Blitze am Himmel | Bildquelle: dpa

Studie der EU-Kommission 50 Mal mehr Extremwetter-Tote bis 2100?

Stand: 05.08.2017 15:00 Uhr

Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände, Stürme, Kälte- und Hitzewellen: Bis Ende des Jahrhunderts könnte die Zahl der Extremwetter-Todesfälle in Europa um das 50-fache steigen. Das geht aus Berechnungen einer Forschergruppe der Europäischen Kommission hervor.

Extreme Wetterbedingungen könnten bis Ende des Jahrhunderts bis zu 50 Mal mehr Todesopfer fordern als heute - 152.000 Menschen jährlich. Diese drastischen Zahlen stammen aus einer Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission im italienischen Ispra.

Die Studie, die im Magazin "The Lancet Planetary Health" veröffentlicht wurde, stellt den Klimawandel als eine rasch wachsende Belastung für die Gesellschaft dar. Zwei von drei Menschen in Europa wären davon betroffen, sollten die Emission von Treibhausgas nicht verringert und die Politik nicht klimafreundlicher werden. "Klimawandel ist eine der größten weltweiten Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen im 21. Jahrhundert", sagte Giovanni Forzieri vom Forschungszentrum der EU-Kommission in Italien, das die Untersuchung mit geführt hat.

Größte Bedrohung - Hitzewellen

ausgetrocknetes Flussbett in Italien | Bildquelle: dpa
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Nach Aussage der Forscher könnten sich Hitzewellen am gefährlichsten auswirken.

In der Studie wurden in den 28 EU-Staaten sowie in der Schweiz, in Norwegen und Island die Auswirkungen der sieben schwersten Katastrophen untersucht, die mit Wetter zusammenhängen: Hitze- und Kältewellen, Waldbrände, Dürren, Stürme sowie Hochwasser an Küsten und Flüssen. Die Wissenschaftler werteten 2300 Berichte über die Folgen solcher Katastrophen von 1981 bis 2010. Anschließend verbanden sie die Ergebnisse mit Modellberechnungen für Klimaänderungen und die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2100.

Die Forscher fanden heraus, dass sich Hitzewellen am massivsten auswirken dürften. Sie könnten für 99 Prozent aller künftigen Todesfälle im Zusammenhang mit Wetterextremen verantwortlich sein. Deshalb ist das Risiko, von extremen Wetterereignissen betroffen zu sein oder gar dadurch zu sterben, sehr ungleich in Europa verteilt: In Südeuropa werde im Durchschnitt nahezu jeder einmal pro Jahr wetterbedingte Katastrophen erleben. In Zentraleuropa (Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien) werde es 64 Prozent der Bevölkerung treffen, in Nordeuropa nur 36 Prozent.

Berechnungen ungenau?

Die Wissenschaftler gehen bei ihren Rechenmodellen davon aus, dass sich der Ausstoß von Treibhausgasen über die Jahre nicht verringert. Nicht berücksichtigt wurden künftige Errungenschaften wie bessere medizinische Versorgung, Klimaanlagen oder Wärmedämmung an Häusern. Ebenfalls außen vor blieb bei den Berechnungen die prognostizierte Alterung der Gesellschaft. Dieser demografische Trend könne die vorgestellten Zahlen sogar noch verschärfen, schreiben die Forscher, da ältere Menschen etwa empfindlicher auf extreme Hitze reagierten.

"Trotz ihrer Annahmen und Einschränkungen werden die Ergebnisse der Studie für politische Entscheidungsträger und Stadtplaner nützlich sein, um den Klimawandel zu verlangsamen und seine Auswirkungen zu mildern", kommentieren zwei nicht beteiligte Wissenschaftler die Studie. Jae Young Lee und Ho Kim von der Seoul National University in Südkorea schreiben in dem Journal allerdings auch, dass die Wettereffekte überschätzt sein könnten, da der Mensch sich veränderten Klimabedingungen anpassen könne.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. August 2017 um 14:15 Uhr.

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