Der neue PR-Chef des Weißen Hauses: Anthony Scaramucci | Bildquelle: AFP

PR der US-Regierung Scaramuccis Mammutaufgabe

Stand: 22.07.2017 11:04 Uhr

Das Weiße Haus hat keine erkennbare Kommunikationsstrategie - daran trägt vor allem der US-Präsident Trump die Schuld. Auch der neue PR-Chef Scaramucci hat kaum Chancen, dies zu ändern - vielmehr muss erst einmal Trump an sich arbeiten.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Umfragewerte sind schlecht, große Reformen kommen nicht voran, dafür gibt es ständige Leaks in der Presse, und die Russland-Ermittlungen werfen einen langen Schatten - nach einem halbem Jahr im Amt häufen sich die Probleme für Präsident Trump. Er muss etwas ändern im Weißen Haus, braucht einen Neustart - davon ist das politische Washington schon länger überzeugt.

Jetzt ändert sich etwas, zumindest bei der PR: Trump hat Anthony Scaramucci als neuen Kommunikationsdirektor geholt, der aufräumen soll. Der bisherige Sprecher Sean Spicer war mit der Personalie nicht einverstanden und ist gegangen. Das sieht nicht danach aus, als ob das Weiße Haus hier eine durchdachte Strategie ausführt - es entspricht eher dem Managementstil Trumps, Konflikte zu erzeugen und die entstandene Energie für sich zu nutzen.

Ein Verlust für Kabarettisten

Dass Spicer geht, ist ein Verlust für Comedians, Kabarettisten und alle, die sich gerne über Politik lustig machen. Das muss ein Pressesprecher erst einmal schaffen: innerhalb weniger Wochen nicht nur weltweit bekannt zu sein, sondern auch noch persifliert zu werden. Spicers Pressekonferenzen waren Quotenhits.

Melissa McCarthy von der US-Late-Nightshow wird bei einer Parodie auf Spicer gefilmt. | Bildquelle: AP
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Melissa McCarthy von der US-Late-Nightshow "Saturday Night Live" wurde mit ihren Sean-Spicer-Parodien international bekannt.

Die Show, die er ablieferte, folgte aber nur teilweise seinem eigenen Konzept: Spicer musste umsetzen, was sich Trump und seine Berater ausgedacht hatten. Die Politik des "Wir gegen die" - "Wir gegen das Establishment". Die Medien zählen zum Establishment - Spicers Aufgabe war es, die Reporter das jeden Tag spüren zu lassen.

Legendäre Auftritte

Sein erster, legendärer Auftritt drehte sich um die Frage, wie viele Leute zu Trumps Amtseinführung gekommen waren. Dieser Auftritt richtete sich nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern in erster Linie an Trump, dem Spicer zeigen musste, ob er Trumps Meinungen erfolgreich verbreiten kann - mögen sie auch noch so unsinnig sein.

Nun soll der neue Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci helfen, Trumps Erfolge an das Wahlvolk zu bringen. In seinem ersten Auftritt präsentierte er sich als loyaler Gefolgsmann, der nicht oft genug sagen konnte, wie sehr er den Präsidenten liebt. Das allein reicht aber nicht aus.

Keine Strategie zu erkennen

Das Weiße Haus hat keine erkennbare Kommunikationsstrategie. Das liegt in erster Linie am Präsidenten selbst. So lange er twittert, was ihm in den Kopf kommt, dadurch Themen setzt, die ihm auf die Füße fallen, so lange muss jede Kommunikationsstrategie scheitern. Wenn Trump sein Weißes Haus auf die Erfolgsschiene setzen will, muss er nicht über Leute nachdenken - er muss an sich selbst arbeiten.

Analyse: Trumps neue Kommunikationsstrategie
Jan Bösche, ARD Washington
22.07.2017 10:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2017 um 18:19 Uhr.

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