie Syrische Armee (FSA) sei ins Zentrum von al Bab eingerückt, sagte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik der Nachrichtenagentur Anadolu. Die Soldaten sind dem Bericht nach dabei, Minen zu räumen, die der "Islamische Staat" (IS) in der Stadt hinterlassen habe. Die FSA ist ein loser Verbund von syrischen Arabern und Turkmenen. Sie griffen al-Bab seit Dezember an, unterstützt von türkischen Kampfjets, Panzern und Spezialeinheiten.

Der Ort liegt 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Mit der Eroberung weitet die Türkei eine Pufferzone im Norden Syriens aus, von der aus die von ihr unterstützten Kämpfer weiter auf die faktische Hauptstadt des IS in Syrien, Rakka, vorrücken könnten. Gleichzeitig hofft die Türkei, die Ausbreitung der syrischen Kurdenmiliz YPG an seiner Grenze zu verhindern, die sie als verlängerten Arm der verboten kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet.

Welche syrischen Konflikt-Parteien verhandeln in Genf?

Syrische Regierung:
Die Delegation wird vermutlich geführt vom Syrischen UN-Botschafter Baschar Al-Dschafari.

Opposition:
HNC - "Hohes Verhandlungskomitee" - umfasst zahlreiche Rebellengruppen, die teilweise auch vom Westen unterstützt werden. Zehn Vertreter der militärischen, zehn Vertreter der politischen Opposition.
Je ein Vertreter ist von Oppositionsgruppen eingeladen, die entweder von Russland unterstützt oder vom syrischen Regime anerkannt werden. Unklar ist, ob sie teilnehmen.

Nicht vertreten:
Die mächtige Rebellengruppe Ahrar Al-Scham will sich nicht vom HNC repräsentieren lassen / Die Syrische Kurdenpartei PYD (kontrollierte weite Teile Nordsyriens, von der Türkei bekämpft) / Die Terrormiliz IS (gilt international als Terrorgruppe, vom Genfer Prozess ausgeschlossen) / Fatah al Scham (Ex-Al Nusra, gilt international als Terrorgruppe, vom Genfer Prozess ausgeschlossen)

Wer kämpft gegen wen? Konfliktparteien in Syrien
tagesschau24, 06.01.2017, Bernd Wode, ARD-aktuell

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2017 um 16:00 Uhr.

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