Die Standesbeamtin Kim Davis. | Bildquelle: dpa

Strenggläubige US-Standesbeamtin in Beugehaft Glaube gegen Verfassung

Stand: 04.09.2015 10:28 Uhr

Als Standesbeamtin hat sie einen Eid auf die US-Verfassung geschworen und müsste auch Schwule und Lesben trauen. Doch die strenggläubige Kim Davis weigert sich - und geht dafür in Beugehaft.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die Stimmung ist aufgeheizt vor dem Gericht in Ashland, Kentucky. Anhänger und Gegner von Kim Davis haben sich versammelt. "Halte durch, Kim", rufen die einen. "Liebe gewinnt", die anderen. Kim Davis ist die Standesbeamtin von Rowan County in Kentucky. Sie weigert sich, gleichgeschlechtlichen Paaren Heiratsurkunden auszustellen.

Treulos zu Gott sein - das könne sie nicht

Schon vor der Entscheidung sagte ihr Anwalt Mat Staver, Kim Davis sei bereit, dafür die Konsequenzen zu tragen - denn sie sei nicht bereit, die anderen Konsequenzen zu tragen: Treulos zu Gott zu sein. In der Anhörung verteidigte sich Davis, teilweise unter Tränen. Ihre Pflichten stünden im Konflikt mit Gottes Moral. Sie könne nicht getrennt werden von etwas, was in ihrem Herzen und in ihrer Seele sei.

Davis war im vergangenen Jahr County Clerk geworden, ein Amt, das mit einem Standesbeamten vergleichbar ist. Sie hatte das Amt von ihrer Mutter übernommen und vorher schon 27 Jahre in dem Büro gearbeitet. Zum County Clerk wird man gewählt.

Religiöses Gewissen überzeugt Richter nicht

Den Richter überzeugte die Berufung auf das religiöse Gewissen nicht. Davis habe einen Eid auf die Verfassung geleistet, diesem Eid sei sie verpflichtet. Darum seine Entscheidung: Sie kommt ins Gefängnis.

Für ihre Verteidiger ein Unding. Zu ihnen gehört der Republikaner Rand Paul, Senator aus Kentucky. Er sagte bei CNN: "Es ist absurd, jemanden einzusperren, der seine religiösen Freiheiten ausübt. Wenn man Leute überzeugen will, dass die Homo-Ehe akzeptabel ist, muss man sie umstimmen."

Der oberste Gerichtshof der USA hatte im Juni entscheiden, dass auch Schwule und Lesben heiraten dürfen. Kritiker hielten schon immer das Recht zur religiösen Freiheit dagegen. Streit gab es zum Beispiel um Bäcker, die sich weigerten, für gleichgeschlechtliche Hochzeiten eine Torte zu backen. Amtsträger sind aber mit einem Eid an die Verfassung gebunden.

Darauf wies auch Josh Earnest hin, der Sprecher des Weißen Hauses: "Jeder Amtsträger in unserer Demokratie untersteht dem Gesetz, niemand steht darüber. Das gilt für den Präsidenten genauso wie für die Standesbeamtin von Rowan County. Das ist ein fundamentales Prinzip."

David Moore | Bildquelle: AP
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David Moore und sein Partner wollten von Kim Davis den Trauschein. Nachdem sie sich weigerte, klagten sie.

"Ich lasse mich nicht als Bürger zweiter Klasse behandeln"

Um dieses fundamentale Prinzip geht es in Rowan County. Sowohl die Standesbeamtin Davis als auch die heiratswilligen Paare werden jeweils von nationalen Organisationen unterstützt. Einfach zu einer anderen Verwaltung gehen - das kommt zum Beispiel für David Moore nicht in Frage, der von Davis eine Heiratsurkunde verlangte: "Ich weigere mich, zu einem anderen Landkreis zu gehen und mich wie ein Bürger zweiter Klasse behandeln zu lassen", sagt er. "Das ist, wie jemandem zu sagen, dass man diese Dienstleistungen nur einigen anbiete, basierend auf seinem Fanatismus. Wenn wir sagen würden, das ist ok, dann würde es überall ok sein. Es würde durch alle Landkreise durchsickern."

Nun könnte es aber sein, dass er und sein Partner bald eine Heiratsurkunde bekommen: Während Kim Davis nämlich im Gefängnis sitzt, stellte es der Richter ihren Mitarbeitern frei, die Urkunden auszustellen. Fünf von ihnen versprachen vor Gericht, dazu bereit zu sein.

Lieber Gefängnis: Standesbeamtin verweigert Trauung von Homosexuellen
J. Bösche, ARD Washington
04.09.2015 09:06 Uhr

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