Syrer kehren nach Kämpfen in ihre Häuser in Daraa zurück | Bildquelle: AFP

Abkommen mit Rebellen Bewohner kehren nach Daraa zurück

Stand: 07.07.2018 19:16 Uhr

Die Waffenruhe in der südsyrischen Provinz Daraa scheint zu halten. Mindestens 20.000 Flüchtlinge kehrten in ihre Häuser zurück. Dem Assad-Regime scheint ein weiterer wichtiger Sieg gelungen zu sein.

Mindestens 20.000 geflüchtete Syrer sind nach den heftigen Bombardierungen der vergangenen Tage in ihre Häuser im Süden des Landes zurückgekehrt. Die Kämpfe seien seit Freitagmittag größtenteils eingestellt worden, nachdem sich die Rebellen in der Provinz Daraa und Syriens Verbündeter Russland auf ein entsprechendes Abkommen geeinigt hatten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Teil der Abmachung ist auch die Übergabe schwerer Waffen durch die Rebellen. Sie wurde von Russland vermittelt.

Mehr als 320.000 Menschen waren wegen der Bombardierungen und Luftangriffe in den vergangenen Tagen nach UN-Angaben geflohen. Zehntausende waren schutzlos an der nahen jordanischen Grenze gestrandet.

Karte: Syrien mit Provinz Daraa
galerie

In Daraa begannen 2011 die Proteste gegen Assad - damals noch friedlich.

Trotz des verhandelten Abkommens fürchten aber Tausende Flüchtlinge die Rückkehr in ihre Häuser in Daraa. "Die syrische Armee sucht nach mir", sagte der 45-jährige Abu Mohammed aus Daraa der Deutschen Presse-Agentur. "Meine Familie ist seit vier Jahren in Jordanien, ich selbst darf nicht ausreisen."

Rebellen vom Nachschub abgeschnitten

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, die Armee habe am späten Freitagnachmittag wieder die Kontrolle über den syrisch-jordanischen Grenzübergang übernommen. Rebellen hatten ihn drei Jahre kontrolliert. Damit sind nicht nur die Rebellen vom Nachschub abgeschnitten, sondern die Kontrolle der Grenze erlaubt es der Regierung auch, den Handel mit dem Nachbarland Jordanien wieder in Gang zu bringen.

Symbolisch wichtiger Sieg für Assad

Assad-treue Medien stellen das Abkommen als Rebellen-Kapitulation dar. Kämpfer sollen demnach mit ihren Familien den Süden Syriens verlassen und in die von Rebellen kontrollierte Region Idlib im Norden gebracht werden, wenn sie nicht in Daraa bleiben wollen. Ein Rebellensprecher räumte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP ein: "Dieses Abkommen war das beste, was wir erreichen konnten, um das Leben unserer Kämpfer zu retten." Nach Informationen der Agentur Reuters konnten die Rebellen lediglich durchsetzen, dass nicht Milizen, sondern die russische Militärpolizei in das Gebiet verlegt wird.

Daraa gilt als Ausgangspunkt der Proteste gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und ist eine der letzten Regionen in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert wird. Die Rückeroberung der Provinz ist für Assad ein symbolisch bedeutsamer Sieg.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juli 2018 um 04:43 Uhr.

Darstellung: