Kim Davis nach ihrer Entlassung aus der Beugehaft | Bildquelle: AFP

Beugehaft wegen Homo-Ehe Erst im Gefängnis, jetzt gefeiert

Stand: 09.09.2015 05:45 Uhr

Kim Davis ist wieder auf freiem Fuß. Die Standesbeamtin aus Kentucky musste ins Gefängnis, weil sie sich weigerte, homosexuellen Paaren Heiratslizenzen auszustellen. Ihre Anhänger feiern sie jetzt wie einen Rockstar.

Von Rolf Büllmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Es war wie der Auftritt eines Rockstars. Hunderte Unterstützer hatten sich vor dem Gefängnis eingefunden, in dem Kim Davis einsaß. Gleich zwei republikanische Präsidentschaftsbewerber, Ted Cruz und Mike Huckabee, hatten sie noch in der Haft besucht, um ihr Mut zuzusprechen, und einer von ihnen, Huckabee, empfing sie dann eben wie einen Rockstar auf der Bühne.

Davis war zu Tränen gerührt, und musste sich erstmal fassen - um sich dann aber umso nachdrücklicher an ihre Anhänger zu wenden: "Wir dienen dem lebendigen Gott, der genau weiß, was jeder von uns tut. Macht weiter Druck! Gebt nicht nach! Denn er ist hier! Ich liebe Euch, Danke Euch!" Es war klar zu sehen: Davis, die sich aus religiösen Gründen weigert, homosexuellen Paaren Heiratslizenzen auszustellen, war nicht bereit, von ihrer Position abzurücken, auch nicht nach mehreren Tagen Beugehaft.

Kim Davis (2.v.l.) mit dem Republikaner Mike Huckabee, ihrem Anwalt Matt Staver (2.v.r.) und ihrem Ehemann Joe Davis (r.) | Bildquelle: AFP
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Kim Davis (2.v.l.) mit dem Republikaner Mike Huckabee, ihrem Anwalt Matt Staver (2.v.r.) und ihrem Ehemann Joe Davis (r.)

Der Richter allerdings hat klargestellt, dass sie künftig die Eheschließung von Schwulen oder Lesben weder direkt noch indirekt behindern dürfe, sonst werde er zu angemessenen Strafmaßnahmen greifen. Die Frage ist also, was sein wird, wenn Davis in den kommenden Tagen wieder zur Arbeit geht. Vor der Beugehaft hatte sie sich nicht nur selber geweigert, sondern auch ihren Mitarbeitern untersagt, Heiratslizenzen für homosexuelle Paare auszustellen. Während sie in Beugehaft saß, haben ihre Kollegen dann aber genau das getan. Davis' Anwalt Matt Staver sagte dazu: "Dies Lizenzen wurden ohne die Amtsbefugnis der Behörde ausgestellt. Sie sind nicht gültig", was Steve Beshaer, der Gouverneur von Kentucky erkennbar genervt zurückweist: Natürlich seien die Heiratslizenzen legal, sagt er.

Neue Bewegung - konservativ und christlich

Doch auch so hat mit der Affäre um Kim Davis eine neue Bewegung politisch Fuß gefasst: eine Bewegung, die sich auf traditionelle, konservative und christliche Werte beruft, und die getragen wird von Menschen, die das Gefühl haben, von gesellschaftspolitischen Entwicklungen überrollt zu werden - wie zum Beispiel von der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, die Homo-Ehe zuzulassen. Mike Huckabee - wie gesagt einer der republikanischen Präsidentschaftsbewerber - sagte dazu: "Wir wollen nicht sehen, wie unser Land sich verwandelt in die qualmenden Ruinen einer einst großen Republik, und stattdessen ein Land entsteht, in dem fünf nicht gewählte Anwälte glauben, sie könnten regieren. Wir sind hier um zu sagen: Nein, das können sie nicht!"

Eine Hand hält eine Bibel und ein Schild mit der Aufschrift ''We stand with God'' in die Höhe. | Bildquelle: AFP
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"We stand with God" - "Wir stehen an Gottes Seite" steht auf diesem Transparent. Viele Menschen in den USA fühlen sich überrollt von gesellschaftspolitischen Entwicklungen.

 

Die "fünf nicht gewählten Anwälte", die Huckabee anspricht, sind die Mehrheit des Supreme Courts, des Obersten Gerichtshofes der USA, dessen Mitglieder auf Lebenszeit berufen werden. Huckabee warnt vor einer Tyrannei der Gerichte und einer Kriminalisierung des Christentums - und steht damit nicht mal alleine im Bewerberfeld: Seien Konkurrenten Ted Cruz und Rand Paul hatten ebenfalls Unterstützung für Kim Davis geäußert.

Kim Davis: Erst im Gefängnis, jetzt gefeiert
R. Büllmann, ARD Washington
09.09.2015 05:23 Uhr

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