Steve Bannon | Bildquelle: AFP

Trumps Chefstratege Ist Steve Bannon der Nächste?

Stand: 15.08.2017 21:47 Uhr

Glaubt man dem, was im Weißen Haus so geredet wird, ist nach vielen anderen nun Steve Bannon angezählt. Der Ex-Breitbart-Chef und Nationalist könnte der nächste sein, der seinen Hut nehmen muss. Sein Rauswurf könnte für Trump allerdings gefährlich werden.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Einflüsterer, großer Manipulator, Chefstratege - so wird Steve Bannon genannt. Einer, der am stärksten polarisiert im Weißen Haus. Ein Mann ohne politische Erfahrung, der einer der Väter des Einreiseverbots aus sechs vornehmlich muslimischen Ländern ist. Er wird momentan in den USA als derjenige gehandelt, der womöglich als nächstes aus dem Weißen Haus fliegen könnte.

Anthony Scaramucci, Trumps Kurzzeit-Kommunikationsdirektor, sagte bei der Late Night Show klar: Wenn's nach ihm ginge, wäre Bannon weg vom Fenster.

Anthony Scaramucci, Kommunikationschef des US-Präsidenten Donald Trump | Bildquelle: AP
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Bereits nicht mehr im Amt: Trumps Kommunikationschef Anthony Scaramucci...

Trumps Sprecher Sean Spicer tritt zurück | Bildquelle: AP
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... und Sprecher Sean Spicer. Er trat zurück, nachdem Scaramucci Kommunikationschef wurde.

"Wir sind eine Nation mit einem Daseinszweck"

Steve Bannon ist derjenige, der Breitbart News als Chef zum Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung erklärte. Bannon zu feuern, wäre gefährlich, warnt einer seiner Vertrauten Chris Buskirk im Interview mit dem National Public Radio: "Wenn Bannon von den gegnerischen Kräften aus dem Weißen Haus gedrängt wird, ist das für die Präsidentschaft gefährlicher als die Untersuchungen von Sonderermittler Mueller in der Russland-Affäre."

Trump verteidigt Bannon

Bei einer Pressekonferenz in New York hat US-Präsident Donald Trump seinen umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon verteidigt. Dieser sei "ein guter Mann". Über Bannons Zukunft im Weißen Haus wollte er sich allerdings nicht äußern.

Bannon ist der Draht für Trump zu seiner Basis - ein bekennender Nationalist und Einwanderungskritiker. Ein Mann, der die Aura des Dunklen pflegt und schätzt. Der 64-Jährige sucht als Chefstratege im Weißen Haus nicht das Rampenlicht.

Bei einem seiner seltenen Auftritte bei der Konferenz der Konservativen in den USA CPAC umriss er sein Verständnis des Landes: "Es entsteht eine neue politische Ordnung. Wir sind eine Nation mit einer Wirtschaft - nicht eine Wirtschaft auf einem offenen Markt ohne Grenzen. Wir sind eine Nation mit einer Kultur und einem Daseinszweck und das vereint uns."

US-Präsident Donald Trump, links, und sein Berater Steve Bannon im Januar dieses Jahres in Washington | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Trump und sein Chefstratege Bannon.

Navy, Hollywood-Producer, Harvard-Absolvent

Bannon war bei der Navy, hat als Investmentbanker für Goldman Sachs gearbeitet und als Hollywood-Producer Filme gemacht. Ein Harvard-Absolvent, der an vieles strategisch wie ein Kriegsherr rangeht. Für ihn zu arbeiten, ist brutal, erzählt einer seiner ehemaligen Mitarbeiter: "Alles ist Konfrontation, Provokation, niemals zurückweichen, niemals entschuldigen, niemals Schwäche zeigen. Seine Ideen mit dem bloßen Willen durchboxen."

Dabei hat er im Weißen Haus aber auch schon Niederlagen einstecken müssen. Trump hatte ihn in den Beraterkreis für Nationale Sicherheit berufen. Die Aufgabe ist er seit April los. Der neue Nationale Sicherheitsberater McMaster wollte ihn nicht haben.

Dass es nicht einfach wird, Trumps Agenda und Weltsicht durchzusetzen, das hat Bannon von Anfang an erwartet. Sein Hauptgegner: die Medien. "Wenn ihr denkt, die geben euch euer Land kampflos zurück, liegt ihr falsch. Jeder Tag wird ein Kampf", so Bannon vor Anhängern.

Ein Strippenzieher mit Gegnern

In seinem Büro im Weißen Haus hat Bannon ein großes Whiteboard angebracht, eine weiße Wand, auf der die Versprechen von Trump im Wahlkampf stehen. Bannon hakt ab, was erledigt ist. Comedian Trevor Noah sieht in der weißen Tafel aber auch ein Sinnbild für Bannons politische Ausrichtung: "Keine große Überraschung, dass es eine weiße Tafel ist, die Steve Bannon benutzt: 'Sir, wollen sie eine schwarze Tafel?' - 'Oh nein, ich fühle mich wohler mit einer weißen.'"

Steve Bannon ist Strippenzieher im Weißen Haus. Ein Strippenzieher mit Gegnern. Aber das motiviert ihn wahrscheinlich jeden Tag bei der Arbeit noch mehr. Der Arbeit, die er als Kampf versteht.

Wer ist Steve Bannon?
Martina Buttler, ARD Washington
15.08.2017 21:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 19. August 2017 um 12:36 Uhr.

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