Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem "Guardian" | Bildquelle: AP

Russland und China sollen Informationen haben Geheime Snowden-Daten geknackt?

Stand: 14.06.2015 05:19 Uhr

Russland und China sollen verschlüsselte Datensätze des Informanten Snowden geknackt haben. Das berichten britische Medien unter Berufung auf Regierungsvertreter. Der Auslandsgeheimdienst MI6 habe bereits reagiert. Der Snowden-Vertraute Greenwald wies die Darstellung zurück.

Russland und China sollen nach Medienberichten streng geheime Daten der Geheimdienste Großbritanniens und der USA entschlüsselt haben. Die Spionagedaten sollen nach Darstellung der britischen "Sunday Times" und der BBC aus dem Fundus des US-Informanten Edward Snowden stammen.

Das Entschlüsseln der Daten habe den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 dazu veranlasst, Agenten aus Einsätzen abzuziehen. Die Zeitung berief sich auf Quellen aus dem Umfeld des Premierministers, im Innenministerium und in den Sicherheitsbehörden.

Standbild von Edward Snowden aus einem Video-Interview mit dem "Guardian" | Bildquelle: AP
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Snowden hatte erklärt, Russland habe keinen Zugriff auf seine Daten.

Dem Zeitungsbericht zufolge verschaffte sich etwa Russland Zugang zu mehr als einer Million Geheimdokumenten aus dem Snowden-Fundus. Auch China soll verschlüsselte Dokumente gehackt haben, die Informationen und Methoden von Geheimdiensten enthielten und zur Enttarnung von britischen und US-amerikanischen Spionen führen könnten.

Greenwald widerspricht "Sunday Times"

Der Snowden-Vertraute und Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald wies die Darstellung zurück. Der Bericht in der "Sunday Times" sei gespickt mit vielen nachweislich falschen Fakten und ein Beispiel für schlimmsten Journalismus. Wer Behauptungen glaube, die anonym im eigenen Interesse von Regierungen vorgetragen würden, sei dumm, schrieb Greenwald im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte der britischen Rundfunkanstalt BBC, Agenten seien versetzt worden, weil Russland und China Snowden-Dateien lesen können. Es gebe keine Hinweise darauf, dass einem von ihnen geschadet worden sei.

Russland und China sollen Snowden-Dateien entschlüsselt haben
tagesschau 20:00 Uhr, 14.06.2015, Julie Kurz, ARD London

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Snowden: Keine Kopien mit nach Russland genommen

Snowden hatte zunächst für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet und war unter anderem in Genf stationiert. Später wechselte er zu der Vertragsfirma Booz Allen Hamilton. Für Booz arbeitete er als externer Mitarbeiter bei der National Security Agency (NSA). Als Systemadministrator hatte er Zugriff auf viele Dokumente und kopierte tausende Unterlagen. Insgesamt soll er sich 1,7 Millionen Datensätze beschafft haben und diese an Journalisten weitergereicht haben. Seit zwei Jahren werden daraus immer neue Informationen über die weltweiten Überwachungsaktivitäten des Dienstes NSA und seines britischen Verbündeten GCHQ bekannt.

Snowden wird von den USA gesucht. Auf seiner Flucht war er in Russland gestrandet und bekam dort Asyl. Der Zeitung "New York Times" hatte er im Oktober 2013 gesagt, er habe keine geheimen Dokumente mit nach Russland genommen. Er habe im Juni in Hongkong vor der Weiterreise nach Russland alle Unterlagen an Journalisten übergeben. Er habe keine Kopien behalten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Russen oder Chinesen irgendwelche Dokumente bekommen haben, liegt bei null Prozent", betonte Snowden in dem Interview.

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