Screenshot des Twitter-Accounts von Edward Snowden

Whistleblower eröffnet Account Von Null auf 900.000: Snowden twittert

Stand: 30.09.2015 12:45 Uhr

US-Whistleblower Edward Snowden twittert jetzt. Seinen ersten Tweet hat er gestern abgesetzt - und bereits über die NSA gespottet. In nicht mal 24 Stunden gewann er fast eine Million Follower.

Von Fiete Stegers, NDR

"Ich hab mal für die Regierung gearbeitet, jetzt stehe ich im Dienste der Öffentlichkeit" - so lakonisch stellte sich Twitter-Neuzugang Edward Snowden der weltweiten Nutzergemeinde-Gemeinde im Info-Text seines offiziellen Profils in dem Kurznachrichtendienst vor. Die Twitter-Nutzerschaft kennt den Ex-NSA-Mitarbeiter und derzeit berühmtesten Whistleblower der Welt natürlich - und viele lieben ihn. In weniger als 24 Stunden haben mehr als 900.000 die Mitteilungen von @snowden abonniert.

Die Schwelle von mehr als einer Million Follower wird mit Sicherheit bald geknackt. Das hat nicht einmal Papst Franziskus an seinem ersten Tag geschafft. Mächtig stolz auf seinen berühmten neuen Nutzer verbreitete auch Twitters Kommunikationsabteilung selbst eine Infografik zur  Popularität von Snowden.

Twitter @twitter
Today @Snowden joined Twitter, and here's the world's response. http://t.co/d6HgVvdRsf

Unternehmen war eingeweiht

Das Unternehmen war über den Neuzugang eingeweiht: Snowdens Profil trug bereits zum Start den blau-weißen Haken, der es als echt ausweist. Bestätigt wurde die Echtheit außerdem von der Freedom of The Press Foundation, für die Snowden mittlerweile arbeitet, sowie vom Online-Magazin The Intercept des Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald. Laut The Intercept hatte Twitter Snowden den zuvor zwar schon an jemand anders vergebenen, aber offenbar nicht benutzten Twitter-Namen zur Verfügung gestellt.

Snowden selbst folgt mit seinem Profil bisher nur einem anderen Nutzer auf Twitter: seinem alten Arbeitgeber, der NSA. Ironie kann er also. Und er setzte noch einen drauf: "Jetzt öffnen gerade 1000 Leute in Fort Meade Twitter" kommentiert Snowden die Aufregung, die er mit seiner Twitter-Präsenz ausgelöst hat. Fort Meade ist das Hauptquartier der NSA.

Edward Snowden @Snowden
Meanwhile, a thousand people at Fort Meade just opened Twitter.

Aufforderung zum Beitritt kam von Freund

Bisher hat sich Snowden, der auf der Flucht vor der US-Justiz im russischen Asyl lebt, zwar häufig via Video-Livestream als Gastredner auf Konferenzen und ab und zu in Interviews geäußert - eine eigene öffentliche Präsenz in einem sozialen Netzwerk hatte er aber nicht. Auslöser war laut "The Intercept" eine Diskussion mit dem bekannten US-Astrophysiker und Wissenschaftsjournalisten Neil deGrasse Tyson, der ihn aufforderte, sich bei Twitter anzumelden. Mit Tyson führte Snowden dann auch seine erste Twitter-Plauderei: "Wasser auf dem Mars! Meinst du, dass sie dort an der Grenze die Pässe kontrollieren? Ich frage für einen Freund."

Dass er Humor hat, hat Snowden schon in früheren Interviews bewiesen. Als Dauer- und Dampfplauderer wird er sich auf Twitter aber sicher nicht erweisen. Zu dieser Annahme bieten die ersten Tweets jedenfalls keinen Anlass und es würde auch nicht zu seinem früheren Verhalten passen, bei denen er seine Person stets seinem Anliegen unterordnet. Öfter direkt zu Wort melden wird er sich aber sicherlich: Er spricht von "geheimen Projekten für die Freedom of the Press Foundation".

Account ist rückverfolgbar

Das Spannende ist allerdings: Snowden legt bekanntlich höchsten Wert auf sichere Kommunikation und hat deshalb ihm zuzuordnende öffentliche Internet-Profile vermieden. Jetzt liefert er der NSA einem klar erkennbaren Angriffspunkt, der ihn rückverfolgbar macht und an dem sich der Geheimdienst mit seinen Hacker-Fähigkeiten versuchen kann.

Wie nutzt Snowden Twitter wohl praktisch? Vermutlich wird er sich nur mit einem Anonymisierungsdienst und unter weiteren Vorsichtsmaßnahmen einloggen - schon dies würde dann gegen eine dauernde Aktivität in dem sozialen Netzwerk sprechen. Oder fühlt sich Snowden inzwischen in Russland sicher genug, dass er darauf verzichtet?  Fragen, auf die uns Snowden vermutlich - aus Sicherheitsgründen - keine Antwort geben wird.

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