Mögliche Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten 89 Jungen im Südsudan verschleppt

Stand: 21.02.2015 18:56 Uhr

Bei den Kämpfen im Südsudan setzen die Konfliktparteien Tausende Kindersoldaten ein. Das UN-Kinderhilfswerk berichtete nun, dass im Norden des Landes 89 Jungen entführt worden sein - vermutlich sollen auch sie zum Einsatz mit der Waffe gezwungen werden.

Kindersoldaten im Südsudan | Bildquelle: AFP
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Im Südsudan setzen die Konftliktparteien Tausende Kindersoldaten ein.

Im Südsudan haben Bewaffnete mindestens 89 Jungen entführt. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, berichtete, dass die Täter in der Stadt Wau Shilluk von Haus zu Haus gegangen sei und alle Jungen mitgenommen habe, die älter als zwölf Jahre waren. UNICEF geht davon aus, dass die Entführten dazu gezwungen werden sollen, als Kindersoldaten zu kämpfen.

Unklar ist allerdings, wer hinter der Aktion steckt. Mehrere Konfliktparteien in dem Land werden beschuldigt, Kinder als Soldaten zu rekrutieren. Die Gegend, in der die Jungen verschleppt wurden, kontrolliert der regierungstreue Kriegsherr Johnson Olony. Die Einwohnerzahl von Wau Shilluk ist stark gewachsen, seitdem Tausende Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen in der nahegelegenen Stadt Malakal dorthin strömen.

UNICEF verlangt sofortige Freilassung

Der UNICEF-Vertreter im Südsudan, Jonathan Veitch, verlangte eine sofortige Freilassung der Jungen. Er erklärte zudem, dass die Zahl der Entführten noch weitaus höher liegen könne. UNICEF schätzt, dass die Konfliktparteien in dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land bereits jetzt mindestens 12.000 Kindersoldaten einsetzen. "Kinder werden unvorstellbarer Gewalt ausgesetzt, sie verlieren ihre Familien und ihre Chance auf Schulbildung", sagte Veitch.

Seit Dezember 2013 versinkt der Südsudan im Chaos. Damals eskalierte in dem erst zwei Jahre zuvor unabhängig gewordenen Land der Kampf um die politische Macht. Immer wieder kommt es zu Kämpfen, weil die Regierungstruppen versuchen, eine vom ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar angeführte Rebellion zu unterdrücken. Dabei stehen sich Soldaten von der größten Volksgruppe der Dinka - der Präsident Salva Kiir angehört - und Kämpfer des Nuer-Clans von Machar gegenüber. Es geht in der Auseinandersetzung auch um die Kontrolle der Ölvorkommen im Land. Friedensgespräche zwischen den Kriegsparteien sollen Ende Februar wieder aufgenommen werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2015 um 20:00 Uhr.

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