UN-Blauhelme im Südsudan | Bildquelle: AP

UN-Bericht zum Südsudan Blauhelme halfen Vergewaltigungsopfer nicht

Stand: 01.11.2016 20:10 Uhr

Eine Frau wird vergewaltigt, ruft nach Hilfe. UN-Blauhelme bekommen dies mit, tun aber nichts. So ist es im Südsudan passiert, heißt es in einem nun veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen. Möglicherweise gab es noch weitere solcher Vorfälle. Das hat nun Konsequenzen.

Die Blauhelme der UN sind eigentlich dafür da, um in Krisenregionen Friedensprozesse zu sichern. Für dieses Engagement haben sie sogar schon den Friedensnobelpreis erhalten. Doch seit Monaten stehen die Blauhelme, die im Südsudan stationiert sind, massiv unter Druck. Ihnen wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Das hat nun ein unabhängiger Bericht der UN nun bestätigt.

In dem Papier wird den Soldaten Versagen bescheinigt: Beim Wiederaufflammen der Gewalt in der Hauptstadt Juba im Juli hätten sie Zivilisten und UN-Mitarbeiter nicht angemessen geschützt, heißt es in dem Bericht. In mindestens einem Fall seien sie trotz Hilferufen bei einer Vergewaltigung untätig geblieben. Wegen mangelnder Führung habe die Mission "chaotisch und unwirksam" auf die Gewaltwelle reagiert.

Befehlshaber abberufen

Das hat nun auch personelle Konsequenzen: Der Befehlshaber der UN-Mission, der aus Kenia stammende Generalleutnant Johnson Mogoa Kimani Ondieki, werde umgehend von dem Posten entfernt, kündigte UN-Sprecher Stéphane Dujarric an.

Flüchtlinge im UN-Stützpunkt in Tomping, Südsudan
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Flüchtlinge im Juli 2016 im UN-Stützpunkt in Tomping, Südsudan.

"Alarmierendes" Versagen

Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von "ernsthaften Mängeln" und bezeichnete das Versagen der Blauhelme als alarmierend. Die Soldaten hätten zugleich aber "extrem herausfordernden Bedingungen" gegenübergestanden und seien im Kreuzfeuer eines besonders gewalttätigen Konflikts gefangen gewesen. Unter anderem müsse das Training der Soldaten verbessert werden.

In dem ostafrikanischen Krisenstaat sind rund 13.500 Blauhelmsoldaten stationiert. Im Juli war in Juba die Gewalt zwischen Streitkräften von Präsident Salva Kiir und den Anhängern von Ex-Vizepräsident Riek Machar neu ausgebrochen. Mindestens 300 Menschen kamen innerhalb weniger Tage ums Leben. Soldaten wurden dabei schwere Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung vorgeworfen - in Sichtweite der offenbar machtlosen Blauhelmsoldaten. Mitte August hatte der UN-Sicherheitsrat die Entsendung bis zu 4000 zusätzlicher Blauhelme beschlossen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2016 um 21:00 Uhr

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