Explosion im Süden von Damaskus | Bildquelle: dpa

Raketenattacke in Syrien Angriff auf iranische Einheiten?

Stand: 30.04.2018 13:27 Uhr

Es waren massive Angriffe, und offenbar starben dabei zahlreiche Soldaten. Mehrere Militärstützpunkte in Syrien sind mit Raketen angegriffen worden. Möglicherweise galten sie iranischen Milizen.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Das syrische Staatsfernsehen bezeichnete die Raketenangriffe auf mehrere Militärstützpunkte als neue feindliche Aggression und brachte Bilder von heftigen Explosionen. Es gab offenbar zahlreiche Tote und Verletzte. Die Angriffe ereigneten sich in den Provinzen Hama und Aleppo auf Außenposten des syrischen Militärs, wo offenbar auch iranische Kräfte stationiert waren.

Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurde unter anderem der Hauptstützpunkt der 47. Brigade getroffen, die sich aus syrischen und iranischen Kräften zusammensetzt. Die meisten Opfer sollen Iraner sein.

Der Aktivist Mazen Al Shamy sagte im TV-Sender Al Hadath, es habe schwere Explosionen gegeben, die das Zentrum der Brigade 47 getroffen hätten. "Dort waren Milizen des Iran und der libanesischen Hisbollah stationiert. Die Raketensplitter haben sich über eine große Fläche verteilt."

Der Iran ist im syrischen Bürgerkrieg ein enger Verbündeter des syrischen Präsident Bashar al-Assad. Zahlreiche iranische Einheiten und verbündete Milizen sind in Syrien stationiert. Iranische Nachrichtenagenturen dementierten die Meldungen, dass es bei dem jüngsten Raketenangriff iranische Opfer gegeben haben soll.

Spekulationen über Israel

In der Nähe der Stadt Hama soll ein Waffenlager von den Raketen getroffen worden sein. Es habe mehrere Explosionen gegeben, berichten Anwohner, detonierte Raketenteile seien bis Hama geflogen und Anwohner aus ihren Häusern geflohen. Eine offizielle Bestätigung, wer hinter den Raketenangriffen steckt, gibt es nicht. Aus syrischen Quellen heißt es, Israel sei der Angreifer.

Israel hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach iranische Ziele auf syrischem Boden bombardiert, diese Luftschläge aber nie offen eingeräumt oder kommentiert. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte erst am Vortag mit weiteren Raketenangriffen gegen den Iran gedroht. Israel habe genau drei Probleme, so Lieberman wörtlich: "Iran, Iran und Iran."

Man werde keine russischen Ziele in Syrien angreifen und sich nicht in innersyrische Angelegenheiten einmischen, so der Minister weiter. Aber bei einer Bedrohung werde sich Israel wehren.

Wiederholte Konfrontation

Zuletzt hatte Israel Anfang April eine Militärbasis nahe Homs bombardiert, im Februar war eine iranische Drohe über israelischem Gebiet abgeschossen worden, Israel flog daraufhin einen Luftangriff, auf dem Rückweg wurde der israelische Kampfjet von syrischen Regierungstruppen getroffen.

Das Timing der jüngsten Raketenangriffe ist Beobachtern zufolge kein Zufall: Der neue US-Außenminister Mike Pompeo ist derzeit auf Nahostreise und war in Israel und Saudi-Arabien. Hauptthema war der Konflikt mit dem Iran. "Der Iran destabilisiert die gesamte Region", so Pompeo in Riad. "Er unterstützt Milizen und Terrorgruppen. Er ist der größte Sponsor von Terrorgruppen in der Welt und wir müssen sicherstellen, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzt."

Die harte Haltung der USA gegenüber dem Iran war auch Thema eines Telefonats von US-Präsident Donald Trump am Sonntagabend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Bis zum 12. Mai muss Trump entscheiden, ob er aus dem Atomabkommen mit dem Iran aussteigt. Erst am Sonntag hatte der Iran jede Nachbesserung des Atomabkommens kategorisch abgelehnt.

Nach den Raketenangriffen in Syrien
Anna Osius, ARD Kairo
30.04.2018 13:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2018 um 12:00 Uhr.

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