Kämpfer der oppositionellen Volksgruppe Dinka | Bildquelle: dpa

Einschätzung zum Südsudan Ein Staat muss lernen, Staat zu sein

Stand: 30.03.2017 14:40 Uhr

Im Bürgerkrieg im Südsudan sind bislang alle Versuche, Frieden zu schaffen, gescheitert. Aus Sicht der Konfliktforscherin Annette Weber scheint dieses Ziel auch noch in weiter Ferne: Zu politisch unerfahren ist die Führung des Landes, zu wenig Leitlinien gibt die Internationale Gemeinschaft.

Seit vier Jahren leidet der Südsudan unter einem andauernden Bürgerkrieg. Dabei stehen sich vor allem zwei Fronten gegenüber, in die sich einst die Nationale Armee aufgespalten hat: Die Nuer und die Dinka. Erstere bilden die Opposition, und die Volksgruppe der Dinka stellt nach wie vor die Regierungstruppen, erklärt Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Doch der Kampf habe sich mittlerweile ausgeweitet. Mittlerweile gebe es im Südsudan etwa 40 Milizen, die entweder zum Oppositions- oder Regierungslager zählen oder ganz für sich stehen. Heute kämpften in dem Land "viele gegen viele", wie es Weber ausdrückt.

Annette Weber, Stiftung Wissenschaft und Politik, zum Krieg im Südsudan
tagesschau24 11:00 Uhr, 30.03.2017

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Ein Staat ohne Erfahrung

Der Südsudan sei "das jüngste Land der Welt", sagt Weber, aber ein Land, das den Frieden bislang nicht kennengelernt hat. Gegründet wurde der Staat 2011, nachdem seit den frühen 1980er-Jahren Rebellengruppen aus dem heutigen Gebiet des Südsudans in einer Freiheitsbewegung für die Abtrennung vom Norden - dem heutigen Sudan - gekämpft haben.

Schon zur Kolonialzeit, also noch vor den 1960er-Jahren, seien die Regionen des späteren abgespalteten Südsudan von den Eliten des Nordens regiert worden, führt Weber weiter aus. Die Folge: Der Südsudan habe nie eigene politische Strukturen aufgebaut, nie eine Infrastruktur entwickelt. Das Land sei "stets sich selbst überlassen" gewesen und habe "keine Erfahrung als Staat sammeln können".

Die Folgen dieser mangelnden politischen Erfahrung für die Bevölkerung nennt die Forscherin "katastrophal". Denn bis heute werde sie nicht von einer "zivilen Regierung" geführt, die Führung des Landes bestehe noch immer aus ehemaligen Kämpfern und Rebellen. "Die denken strategisch und langfristig an den Aufbau eines ganzen Landes", sagt Weber. Für die momentane Regierung stünden eher ihre eigenen taktischen Ziele im Vordergrund, vor allem um gegnerische Kampfgruppen zurückzudrängen.

Stimme der UN "nicht laut genug"

Seit Jahrzehnten versuchen auch die Vereinten Nationen, durch eine Friedensmission die Lage im Südsudan zu entschärfen. Zudem leisten die UN humanitäre Hilfe, derzeit sind rund 250.000 Menschen in UN-Flüchtlingscamps untergebracht. Doch "die Stimme der Internationalen Gemeinschaft" sei nicht laut genug, um den Konflikt zu schlichten, sagt Weber. 2015 gab es Friedensverhandlungen zwischen den Nuer und den Dinka, auch ein Friedensvertrag wurde geschlossen, jedoch ohne Wirkungskraft. Die UN versucht laut Weber in den Verhandlungen als "Druckgeber" zu agieren - vergebens. Auch die Versuche der Vereinten Nationen, ein Waffenembargo für das Land durchzusetzen, seien bislang ohne Erfolg geblieben.

Eine Lösung für den Bürgerkrieg hängt für Weber in erster Linie am "politischen Willen der Regierung und Opposition, das Land zu gestalten" - und zwar "für und nicht gegen die Bevölkerung". Um diesen Willen zu erreichen, könnten Sanktionen der Internationalen Gemeinschaft helfen, doch dafür herrsche innerhalb der Gemeinschaft zu wenig Einigkeit, wie solche Sanktionen aussehen sollten. Doch ohne eine Wandlung werde der Südsudan "Jahr für Jahr am gleichen Punkt stehen", betont Weber.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. März 2017 um 15:00 Uhr.

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