Politische Motivation? Malediven weisen ARD-Korrespondenten aus

Stand: 17.12.2015 19:49 Uhr

Der Leiter des ARD-Studios Neu-Delhi, Spieker, ist von den Malediven ausgewiesen worden. Spieker wollte dort unter anderem zum Thema religiöser Extremismus drehen. Die offizielle Begründung: unzureichende Drehgenehmigungen.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Südasien

Markus Spieker
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Markus Spieker

Das ARD-Fernsehteam hatte die Arbeit an zwei Beiträgen über den Klimawandel und Islamismus auf den Malediven gerade begonnen, da begann der Ärger. Markus Spieker, Leiter des Fernsehstudios Südasien erklärt: "Kurz nachdem wir überhaupt ein paar Aufnahmen gemacht haben, wurden wir von der Polizei festgenommen und verhört. Uns wurde gesagt, unsere Drehgenehmigungen würden nicht ausreichen."

Extremismus-Problem auf den Malediven

Es schien, als würden die Behörden nach einem Vorwand suchen, sie an der Arbeit zu hindern. Denn die Malediven haben ein Extremismus-Problem. Es sei nicht schwierig gewesen, Menschen zu finden, deren Angehörige in den syrischen Bürgerkrieg gezogen sind, sagt Spieker.

250 der rund 350.000 Einwohner sollen sich dem "Islamischen Staat" angeschlossen haben. Spieker erzählt: "Und krass war auch, dass die Leute, die wir interviewt haben, zum Teil sehr dafür waren, dass sich ihr Bruder, ihre Schwester oder Kinder dem Dschihad angeschlossen haben und dort auch umgekommen sind."

Was Urlauber auf den abgeschotteten Touristeninseln nicht mitbekommen: Die Malediven werden autoritär regiert. Der ehemalige Präsident Mohammed Nasheed wurde ins Gefängnis gesteckt. Ein bekannter Journalist verschwand, nachdem er Todesdrohungen erhalten hatte.

Ein Paradies als Terroristenheimat
tagesthemen, 17.12.2015, Markus Spieker, ARD Neu-Delhi

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Mit U-Haft gedroht

Im November rief Präsident Yameen Abdul Gayoom den Notstand aus, nachdem es angeblich Anschlagsversuche auf ihn gegeben hatte. Er ließ politische Widersacher verhaften. Das ARD-Team versuchte, trotz der Behinderungen weiter zu arbeiten. Wieder griff die Polizei ein, und brachte die Journalisten auf die Hauptinsel Male. Das Team wurde stundenlang verhört.

"Uns wurde gesagt: Wenn wir es nicht schaffen, noch an dem Abend auszureisen, dass wir dann ins Gefängnis, in die Untersuchungshaft gebracht würden. Zum Glück haben wir noch einen Flug bekommen. Unter Polizeiaufsicht durften wir dann ganz schnell unsere Sachen aus dem Hotel holen, wurden dann auf einem Lastwagen zusammen mit unserem Gepäck auf der Laderampe zum Flughafen gebracht. Dort wurde uns dann eröffnet, wir würden offiziell ausgewiesen, und dürften zumindest die nächsten zehn Jahre nicht wieder einreisen. Ich hatte den Eindruck, dass die Beamten da selber Probleme mit haben, uns dann aber gesagt haben, das sei alles politisch so erwünscht. Und dann sind wir aus dem Land ausgereist." Über Sri Lanka flogen Spieker und sein Team zurück nach Neu-Delhi.

Was der Vorfall für andere ausländische Journalisten auch der ARD bedeutet, ist nicht klar. Im März werden die Malediven das Partnerland der Berliner Tourismusmesse ITB sein. Für Journalisten ist das Inselparadies ein heikles Reiseziel.

Malediven weisen ARD-Fernsehteam aus
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
17.12.2015 19:22 Uhr

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