Das Weltraumshuttle X-37B ist ein Projekt der US-Army | Bildquelle: picture alliance / dpa

US-Streitkräfte Trumps Weltraumarmee - ein Hirngespinst?

Stand: 10.08.2018 15:28 Uhr

Chinesen und Amerikaner in Raumschiffen, die sich mit Lasern beschießen? Viele Vorstellungen von "Weltraumarmeen" führen in die Irre. Militärtechnik im All ist aber realistisch.

Von Gabor Paal, SWR

Was sich US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence genau unter einer "Weltraumarmee" vorstellen, ist zwar noch unklar. Astronauten aus Fleisch und Blut dürften dabei eher eine marginale Rolle spielen, eine umso größere dafür Satelliten.

Die USA betreiben 800 Militärsatelliten im All, China mehr als 200. Sie dienen der Unterstützung der Streitkräfte am Boden: der Überwachung des Gegners, der Kommunikation, aber auch der Navigation von Raketen und Marschflugkörpern. Auch GPS war ursprünglich ein rein militärisches Projekt, die Nutzung für zivile Zwecke kam erst spät dazu.

US-Vizepräsident Pence (links) und Verteidungsminister Mattis bei der Vorstellung des Projekts "US Space Force" | Bildquelle: AP
galerie

US-Vizepräsident Pence (links) und Verteidungsminister Mattis bei der Vorstellung des Projekts "US Space Force"

Weil diese Satelliten aber für die Kriegsführung auf der Erde so wichtig sind, sind sie ein potenzielles Angriffsziel. Diese gilt es zu verteidigen. Genau das verdeutlichte Pence:

"Viele Jahre haben Russland, China, Nord-Korea und der Iran nach Waffen gestrebt, um unsere Navigations- und Kommunikationssatelliten mit elektronischen Angriffen vom Boden aus zu blockieren, zu blenden und auzuschalten. In jüngster Zeit arbeiten unsere Gegner daran, Kriegswaffen ins Weltall zu bringen."

Aufrüstung im Weltall

Ein denkbares Kriegsszenario könnte also so aussehen: Raumfähren oder neuartige Satelliten setzen gegnerische Militärsatelliten außer Gefecht - sei es mit Lasern, Störsendern oder auch, indem sie direkt an Satelliten andocken und sie zerstören. Umgekehrt gilt es, die eigenen Satelliten vor fremden Angriffen zu schützen.

SDI-Screenshot im ARD-Jahresrückblick 1985
galerie

Ronald Reagan propargierte in den 80er-Jahren SDI.

Die Aufrüstung des Weltraums ist keine ganz neue Idee. 1983 propagierte der damalige US-Präsident Ronald Reagan bereits die Verteidigungsinitiative SDI - schon damals oft als "Star Wars" bezeichnet. Doch sechs Jahre später war das Projekt tot, aus politischen ebenso wie aus technischen Gründen.


Satelliten schützen

Ist deshalb auch die "Space Force" zum Scheitern verurteilt? Vermutlich nicht, denn seit den 1980er-Jahren hat sich viel verändert: Es gibt im Weltraum viel mehr zu verteidigen: War SDI primär als Schutzschild gegen Langstreckenraketen gedacht, geht es heute sehr viel stärker um die Satelliten-Infrastruktur. Von ihr hängt nicht nur das Militär ab, sondern auch das zivile Leben. Navigationssatelliten sind das beste Bespiel.

Auch Internet, Telekommunikation und Rundfunk wären ohne Satelliten stark eingeschränkt. Staaten sind im Weltraum somit viel verletzlicher geworden, deshalb ist der Weltraum heute militärisch relevanter.

Gemessen am potenziellen Nutzen war SDI extrem teuer. 100 Milliarden Dollar wollte Reagan in den ersten zehn Jahren dafür ausgeben. Sein Nachfolger George Bush strich das Programm zusammen. Für die geplante "Space Force" veranschlagt die Trump-Regierung zunächst acht Milliarden Dollar in fünf Jahren. Das ist zwar immer noch viel, aber in militärischen Maßstäben doch überschaubar.

Weltraum- und Militärtechnik weiter entwickelt

Seit SDI gab es einen enormen technischen Fortschritt. Inzwischen gibt es Raumfähren, die fast so flexibel starten und landen können wie Flugzeuge. Der Transport von Militärgerät in und aus dem Weltraum wäre heute ungleich einfacher als früher.

Der Start der "Falcon Heavy" | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die private Weltraumfirma Space X testet neue Raketentypen, die flexibel landen und starten können.

Die Idee, anfliegende Raketen automatisch zu erkennen und abzuschießen, hat damals schlicht nicht funktioniert, das wäre heute anders. Autonome Abwehrsysteme sind weit gereift. Auch sind Satelliten in dieser Hinsicht ein deutlich leichteres und berechenbareres Ziel als eine Langstreckenrakete.

Der Weltraum wird zunehmend als wirtschaftliches und technologisches Eroberungsfeld gesehen. Visionen wie bemannte Marsmissionen oder Bergbau im Weltraum sind zwar noch Zukunftsträume, aber durchaus am Horizont. Insofern würde die Entwicklung zur Weltraumarmee auch dazu dienen, Techniken zu entwickeln, die später für ganz andere Zwecke genutzt werden könnten.

Darauf deutet auch der Satz im aktuellen Pentagon-Bericht hin: Die Vereinigten Staaten müssten uneingeschränkten Zugang zum All haben, "um Amerikas Sicherheit, wirtschaftlichen Wohlstand und wissenschaftliche Erkenntnisse voranzubringen". 

Geheime Experimente

Es ist auch nicht so, dass die militärische Erschließung des Weltraums seit SDI brach lag. Schon unter der Regierung von Barack Obama schoss die US-Luftwaffe das Weltraumshuttle X-37B ins All und führte geheime Experimente durch. Zwei Jahre blieb es dort. Wozu die Experimente dienten, was das ganze gekostet hat - kein Kommentar.

Die Diskussion in den USA dreht sich weniger darum, ob die Armee im Weltraum präsent sein sein soll, sondern vielmehr um die Zuständigkeit: Braucht es dafür eine neue Armee-Behörde oder sollen die Weltraumaktivitäten weiterhin der Air Force zugeordnet werden?

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2018 um 11:10 Uhr.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: