Sean Spicer  | Bildquelle: REUTERS

GCHQ zu Spicer-Vorwurf "Das ist komplett lächerlich"

Stand: 17.03.2017 13:48 Uhr

Laut US-Präsident Trump hat sein Amtsvorgänger Obama den britischen Geheimdienst beauftragt, ihn abzuhören. In einem seiner seltenen öffentlichen Statements erklärte der GCHQ ungewohnt deutlich, die Vorwürfe seien "Unsinn und komplett lächerlich".

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Die Stellungnahme des GCHQ ist knapp, sie umfasst nur zwei Sätze. Die Vorwürfe, der Geheimdienst sei gebeten worden, das Telefon des gewählten Präsidenten Trump anzuzapfen, seien "Unsinn. Das ist komplett lächerlich und sollte ignoriert werden."

GCHQ äußert sich sehr selten

Dass sich der britische Geheimdienst überhaupt öffentlich äußert, ist sehr ungewöhnlich. Als Edward Snowden aufdeckte, wie eng der GCHQ mit den Amerikanern zusammenarbeitet, lehnten die Briten stets jeglichen Kommentar ab. Dass sie es diesmal tun, findet BBC-Geheimdienstexperte Gordon Corera ein Zeichen für die Sorgen, die den Geheimdienst umtreiben: "Es zeigt, wie ernst sie das nehmen. Normalerweise wird von ihnen weder etwas bestätigt noch dementiert. Denn wenn man einmal dementiert, dann heißt es beim nächsten Mal gleich: 'Aha, diesmal wieder kein Kommentar, also läuft da was'."

Hauptquartier des GCHQ in Cheltenham
galerie

Das Hauptquartier des GCHQ in Cheltenham ist eigentlich ein verschwiegener Ort - doch diesmal äußerten sich die Verantwortlichen überraschend deutlich.

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May erklärte außerdem, man habe sich mittlerweile von der US-Regierung zusichern lassen, dass die Vorwürfe gegen den Geheimdienst nicht wiederholt würden: "Wir haben eine enge Beziehung zum Weißen Haus und können Bedenken äußern, wenn sie auftauchen. Dies war hier der Fall."

Fox News als Grundlage der Behauptung

Vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump den Vorwurf erhoben, Barack Obama habe sein Telefon im Trump-Tower in New York abhören lassen. Nun legte sein Regierungssprecher Sean Spicer nach und sagte, die Abschriften seien Obama vom GCHQ zugespielt worden.

Er berief sich dabei auf einen Bericht des US-Fernsehsenders Fox News, der schon ein paar Tage alt ist und von dem der britische Geheimdienst gehofft haben mag, dass das untergeht, sagt Gordon Corera. "Ich glaube, der GCHQ hatte gehofft, dass diese Vorwürfe einfach wieder verschwinden. Aber nachdem der Sprecher der US-Regierung sich ausdrücklich darauf bezogen hat, sah sich der GCHQ wohl veranlasst, dass sie darauf antworten müssen."

alt Hauptquartier des GCHQ in Cheltenham

Was ist der GCHQ?

Das GCHQ ist neben dem Inlandsgeheimdienst MI5 und dem Auslandsdienst MI6 einer der drei britischen Nachrichtendienste.
Er war in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Vorwürfen konfrontiert. So sollen etwa Dokumente des ehemaligen NSA-Mitarbeiters und Whistleblowers Edward Snowden belegen, dass das GCHQ beim G20-Gipfel 2009 in London Politiker anderer Nationen ausspioniert hat.

Nicht in vergiftete Auseinandersetzung hineingezogen werden

Die Stellungnahme sei in der Form und in der Wortwahl wirklich ganz außergewöhnlich, sagt Corera. Und sie zeige eigentlich nur eins: "Sie wollten nicht, dass die Idee im Umlauf bleibt, dass sie den gewählten Präsidenten der USA ausspionieren. Es zeigt wie groß die Sorge beim britischen Geheimdiensten ist, in eine vergiftete Auseinandersetzung in Washington zwischen den amerikanischen Geheimdiensten und der Trump-Regierung zu geraten."

Britischer Geheimdienst GCHQ weist Vorwurf der Trump-Spionage zurück
T. Spickhofen, ARD London
17.03.2017 13:20 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. März 2017 um 09:00 Uhr.

Darstellung: