Syriens Präsident Baschar Assad (Archivbild) | Bildquelle: dpa

US-Luftangriff Assad-Regime protestiert bei UN

Stand: 08.02.2018 20:41 Uhr

Nach dem Luftangriff der USA auf regierungstreue Truppen in Syrien hat sich das Regime an die Vereinten Nationen gewandt. Der Vorwurf: "Kriegsverbrechen". Die USA sprechen weiterhin von Selbstverteidigung.

Die Regierung in Damaskus hat die Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition im Osten Syriens mit mehr als hundert Toten als "Kriegsverbrechen" verurteilt. Die Angriffe in der Provinz Deir Essor "stellen ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar", schrieb das syrische Außenministerium in einem Brief an UN-Generalsekretär Antonio Guterres und den Vorsitz des UN-Sicherheitsrates.

"Schändliche Absichten"

Diese Angriffe bestätigten "die schändlichen Absichten der Amerikaner hinsichtlich Syrien und dessen Souveränität", hieß es in dem Schreiben. Unter dem Vorwand, gegen den Terrorismus zu kämpfen, errichteten die USA "rechtswidrige Stützpunkte auf syrischem Territorium".

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Die Hintergründe zu dem Angriff sind noch unklar. Ein US-Militärvertreter in Washington hatte erklärt, dass regierungstreue Kämpfer in Deir Essor Stellungen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit Panzern und Artillerie beschossen hätten. Daraufhin habe die US-geführte Koalition, die in Syrien gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kämpft, zur "Selbstverteidigung" einen Gegenangriff mit Kampfflugzeugen und Artillerie gestartet. Ein US-Offizier sagte der Nachrichtenagentur AP, dass das russische Militär in Syrien vorab über das Bombardement informiert gewesen sei. Die russischen Stellen hätten zugesichert, sich nicht in die Aktionen der US-geführten Koalition einzumischen.

US-Soldaten im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei | Bildquelle: AP
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US-Soldaten im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei

Unterschiedliche Angaben über Opfer

Bei dem Angriff sollen mehr als hundert Kämpfer getötet worden sein. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 45 Toten auf Seiten der Regierungstruppen. Laut der in Großbritannien ansässigen Organisation trafen die Angriffe regierungstreue Stammeskämpfer und afghanische Milizen in der Stadt Chascham. Demnach wollten die Regierungstruppen mit ihrem Vorstoß vermutlich ein Ölfeld einnehmen, das von den SDF kontrolliert wird.

Russland reagiert zurückhaltend

Russlands Militär sprach hingegen von nur 25 Verletzten auf Seiten der regierungstreuen Kräfte, nicht von Toten. Das Vorgehen der Milizen gegen die SDF sei nicht mit Russland abgestimmt gewesen. Moskau habe wegen des Vorfalls "eine Menge Fragen" an die USA, sagte Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums. Sie hielt sich mit einer Bewertung zurück. Man sammle noch Informationen, sagte sie der Agentur Interfax zufolge. Moskaus Soldaten, die die Assad-Truppen im Bürgerkrieg unterstützen, waren nicht in der Region, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte.

Tote nach Angriffen der syrischen Luftwaffe

Syriens Luftwaffe hat inzwischen erneut ein Rebellengebiet nahe der Hauptstadt Damaskus angegriffen und dabei Beobachtern zufolge mindestens 60 Zivilisten getötet. Der schwerste Angriff, bei dem allein 22 Menschen gestorben seien, habe dabei einen Markt in der Stadt Arbin getroffen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Eine Familie flüchtet in Jisreen vor den Angriffen. | Bildquelle: AFP
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Eine Familie flüchtet in Jisreen vor den Angriffen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Februar 2018 um 20:00 Uhr.

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